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Marathon Der laufende Verdacht

Marathon-Veranstaltungen wie in Frankfurt werden größer, Dopingkontrollen halten mit der Entwicklung aber nicht Schritt.

Wilfred Kigen gewinnt Frankfurt Marathon
Foto: dpa

Ein Marathon ist längst eine gesellschaftlich fest verankerte Form des Stadtmarketings. Frankfurt macht da keine Ausnahme: Organisator Jo Schindler hat für den 28. Oktober neue Rekorde fest im Visier. Vielleicht 20 000 Teilnehmer, möglicherweise ein Streckenrekord bei Männern und Frauen. Utopisch ist das angesichts just verpflichteter Spitzenkräfte wie Wilfred Kigen oder Svetlana Zakharova nicht. Fragt sich nur: Geht im Marathon eigentlich alles sauber zu, wo doch Schindler gestern bestätigte, dass weiterhin nur Urinkontrollen durchgeführt werden?

Das ist, gelinde formuliert, in Zeiten effektiven Eigenblutdopings und erfolgreichem Epo-Missbrauchs ein Unding. Im Urin ist der Beschleuniger Erythropoetin (Epo) nach zwei bis sieben Tagen nicht mehr nachweisbar, nur Blutbilder ermöglichen zumindest ansatzweise eine Aufklärung. "Ich werde aber nicht nach dem Vorbild des Ironman-Veranstalters Kurt Denk ein eigenes Kontrollsystem installieren", stellt Schindler klar - er halte sich allein an Verbandsvorgaben. Aber gerade die sind dürftig. Der zuständige Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sieht nur fünf Urinkontrollen vor. Beim DLV heißt es, weitere Blutkontrollen seien eine Kostenfrage, man habe nichts dagegen, "wenn die Veranstalter mehr machen - das Geld haben sie ja" (Wettkampforganisator Manfred Mamontow). Schindler wird nach den 42,195 Kilometer zehn Urintests durchführen lassen, darunter die drei Erstplatzierten bei Männern und Frauen. "Damit machen wir schon mehr als andere."

Aber auch genug? Der Internationale Leichtathletikverband (Iaaf) hat bei der WM in Osaka schon im Vorfeld 311 Blutkontrollen durchgeführt. Eine Großveranstaltungen wie die am Main, die erstmals auf das Wort-Ungetüm Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon hört, sind für Spitzenläufer oft lukrativer als eine WM. Frankfurt ist dank des neuen Namensgebers in der Lage, 400 000 Euro des Zwei-Millionen-Etats ins Elitefeld zu investieren. Wenn Wilfred Kigen (Bestzeit 2:07:33 Stunden) zum dritten Male in der Festhalle jubiliert, kann der 32-Jährige bei einer Zeit unter 2:07:30 Stunden stolze 30 000 Euro einstreichen. Denselben Betrag dürfte sein Manager Gerard van der Veen als Antrittsprämie kassieren. Der kauzige Niederländer, ein früherer Immobilienmakler, betreut auch Kigens kenianische Landsleute und Mitfavoriten Vincent Kipsos und Peter Kiprotich, die im kenianischen Hochland Eldoret leben und trainieren. Trainingskontrollen? Kennt man hier kaum.

Die ostafrikanische Armada unter Generalverdacht zu stellen, verbittet sich: Dafür fehlen notwendige Infrastrukturen, medizinisches Knowhow und die nötige Finanzkraft. Doch warum sollen aus Europa gemanagte Topläufer nicht in Versuchung geraten? "Ich bin mir sicher, dass auch Marathonläufer nicht alle sauber sind", sagt Schindler. So verzichtete der Regensburger darauf, in Frankfurt den angebotenen Julio Rey unter Vertrag zu nehmen. Der 35-Jährige siegte viermal in Hamburg, zuletzt 2006 mit Streckenrekord in 2:06:52. "Danach kommt er das Jahr an die Leistung nicht heran", sagt Schindler. Der Verdacht wird auch dadurch geschürt, dass der flinke Spanier 1999 positiv auf Mesterolon getestet wurde.

Zudem gibt es im Langstreckenbereich den Problemfall Luminita Zaituc: Die 38-Jährige versäumte eine Dopingkontrolle und ist vom DLV verwarnt worden. Schindler kündigte an, die Deutsch-Rumänin nur unter Vertrag zu nehmen, "wenn sie das glaubwürdig erklärt." Aber eigentlich muss mehr passieren.

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