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Ironman Normann Stadler Ein Virus aus dem Ententeich

Wegen eines "nicht auskurierten fieberhaften Infektes", so die offizielle Version, hat der 35-Jährige Normann Stadler seinen Start in Frankfurt abgesagt. Von Frank Hellmann

Der zweifache Hawaii-Sieger Norman Stadler sagt seine Teilnahme am Ironman in Frankfurt ab. Seine Ärzte verboten ihm den Start - wegen eines verschleppten Infekts. (Archivbild vom Ironman in Hawaii) Foto: dpa

Man kann nicht behaupten, dass die Investmentbank, die Normann Stadler und dessen Triathlon-Team im zweiten Jahr opulent bezuschusst, Kosten und Mühen beim Frankfurter Ironman scheut. Zur Marketingstrategie für den morgen startenden größten deutschen Ironman zählt ein am Mainufer liegendes Schiff, auf das nur geladene Gäste Zutritt erhalten. Dummerweise wird nun einer dieser Gäste während des Wettkampfes Stadler selbst sein. Denn wegen eines "nicht auskurierten fieberhaften Infektes", so die offizielle Version, hat der 35-Jährige gestern seinen Start abgesagt. "Ich drücke mich nicht", sagte Stadler, "aber ich kriege einfach die Kurve nicht mehr. Das gesundheitliche Risiko wäre zu groß gewesen."

Klar, dass die Nachricht gestern im Umfeld des Triathleten hektische Betriebsamkeit auslöste. Jan Wendt, Medienberater aus Hamburg an der Seite des Mannheimers, sprach zunächst von einem "Virus aus dem Ententeich", dem Protagonisten "liege irgendetwas auf der Lunge". Stadler selbst präzisierte das später: Er sei vor zweieinhalb Wochen mit seinem Trainingspartner Markus Fachbach und weiteren Triathleten wie Frank Vytrisal in Darmstadt im Woog geschwommen - das ist jener See, in dem auch der Heinerman-Triathlon stattfindet. "Als ich da aus dem Wasser stieg, war meine Nase verstopft. Von da an ging es bergab", so Stadler. Seine Mannheimer Hausärztin habe eine Infektion festgestellt, "da haben sich Bakterien draufgesetzt, ich habe Antibiotika genommen".

Gleichwohl erteilte der Ironman noch bei der Athletenkonferenz vor vier Tagen recht beschwerdefrei Auskunft. Aber im Grunde geht es Stadler seit sechs Wochen zumindest psychisch miserabel. Lebensgefährtin Sonja Schuster verlor das gemeinsame Baby nach einer Frühgeburt im siebten Monat - es war bereits die zweite Fehlgeburt, nachdem der erste Fötus schon unter einem offenen Bauch litt. Stadler: "Ich würde sofort mit dem Sport aufhören, wenn dafür unsere Tochter noch leben würde. Ich bin am Anschlag und anfälliger für Infekte als andere." Man muss das so glauben.

Immerhin war der Triathlet gestern so klug, in das Athleten-Hotel am Frankfurter Flussufer zu fahren und freiwillig bei den Nada-Kontrolleuren noch jene Blutprobe abzugeben, der sich alle in Frankfurt startenden Profis zu unterwerfen haben. Veranstalter Kurt Denk hatte Stadler die Teilnahme dringend geraten, "damit hat er alle Gerüchte im Keim erstickt" (Denk). Wie die FR erfuhr, ergaben die Blutprofile aller Triathleten - im Gegensatz zum Fall Lothar Leder vor einem Jahr - diesmal keinerlei Auffälligkeiten.

Zu befürchten hatte Stadler nach eigener Aussage ohnehin nichts. "Ich bin im meistgetesteten Triathlon-Team. Und mein Hämatokritwert ist auf 41 abgesackt, Eisen und Hämoglobin sind im Keller. Ich habe die Werte eines Hobbysportlers." Bedenklicher ist indes die Häufung der Ausstiege und Aufgaben, seit der Heroe den millionenschweren Sponsorenvertrag unterschrieben hat: Vor einem Jahr war am Main beim Radfahren plötzlich ein Rückenwirbel blockiert, in Hawaii legte ihn ein Magen-und-Darm-Virus flach, nun wieder eine Krankheit. Stadler wird sich jetzt darauf beschränken, die Teamkollegen irgendwie am Wettkampftag zu unterstützen - und was kommt danach? "Wenn die Gesundheit es zulässt", will er am 20. Juli beim Ironman USA in Lake Placid starten, dann sich wie gewohnt auf Hawaii vorbereiten.

Auch da gilt längst der gleichaltrige, aber fidelere Chris McCormack als Topfavorit, der nun erstmals die Europameisterschaft gewinnen und die anderen Deutschen, Timo Bracht, Faris Al-Sultan oder Michael Göhner, in die Schranken weisen will. Die Absage eines seiner ärgsten Konkurrenten kommentierte der Australier übrigens dem Vernehmen nach sehr süffisant: "Hoffentlich kriegen die anderen Deutschen morgen nicht noch Durchfall."

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