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Orthopädische Uniklinik Friedrichsheim Vom aufrechten Gang

Die Orthopädische Uniklinik Friedrichsheim in Frankfurt-Niederrad analysiert Bewegungsabläufe im Labor. Von Friederike Tinnappel

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Die Beine von Daniel Nick sind in Friedrichsheim gefragt. Foto: A. Arnold

Daniel Nick (38) ist Physiotherapeut und ein guter Läufer. Für die 5000-Meter-Strecke braucht er "knapp unter zwanzig". Auch über 10.000 Meter ist der schmale Mann schnell unterwegs. Am Freitag, im neuen Ganglabor der Orthopädischen Uniklinik Friedrichsheim, ist jedoch nicht Schnelligkeit, sondern Geduld gefragt. Daniel Nick macht sich an diesem Tag als Demonstrationsobjekt verdient.

An der rechten Wade blinkt es blau. Dort wird die Muskelaktivität gemessen, die später auf dem Computer-Bildschirm als rotes Diagramm erscheint. 16 kugelförmige Lichtreflektoren sind an Beinen und Unterkörper befestigt und reagieren auf die Strahlen von acht Infrarot-Kameras. Okay, lauf los", ruft der Vertriebsingenieur Björn Schmitt von ProPhysics dem Physiotherapeuten zu. Schnurgerade soll er durchs Labor gehen, das wie eine kleine Turnhalle aussieht.

Ganz wichtig: Auf seinem Weg zur gegenüberliegenden Wand muss Daniel Nick eine zentral untergebrachte Platte treffen. Sie ist das Zentrum der Messungen. Hier werden Kräfte und Winkel aufgezeichnet, die das Gangbild bestimmen. 120.000 bis 350.000 Euro kostet so eine Anlage des Herstellers Vicon, der auch in der Filmbranche mit seinen Spezialeffekten sehr erfolgreich sei, wie Schmitt erzählt.

Bilder vor und nach der Operation erstellen

Auf dem Computer-Bildschirm kann Schmitt die Gang-Probe von Daniel Nick beliebig oft wiederholen, Tempo und Perspektive wechseln, Ausschnitte wählen und analysieren. "Es macht einen Riesenspaß, damit zu arbeiten", erzählt der Chirurg Abdul Assin Kamand. Kamand operiert Patienten, die ein künstliches Gelenk, zum Beispiel eine neue Hüfte, bekommen. Auch sie sollen vom Ganglabor profitieren. Auf Wunsch können vor der Operation und danach Gangbilder erstellt werden, mit denen sich die Phase der Rehabilitation überprüfen und lenken lässt.

"Das Gehen ist für uns ja etwas Selbstverständliches", erklärt die Chefin der Orthopädie, Andrea Meurer, auf dem Weg zum Labor. Sie selbst hat einen festen, raumgreifenden Schritt. Meurer möchte mit dem Ganglabor spastischen Kindern helfen. Damit sie besser gehen können, werden solche Kinder meistens zwischen dem siebten und zwölften Lebensjahr operiert. Durch das Zusammenspiel der Muskeln besser zu analysieren und zielgenau zu operieren - "ein enormer Gewinn".

Auch Golfer und Tennisspieler können vom Ganglabor profitieren, denn selbst falsche Bewegungsabläufe im oberen Körper können untersucht werden. Bis hinaus ins Weltall reichen die Möglichkeiten, die das Labor eröffnet. Nach mehreren Monaten im All können Astronauten wegen des Muskelschwundes nicht mehr laufen. Mit Hilfe des Ganglabors können Programme entwickelt werden, die gegensteuern.

Geradezu abenteuerlich muten so genannte Parabelflüge an: Besonders geschulte Piloten ziehen eine Verkehrsmaschine steil nach oben, um dann am Scheitelpunkt steil nach unten zu kippen. Andrea Meurer war dabei. Aber sie saß nicht im Flugzeug, sondern war für Messungen am Boden verantwortlich. Auch Daniel Nick blieb gestern dauerhaft am Boden. Und zwar barfuß. Das Ergebnis: kalte Füße.

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