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Normann Stadler Der gläserne Triathlet

Ironman-Weltmeister Normann Stadler hat seine Lehren aus der Zusammenarbeit mit dem Sportarzt Lothar Heinrich gezogen.

09.06.2007 00:06
Norman Stadler trainiert für Ironman Hawaii
Foto: dpa

Doping? Keiner reagierte in der Vergangenheit auf das leidige Thema so rasch wie Normann Stadler. "Ich habe mir nie eine Nadel in den Arm gerammt oder verbotene Mittel zu mir genommen", betonte der Triathlet stets. Und auch seine selbst gewählte Nähe zum T-Mobile-Team erklärte der Ironman-Weltmeister reinen Gewissens Etwa im FR-Interview am 22. Juli 2006: "Mir wollte man ja auch was andichten, nur weil ich einmal im Jahr mit den T-Mobile-Fahrern ein paar Kilometer mitrolle und den Teamarzt Lothar Heinrich gut kenne. Ich kenne ihn aus Freiburger Zeiten, er ist ein Freund von mir."

Sätze, die nicht länger über Stadlers Lippen kommen. Der Kontakt mit dem Arzt ist gekappt, der 34-Jährige lässt über Jan Wendt von der MediaManagementHamburg (MMH) ausrichten, dass "es in keiner Weise eine medizinische Zusammenarbeit mit Lothar Heinrich gegeben hat". Jenem Heinrich, der das systematische Doping deutscher Radprofis mittels Epo zugegeben hat.

Für Wendt, der seit November vergangenen Jahres den Ironman-Weltmeister repräsentiert, Grund genug, ein neues Projekt öffentlich zu machen: den gläsernen Triathleten Stadler. Der gebürtige Wertheimer will bei einer unabhängige Kontrollinstanz Blutproben und DNA hinterlegen und die Kontrolldaten regelmäßig auf der eigenen Homepage veröffentlichen. Das Besondere: Die Maßnahmen gehen weit über die bisherigen Pflichten hinaus, die mit dem Elitepass bei der Deutschen Triathlon-Union verbunden sind. Dort werden 75 Triathleten im Schnitt 2,3-mal im Jahr kontrolliert; jedoch werden aus Kostengründen keine Blutprofile erstellt.

Stadler finanziert das Sonderkontrollprogramm mit, was dem zweifachen Hawaii-Siegers nicht schwer fällt, denn dank seines umtriebigen Vermarkters eröffnen sich völlig neue Verdienstmöglichkeiten. Zwei neue, hochkarätige Werbekontrakte unterschrieben. Die auf dem Trikot sichtbare Unterstützung des Keramikproduzenten Deutsche Steinzeug ist fix, ein neuer hauptsponsor ist auch gefunden. Experten schätzen, dass Stadler künftig fast eine halbe Million Euro allein aus dem Sponsoring einnehmen wird. Wendt: "Er wird der bestverdienende Triathlet der Welt sein und fährt jetzt endlich die Ernte für seine fünf, sechs erfolgreichen Jahre ein."

Stadler spricht derzeit öffentlich nur ungern, allerdings nicht, weil er sich Fragen zur Dopingproblematik in seinem Sport entziehen wollte. Der in Mannheim lebende Extremsportler hat sich von seiner langjährigen Lebensgefährtin Sarah Horn getrennt. Nachfragen dazu sind offenbar ähnlich nervtötend wie das Dopingthema. hel

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