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Eishockey Der Analytiker

Daniel Heinrizi ist 28, trainiert den Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim und muss sich dabei mit einiger Kritik auseinandersetzen.

28.01.2014 07:52
Sebastian Rieth
Geht ökonomisch mit Emotionen um: Daniel Heinrizi. Foto: Storch

Um mit Klischees aufzuräumen, verrät Daniel Heinrizi ein kleines Geheimnis. Vor gut zwei Wochen, der EC Bad Nauheim hatte wieder einmal ein Auswärtsspiel vergeigt, sei er in der Kabine so richtig wütend geworden. Das Ergebnis: Eine zerdepperte Massageliege in Rosenheim. Während anderen Trainern viel daran gelegen wäre, den kleinen Tobsuchtsanfall vor der Öffentlichkeit zu verbergen, posaunt ihn Heinrizi ohne Scham hinaus. Das hat seinen Grund. Jung, smart, profillos – in diese Schublade will sich der gebürtige Darmstädter nur ungern stecken lassen.

Daniel Heinrizi ist kein Bauchmensch

Wenn jemand mit gerade mal 28 Jahren und ohne eigene große Spielerkarriere zum Chefcoach eines Eishockey-Zweitligisten befördert wird, dann ruft das zwangsläufig Kritiker auf den Plan, die sich gar nicht früh genug in ihren Zweifeln bestätigt sehen, dass es zum erfolgreichen Lenken einer Profimannschaft mehr braucht als nur die blanke Theorie. Auch in Bad Nauheim wurde Heinrizi schnell nachgesagt, er könne sich nicht richtig durchsetzen. Das bringen das Alter und drei Niederlagen am Stück so mit sich. In der Tat ist er ein ganz anderer Typ als sein Ende Dezember entlassener Vorgänger Frank Carnevale. Heinrizi würde mit Brille, perfekt gestutztem Dreitagebart und seiner sanften Sprache auch als die studentische Hilfskraft eines Professors durchgehen. Ein Theoretiker, ein Analytiker, kein Bauchmensch wie Carnevale. Ein Nachteil muss das nicht sein.

„Es ist wichtig, dass man den Spielern ihre Fehler auch erklärt. Dafür bekommt man Respekt“, sagt Heinrizi. Dann sei es auch egal, dass einige älter seien als der Coach. Kapitän Patrick Strauch sieht das ähnlich: „Es darf keine Ausrede sein, dass wir einen jungen Trainer haben. Er bereitet uns akribisch auf jedes Spiel vor – den Rest des Jobs müssen wir erledigen.“ Auch wenn Heinrizi kein allzu impulsiver Mensch ist und während des Spiels sämtliche Tore fast völlig emotionslos hinnimmt, so hat er sich in einem schwierigen Umfeld bislang seine Authentizität bewahrt.

Dabei war das Wasser, in das ihn die Geschäftsführung der Roten Teufel vor zwölf Tagen mit der Beförderung vom Interims- zum Cheftrainer geworfen hatte, schon längst am Köcheln. Die Erwartungen sind nach wie vor hoch, noch immer sei nach der Trennung von Carnevale „ein riesengroßer Keil in der Mannschaft“ und die sportliche Situation des Tabellenneunten mit acht Punkten Rückstand auf den Playoff-Platz ist auch nicht gerade rosig. Zwölf Spiele hat Heinrizi noch Zeit, das Saisonziel zu erreichen; in den zwölf bisherigen unter seiner Leitung gab es fünf Siege und sieben Niederlagen.

Mutige Entscheidung

Der Südhesse ist zweifellos ein No-Name. Als der Boulevard das erste Mal über ihn berichtete, war von einem gewissen „Heinz Rizi“ zu lesen. Eine Episode, über die er längst schmunzeln kann. Die große Spielerkarriere blieb ihm aufgrund einer schweren Schulterverletzung verwehrt. Stattdessen arbeitete der ehrgeizige Sportwissenschaftler als rechte Hand von Rich Chernomaz in Frankfurt, erstellte Videoanalysen und kümmerte sich um den Nachwuchs. 2011 schloss er einen Trainer-Lehrgang mit Größen wie Uwe Krupp oder Don Jackson als jüngster Teilnehmer mit der A-Lizenz ab und wechselte nach der Pleite der Lions in die Wetterau.

Die Entscheidung, ihm die alleinige Verantwortung zu übertragen, war mutig. „Ganz Deutschland schreit nach jungen Leuten – wir geben ihnen eine Chance“, sagt Geschäftsführer Andreas Ortwein. Man habe mit einer externen Lösung „keinen Schnellschuss“ abfeuern wollen, sondern auf das Bekannte gesetzt. Ganz nebenbei auch die kostengünstigere Variante. Nach dem Saisonende wird Heinrizi nach eigener Aussage ohne Murren wieder zurück ins Glied als Jugendchef und Co-Trainer wechseln. Fast so, als sei bis auf eine ramponierte Massagebank in Rosenheim nichts gewesen.

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