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J.P.-Morgan-Lauf Der Tag der kurzen Hosen

Der J.P. Morgan-Firmenlauf ist eine Veranstaltung quer durch alle Altersklassen und Abteilungen. Auch Quallen, Gewürzmischungen und eine Tomate sind 2017 dabei.

JP Morgan Lauf 2017
Wer gut durchkommen will, braucht Kondition und den Blick dafür, wo die Bahn frei ist. Foto: Peter Jülich

Der Opernplatz ist ein Wimmelbild aus farbigen Leibchen. Tausende Sportler oder solche, die es für einen Tag sein sollen, aalen sich in der Sonne, trinken, essen, begrüßen Kollegen, lachen, warten. Es sind noch rund 90 Minuten bis zum Start der größten Laufveranstaltung weltweit.  Allen Wartenden gemein sind die kurzen Hosen an diesem herrlichen Frühsommerabend. Einmal im Jahr tragen der Chef und der Azubi gemeinsam kniefrei. Der Firmenlauf von J.P. Morgan in der Frankfurter Innenstadt ist eine Veranstaltung quer durch alle Altersklassen und Abteilungen.

Bei den Trikots gibt es große Unterschiede, kaum eine Firma hat sich lumpen lassen und keine eigenen Shirts entworfen. Die drei besten wurden sogar prämiert. Das Frankfurter Gesundheitsamt etwa punktete mit einer farblich gewagten Kombination und dem Spruch „immer einen Schritt voraus“. Manche Firma begnügte sich nicht mit T-Shirts. In der Taunusanlage stehen vier Gewürzmischungen mit menschlichem Ausmaß. Ein Lebensmittelkonzern schickt 17 seiner rund 400 Läufer als Produktwerbung ins Rennen. Eine Läuferin wird als Erbsenschote unterwegs sein, eine andere als Tomate.

Andere vermitteln weniger konsumträchtige Botschaften. Rolf Richter vom Verband der deutschen Sporttaucher hat viel weißes Plastik auf dem Kopf. „Ich bin eine Qualle“, sagt der Mann, der sich gerade mit dem ehemaligen Zehnkampf-Ass Frank Busemann ablichten lässt. Busemann geht für die Deutsche Sporthilfe an den Start. Die Sporttaucher wollen gegen Plastik im Meer demonstrieren. Gegen Plastik auf den Straßen sind sie wohl nicht, denn die 210 000 Becher, die bei dem Massenlauf ausgeben werden, landen meist auf der Strecke.

Aber noch denkt kaum jemand ans Rennen. Außer einer kleinen Abordnung aus Marburg. Die Mitarbeiter eines Lampenherstellers sind dem Trubel des Opernplatzes ein Stück entflohen und haben sich schon vor dem Start in der Hochstraße positioniert. „Letztes Jahr haben wir ziemlich lange gewartet, bis es losging“, erklärt Anna Schlappner aus der Marketingabteilung. Dabei freuen sich die Mitarbeiter so auf die Party danach. Die Firma hat einen Partytreff am Main gebucht, in der Nähe des Eisernen Stegs. „Der Lauf ist ein Superevent, da reden die Leute das ganze Jahr noch drüber“, sagt Schlappner.

Andere sind nicht ganz so euphorisch. „Ist als teambildende Maßnahme immer noch besser als zwei Tage Seminar mit Anfassen“, sagt der Mitarbeiter eines Getränkelieferanten und kündigt schon mal an, dass er sich nach dem Lauf ziemlich betrinken wird. In der Mainzer Landstraße haben einige schon angefangen mit dem Feiern. Vor dem Trianon-Gebäude, gleich neben dem Schild „noch 1750 Meter bis zum Ziel“, hat eine Bank einen Getränkewagen aufgebaut. Aus Boxen tönt laute Musik, es wird Wein und Bier getrunken, die Kollegen, die laufen, können ja später dazustoßen. Ein paar Meter weiter in der Taunusanlage genehmigen sich aber auch schon ein paar Läufer der „Justiz Hessen“ einen Vorschuss auf die Party danach, andere beißen noch in eine Wurst.

Einige hundert Meter westlich geht es deutlich ruhiger zu. In der Senckenberganlage ist Englisch die Umgangssprache. Hier geht es nicht um Stimmung und Würstchen, hier geht es um die Wurst. Die 156 Läufer der Championship dehnen sich noch, dann laufen sie los.

Die Teilnehmer des großen Laufs haben noch etwas Zeit. In kleinen oder größeren Grüppchen sind sie jetzt aus allen Richtungen zum Startpunkt in der Innenstadt unterwegs. Ein Sternmarsch in kurzen Hosen.

Um kurz nach 19.30 Uhr setzt sich die wogende Masse in Bewegung. Ziemlich weit hinten, in der Gallusanlage, sitzen zwei Mitarbeiter einer Autovermietung auf dem Bürgersteig. Der Startschuss hat sie nicht sonderlich in Wallung gebracht. Es wird noch etwa 45 Minuten dauern, bis sie loslaufen können, schätzt einer von ihnen. „Es ist dann auch mehr ein Hindernislauf und Gehen“, sagt er. Doch an diesem Tag zählt für die meisten nicht die Zeit, sondern das Miteinander und die Party danach.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier J.P.-Morgan-Lauf Frankfurt 2017

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