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Simret Restle Die Einsamkeit der Langstreckenläuferin

Simret Restle startet nicht mehr für die LG Eintracht, weil ihr in Frankfurt die passenden Wettkampfkollegen fehlten. Von Margit Rehn

16.03.2010 00:03
Margit Rehn
Simret Restle
Simret Restle fühlt sich in ihrer neuen sportlichen Heimat, beim PSV Grün-Weiß Kassel, wohl. Foto: Kraus

Bis auf wenige Ausnahmen stehen die besten hessischen Leichtathleten bei der LG Eintracht Frankfurt unter Vertrag. Bis Ende vergangenen Jahres galt das auch für Simret Restle. Doch die Langstreckenläuferin mit eritreischen Wurzeln, die neben der Freigerichterin Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) und Sabrina Mockenhaupt (Köln) zur deutschen Spitze im Ausdauerbereich zählt, hat dem Renommierverein nach drei Jahren den Rücken gekehrt.

Restle, die am Sonntag den Halbmarathon in Frankfurt souverän gewonnen hat, startet neuerdings für den PSV Grün-Weiß Kassel, womit sie einen durchaus seltsam anmutenden Wechsel in eine Region mit leichtathletischem Entwicklungsbedarf vollzogen hat. Tatsache ist jedenfalls, dass Athleten mit internationalem Potenzial, die in Nordhessen aufgewachsen sind, eigentlich immer das Weite gesucht haben; bekanntestes Beispiel ist die mittlerweile für die LG Eintracht Frankfurt startende Hochspringerin Ariane Friedrich. Dass Simret Restle nun den umgekehrten Weg eingeschlagen hat, kann also schwerlich nur finanzielle Gründe haben, was die 26 Jahre alte Crossspezialistin auch bestätigt: "Ich liebe meinen Sport nicht wegen des Geldes. Auf dieser Ebene gab es mit der Eintracht keine Probleme. Ich bin dort immer sehr gut unterstützt worden."

Vielmehr habe die Umorientierung sportliche Gründe gehabt. So gebe es auf ihrem Leistungsniveau in Frankfurt keine adäquaten Kollegen; bei Wettkämpfen sei sie dementsprechend stets alleine gewesen. Dieses Einzelkämpfertum wider Willen habe ihr nicht mehr gefallen: "In Kassel gibt es eine richtige Mannschaft, und ich habe absolut keine Lust mehr, ewig alleine zu reisen. Das ist ein tolles Gefühl, wenn du plötzlich mit 33 Leuten zur deutschen Meisterschaft fährst." Restle nimmt dabei auf die nationalen Titelkämpfe im Crosslauf in Stockach (Bodensee) Bezug, wo sie kürzlich trotz Magendarm-Problemen und physischer Schwächung mit der Mannschaft siegreich war.

Ziel ist die EM in Barcelona

Die weiterhin in Wiesbaden lebende freiberufliche Fitnesstrainerin, die sich zwar von unterschiedlichen Seiten gerne beraten lässt, über ihr Training in letzter Konsequenz aber selbst bestimmt, hat sich im Sommer die Teilnahme an der Europameisterschaft in Barcelona zum Ziel gesetzt. Nachdem sie wegen einer Fußverletzung das Olympiaticket für Peking im 3000-Meter-Hindernislauf verpasst hatte und voriges Jahr aus privaten Gründen ihren Kopf nicht richtig freibekam, soll die Karriere jetzt endlich Fahrt aufnehmen. Zwar hat sie den Hindernislauf vorläufig abgeschrieben. Doch Simret Restle ist flexibel genug, um in diversen Disziplinen und über verschiedene Distanzen ihre Chance zu suchen.

Nachdem sie bei der deutschen Meisterschaft über 10000 Meter auf der Bahn hinter Sabrina Mockenhaupt dreimal hintereinander Zweite war, möchte sie diesen Teilerfolg wiederholen und vor allem ihre Bestzeit von aktuell 33:30 Minuten verbessern. Den Grundstein wird sie demnächst beim Höhentraining in St. Moritz legen, wobei sie sich vorab schon topfit fühlt.

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