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Frankfurt Universe Luft nach oben

Die Frankfurt Universe wachsen zusammen, aber der Zuspruch muss Besorgnis auslösen.

Freie Tage gibt es für Timothy Thomas zurzeit eher selten. Denn wenn mal kein Training im Kalender steht, dann treffen sich der gebürtige Südafrikaner und die übrigen Passempfänger von Football-Erstligist Frankfurt Universe eben im Park mit Quarterback Steve Cluley. Um an Bewegungsabläufen zu feilen, um ein besseres Gespür für einander zu entwickeln. „Wir trainieren jeden Tag. Mindestens 45 Minuten, manchmal zwei Stunden“, erzählte Thomas, der am Sonntag der beste Beleg dafür war, dass sich die Extraschichten so langsam auszahlen. Gleich drei Touchdowns erzielte der aus Helsinki gekommene Neuzugang beim überdeutlichen 63:7 (35:0)-Heimsieg gegen die Marburg Mercenaries. „Jeder hat heute getan, was er zu tun hatte“, analysierte Thomas. 

Ihre ersten drei Saisonspiele hatten die insolventen Footballer vor allem dank ihrer starken Defensive für sich entschieden, während die Mitglieder der Offensivabteilung noch eine Weile brauchten, um miteinander warm zu werden. Doch am Sonntag gelang den Gastgebern bei eigenem Ballbesitz so gut wie alles. Neben Thomas brachten auch Andreas Betza, dem zwei Touchdowns gelangen, David Giron, Harry Innis, Joe Bergeron und Ballverteiler Cluley mit einem 20-Yard-Lauf Punkte auf die Anzeigetafel. „Die Defensive war überragend wie immer, und auch die Offensive hat heute abgeliefert“, bilanzierte Headcoach Brian Caler. „Ich war sehr beeindruckt davon, wie die Mannschaft zusammengespielt hat.“ 

Man muss es Caler hoch anrechnen, dass er in einer äußerst ungewissen Situation ohne zu Murren seinen Job erledigt und die Mannschaft kontinuierlich besser macht. „Was außerhalb des Spielfelds und des Trainingsplatzes passiert – darauf haben wir keinen Einfluss“, sagte der US-Amerikaner. Auch der Marburger Trainer Dale Heffron drückte seine Wertschätzung aus. „Die Arbeit, die Brian hier bei all dem Druck macht, ist erstaunlich“, sagte er. Die Frankfurter Mannschaft sei unter Caler sogar noch enger zusammengerückt als im Vorjahr. 

Nur 1672 Zuschauer

Alles andere als eng war es derweil auf den Rängen. Nur 1672 Zuschauer wollten das Hessenderby sehen – so wenige Fans waren in den drei Jahren, die Universe mittlerweile am Bornheimer Hang spielt, noch nie gekommen. Allerdings galten die Spiele gegen Marburg trotz der geographischen Nähe noch nie als Publikumsmagnet, weshalb Insolvenzverwalter Thomas Rittmeister vorsichtig mit 1500 bis 1700 Besuchern kalkuliert hatte – und damit richtig lag. 
„Wir liegen im Budget“, sagte der Jurist, der gnadenlos den Rotstrich ansetzen musste. Für Entbehrliches wie Feuerwerk oder Power Party ist in dieser Saison kein Geld da. Und das macht sich eben auch noch negativ in der Zuschauerzahl bemerkbar. 

Obendrein fehlen die 780 Dauerkartenbesitzer, deren Tickets durch die Insolvenz ihren Wert verloren haben, und von denen nur die wenigsten bereit sind, sich für jedes Spiel neue Karten zu kaufen. Rittmeister hatte gehofft, dass ein Sponsor die Fans entschädigt und den Vorgang als Werbemaßnahme für sich nutzt. „Es hat sich keiner gefunden“, berichtete er. Dass das noch passiert – eher unwahrscheinlich. 

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