Lade Inhalte...

Triathlon Stadler wird Manager

Der polarisierende Triathlet Normann Stadler wechselt die Seiten. Nach überstandener Herz-OP wird Stadler Triathleten wie Marino Vanhoenacker beraten - und an der Strecke mitfiebern.

Einst Kontrahenten, jetzt Freunde und Partner: Normann Stadler (r.) und Marino Vanhoenacker. Foto: schmitt schart

Normann Stadler hat nicht vergessen, wer im vergangenen Sommer plötzlich sein Krankenzimmer betrat. Nach einer komplizierten Herzoperation hatte der zweifache Sieger des Ironman auf Hawaii in der Universitätsklinik Heidelberg noch striktes Besuchsverbot, als plötzlich Marino Vanhoenacker an seinem Bett erschien.

Der zähe belgische Triathlet hatte zuvor in Klagenfurt gerade eine Weltbestzeit über die Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen) aufgestellt, doch seine Sorge galt dem plötzlich in Lebensgefahr geratenen Gefährten aus dem inzwischen aufgelösten Commerzbank Triathlon-Team. „Er war der Einzige, der mich sofort besucht hat, obwohl andere Teammitglieder ganz in der Nähe wohnten“, erinnert sich der 39-jährige Stadler.

Meinungsfreudig und mitunter unbequem

Irgendwie verwundert es nicht, dass die Bande aus aktiven Zeiten nun in eine Zusammenarbeit mündet. Stadler tritt künftig als Vanhoenackers Manager auf. „Normann kann jedem Triathleten etwas beibringen“, sagt der 35-Jährige aus Westflandern, der in Jabbeke bei Brügge beheimatet ist, „mich wundert, dass ihn noch niemand anders genommen hat.“

Vielleicht, weil der Mannheimer stets als polarisierender Grenzgänger galt. Meinungsfreudig und mitunter unbequem. „Ich rede Marino sportlich nicht rein, aber er kann mich auch nachts um zwei Uhr anrufen.“

Stadler selbst will auch Trainingscamps veranstalten und Vorträge halten. Sein Seitenwechsel überrascht nicht, bleibt der Familienvater einer wachsenden Sportart („Es lohnt sich, in Triathlon zu investieren“) so erhalten.

Direktes Duell in Frankfurt

Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass die eingebundene Kommunikationsagentur Schmitt Schart aus Pforzheim, mit der Stadler in seinen besten Zeiten kooperierte, sich parallel von Andreas und Michael Raelert getrennt hatte. „Es hat nicht mehr gepasst“, sagt Andreas Raelert.

Die Raelert-Brüder verfolgen den Traum des Doppelsiegs auf Hawaii weiterhin – Vanhoenacker wird dabei einer ihrer härtesten Rivalen sein. Der Seriensieger beim Ironman in Klagenfurt hat sich vor allem deshalb einen Namen gemacht, weil seine Fabelzeit von 7:45:57 Stunden eine Woche später nur von Andreas Raelert in Roth (7:41:33) unterboten wurde. Bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt kommt es am 8. Juli nun zum direkten Duell.

Kritischer Rückblick

Stadler wird in Frankfurt an der Strecke mitfiebern. „Ich bin mit mir absolut im Reinen“, versichert einer, der seinen Schicksalsschlag mit einem gewissen Pragmatismus betrachtet. „Es hätte mich auch treffen können wie einen Profifußballer, den der plötzliche Herztod ereilt.“

Fast 50 E-Mails habe er von Betroffenen erhalten, die einen ähnlichen Vorfall erlitten, „Sportler und Nicht-Sportler“. Natürlich sieht er das extreme Training oder den Stress der Wettkämpfe im Rückblick kritisch, „das kann nicht alles gesund gewesen sein“.

Doch ob das wirklich der Auslöser dafür war, dass sich bei ihm an der Hauptschlagader zum Herzen ein Aneurysma bildete, wissen nicht einmal die Ärzte. „Meine Aorta war sieben Zentimeter ausgebeult, meine Herzklappe nicht in Ordnung. Das Blut schwappte vor dem Herzen nur noch hin und her“, berichtete er damals.

Es mutet wie ein Wunder an, dass der gebürtige Wertheimer am vergangenen Sonntag in einer Staffel beim Hamburg-Marathon teilnahm. „Ich war 23 Jahre lang Leistungssportler. Ich muss abtrainieren. Ich hatte ein Riesenherz.“ Und Riesenglück.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen