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Eishockey Unter den Rädern des Verbandes

Der Eishockey-Oberligist Kassel Huskies steht kurz vor der Insolvenz. Das Heimspiel der Löwen wurde wegen einer Grippewelle des Gegners abgesagt.

05.02.2014 08:17
Sebastian Rieth
Schon bald Vergangenheit? Eishockey in Kassel. Foto: imago

Das Telefon klingelt, aber keiner hebt ab. Nicht am Morgen, und auch nicht später. Ein schlechtes Zeichen? Über den Pressesprecher lässt sich Stefan Traut entschuldigen, es heißt, der Geschäftsführer der Kassel Huskies befinde sich zwar in seinem Büro, stecke dort aber fast pausenlos in Gesprächen fest. Verwunderlich ist das nicht.

Es steht schlecht um den Eishockey-Oberligisten aus dem hessischen Norden, ausgerechnet jetzt, da Licht am Ende des Tunnels der ewigen Langeweile zu erspähen ist, da man bald auf die Schlussgerade im Kampf um den Aufstieg einzieht und die Partien nicht mehr einseitig verlaufen, sondern sogar Anflüge eines reellen sportlichen Wettbewerbs bekommen. Ausgerechnet jetzt ist der finanzielle Kollaps wohl nicht mehr aufzuhalten. Dem Traditionsverein droht nach 2010 zum zweiten Mal die Insolvenz. Schon heute, so vermuten Insider, werde Traut den bitteren Gang zum Amtsgericht antreten und einen Antrag auf Zahlungsunfähigkeit stellen. Der Insolvenzverschleppung wolle er sich schließlich nicht schuldig machen. Zu einem Dementi konnte sich gestern niemand durchringen. „Das sind Gerüchte, die wir nicht kommentieren werden“, sagte Pressesprecher Andreas Wessel. Mehr nicht.

Spielbetrieb nicht bedroht

Vor wenigen Tagen hatte Traut öffentlich eingeräumt, dass die Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft (KEBG) am Saisonende ein sattes Minus von 250 000 Euro erwartet. Für einen Drittligisten ist das allerhand. In Kassel haben Fans und Sponsoren ein drittes Jahr in dieser unrentablen Holzklasse nicht mehr akzeptiert, sie verspürten keine Lust auf sinnlose Kantersiege gegen Amateure und blieben weg. Die Folgen: Im Schnitt 400 Zuschauer weniger als kalkuliert und ein 150 000 Euro großes Loch im Bereich der Sponsoreneinnahmen.

Natürlich hat der Landesverband einen großen Anteil am Finanzdesaster, weil er Kassel und Frankfurt stets als Melkkühe missbrauchte; die Pleite ist aber auch hausgemacht, weil man das diffuse Geflecht um den Gesellschafter Dennis Rossing oder den als Halleneigentümer auftretenden Eheleuten Kimm nie richtig entzerren konnte.

Der Spielbetrieb scheint von einer Insolvenz momentan allerdings nicht bedroht. Die Agentur für Arbeit würde die Gehälter für die kommenden drei Monate übernehmen – genau dann ist die Saison zu Ende. Ob die DEL2 einem insolventen Aufsteiger allerdings den Zugang zu ihrer Liga gewährt, darf mehr als nur bezweifelt werden.

„Diese Entwicklung ist bedauerlich“, sagt Stefan Krämer, Geschäftsführer der Löwen Frankfurt. Von Häme keine Spur. „Wir pflegen seit jeher eine tolle Rivalität. Ich bin schockiert.“ Auch die Löwen haben unter dem Verband zu leiden, auch sie sind nicht auf Rosen gebettet, werden die Saison aber wirtschaftlich überstehen. Ihr für gestern Abend geplantes Heimspiel gegen die Königsborner Bulldogs musste indes wegen einer Grippewelle beim Gegner abgesagt werden. Wie die Partie gewertet wird, ist ungewiss, da der Landesverband der Absage nur widerwillig zustimmte. Nur zu gerne hätte man sich an den Zuschauereinnahmen des Spiels noch einmal die Säckel vollgemacht. Pleite gehen schließlich die anderen.

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