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Triathlon Die Zielscheibe auf dem Rücken

Hawaii-Sieger Patrick Lange muss beim Ironman in Frankfurt mit der Favoritenrolle zurechtkommen.

Patrick Lange
Auf der abschließenden Marathonstrecke regelmäßig einer der schnellsten: Patrick Lange (r.). Foto: dpa

Der lockere Lauf am Main entlang hinterließ bei Patrick Lange gemischte Gefühle. Einerseits ist Frankfurt für den im hessischen Bad Wildungen geborenen Ausdauersportler so etwas wie Heimat, kennt der Wahl-Darmstädter die bei der Ironman-EM geforderte Strecke bestens und darf sich auf viel Rückwind vom Rande der Straße freuen. Andererseits machten die Begegnungen mit etwa 15 namentlich Bekannten auf dem kurzen Trainingsweg dem Weltmeister von Hawaii noch einmal deutlich, wie sehr sich der Fokus am Sonntag auf ihn richten wird. Und welch hoher Druck auf ihm lastet.

Auf Schritt und Tritt muss der Lokalheld mit zufälligen Zusammentreffen rechnen. Nach seinem Erfolg auf Hawaii trage er „die Zielscheibe auf dem Rücken“. So war für Lange schnell klar, dass der Wechsel aus dem sich viel angenehmer anfühlenden Rolle des Jägers heraus in die unbequeme Position des Verfolgten vor allem in mentaler Hinsicht eine Herausforderung darstellen würde. Deshalb, sagt Lange, habe der Schwerpunkt seiner ansonsten wenig veränderten Vorbereitung in diesem Jahr auch darauf gelegen, sich Strategien für den Kopf anzueignen, mit denen er sich abschirmen kann.

„Am Anfang der Saison war das noch ein größeres Problem“, sagt der gelernte Physiotherapeut. Mittlerweile jedoch beherrsche er die Kunst des Abschaltens und der Verarbeitung all der äußeren Einflüsse recht gut. Der Profi, der 2016 auf Hawaii schon überraschend Dritter war, kann sich nach einem bewegten Winter wieder besser auf den Sport konzentrieren. „Es wird schwer, mich zu schlagen“, ist der Vorjahressechste vor dem EM-Start (6.30 Uhr/HR) überzeugt. Die vergangenen Monate überstand er verletzungsfrei, die Form sollte also stimmen. Doch Lange hat seine Ziele für die 3,86 Kilometer durch den Langener Waldsee, die baustellenbedingten 185 auf dem Rad und den abschließenden Marathonlauf „abgestuft“. Eigentlich reiche es ihm ja, als Finisher das Ticket nach Hawaii zu lösen.

Viele Radkilometer abgespult

„Es geht darum, dort das beste Rennen zu liefern“, betont Lange. Der Ehrgeiz flüstert ihm andere Worte zu. Der Titel vor dem Römer fehlt in seiner Sammlung. Auch ein neuer Streckenrekord auf der 42,195 Kilometern langen Laufdistanz versteckt sich in seinem Hinterkopf. Die zu erwartende Hitze von knapp 30 Grad soll die Leistung nicht schmälern. „Sie spielt mir eher in die Karten“, betont Lange.

Doch egal, wie das Wetter sich darstellen wird, es gebe es für ihn nur eine Richtung: „vorwärts und das so schnell wie möglich“. Eine detailliertere Taktik für den längsten Tag wird nicht offenbart: „Es gibt Pläne, aber die kann ich schlecht preisgeben.“ Einer davon ist jedoch klar: Von Anfang an in Schlagdistanz zu seinem vermutlich härtesten Konkurrenten, dem zweimaligen WM-Titelträger und seinem Vorgänger Jan Frodeno, bleiben, der im Wasser flink davonzieht.

„Ich habe erst mit 18 richtig Kraulen gelernt“, erklärt Lange. Für den anschließenden Radkurs habe er im Training kräftig investiert, spulte etwa in den Südtiroler Alpen eine Riesenzahl an Kilometern ab. In dieser zweiten Disziplin sieht er noch sein größtes Potenzial. Aber aktuell schon die die Möglichkeit, so weit aufzuholen, dass er auf der zweiten Hälfte des Marathons seine größte Stärke ausspielen und schließlich den Sieg auf dem Römerberg feiern kann.

Duell mit dem Olympiasieger

Im vergangenen Jahr, da ein Knochenödem am Fuß ihn zuvor wochenlang bremste, hatte er zu früh Gas gegeben. In der zweiten Wechselzone noch auf Rang drei gelegen, schleppte der Lokalmatador sich schließlich nur als Sechster ins Ziel, wobei er auch noch eine Zeitstrafe wegen unerlaubten Mitlaufens seines Trainers Faris Al-Sultan kassierte. Beides soll nicht mehr passieren. Die Schlappe habe ihn gelehrt, es nicht zu übertreiben. Das habe ihm Wochen später auch zum Triumph beim Klassiker auf Hawaii verholfen.

Sollte Lange sich nach der Niederlage beim 70.3-Rennen Anfang Juni im Kraichgau bei der Europameisterschaft nun erneut Frodeno geschlagen geben müssen, werde er sich das nicht allzu sehr zu Herzen nehmen, betont Lange. Alles, was er tue, sei schließlich auf das erneute Erreichen des höchsten Ziels aller Eisenmänner gerichtet. Aktuell stehe es in diesem Jahr zwar 1:0 im Duell mit dem Olympiasieger, „aber ich wäre auch mit einem 2:1 aus seiner Sicht zufrieden, wenn ich dabei am Ende den großen Tanz gewinne“.

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