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Einrad-DM Wacklige Frauendomäne

Es gibt Sportarten, in denen die Frauen das Sagen haben. Dazu gehört auch das Einrad-Freestyle, bei dem Männer absolute Mangelware sind. So auch bei der deutschen Meisterschaft in Dietzenbach.

29.05.2011 22:53
Margit Rehn
Einer der tapferen Männer: Moritz Eisbach aus Lennep. Foto: Schick

Einradfahren ist eigentlich eine ganz alte Fortbewegungsform, die vor 100 Jahren im Zirkus verortet war und auch heute noch eine akrobatische Note besitzt. Trotz ihrer Randständigkeit hat sich die mittlerweile seriös gewordene Sportart binnen des vergangenen Jahrzehnts sehr gut entwickelt. Das war auch bei der deutschen Meisterschaft der Freestyler in Dietzenbach zu beobachten, wo 230 Aktive diesen Aufschwung in einer rammelvollen Halle sichtbar machten.

„Das ist ein sehr schöner Zuschauersport, bei dem aber der Spaß und natürlich die Gruppendynamik im Vordergrund stehen“, sagte Mitorganisatorin Conny Dubberstein vom veranstaltenden TSV Dudenhofen, der anlässlich der nationalen Titelkämpfe mit dem RSC Dietzenbach kooperiert hatte. „Wir brauchten eine größere Halle, im Rodgau hätten wir diese Veranstaltung gar nicht durchführen können“, so Dubberstein, die sich sicher ist, dass der vor rund einer Dekade erfolgte Anschluss der tanzorientierten Freestyler an den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) dem zuletzt so positiven Trend förderlich war. Seit Kurzem existiert im Dachverband sogar eine Einrad-Vizepräsidentin, worauf die Macherinnen in den Vereinen augenscheinlich auch stolz sind.

Dass beim Freestyle, der dem Eiskunstlaufen genauso ähnelt wie er auch eine karnevalistische Showkomponente hat, ausnahmslos von Frauen die Rede ist, erscheint angesichts der Aktivenstruktur symptomatisch. Es sind Kinder und ganz junge Mädchen, die diese Sportart betreiben. Erwachsene Frauen über 20 waren in Dietzenbach jedenfalls rar gesät; männliche Teilnehmer mussten mit der Lupe gesucht werden – insgesamt waren es sechs.

WM in Brixen

Was nicht heißen soll, dass das Einradfahren vom Grundsatz her eine reine Frauensache wäre. Es gibt diverse Disziplinen wie Off-Road, Trial, Street und neuerdings auch Flat, die tendenziell an der BMX-Szene andocken und bei denen es um die Überwindung von Hindernisparcours oder Rennszenarien im Gebirge geht. Das sei dann die männliche Domäne des Unicyclings mit ganz anders gebauten Rädern und geländetauglichen Reifen.

Doch zurück nach Dietzenbach, wo es für die Teilnehmerinnen auch darum ging, perspektivisch die Aufnahme in den deutschen Elitekader zu schaffen, der 2012 bei der Einrad-Weltmeisterschaft in Brixen an den Start gehen wird. Europameisterschaften gibt es noch nicht, dafür diesen weltweiten Vergleich im Zweijahresturnus, bei dem die USA, Japan und China traditionell Führungspositionen einnehmen.

In Europa sind Deutschland und die Schweiz tonangebend; die Hochburgen hierzulande befinden sich in Nordrhein-Westfalen und ansonsten generell eher im süddeutschen Raum. Heruntergebrochen auf Hessen spielt Rodgau-Dudenhofen eine wichtige Rolle. Deutsche Meister konnten die Veranstaltervereine zwar nicht feiern, es gab allerdings drei Podestplätze in den Jugendklassen, was eigener Auffassung nach auch nicht so schlecht ist. Und die Entwicklung, die gehe ja weiter.

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