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Ironman in Frankfurt Fröstelnde Siegerin

Bei den Frauen behielt die Schweizerin Caroline Steffen die Oberhand, allerdings nur unter unendlichen Qualen. Derweil sorgte Nicole Leder, die auf der Laufstrecke zusammenbrach, für dramatische Szenen.

25.07.2011 22:01
Laufen bis zur Erschöpfung:Caroline Steffen. Foto: dapd

Dass strahlende Siege bei einem Ironman nur unter größtem Leid zu erringen sind, davon kann seit Sonntag auch Caroline Steffen eine Geschichte erzählen. Es trug ja schon Züge eines Heldenepos, wie sich die Schweizerin vor der zähen Tschechin Lucie Zelenkova und der tapferen Regensburgerin Sonja Tajsich als Erste auf den roten Teppich zum Römerberg schleppte, ehe die Leuchtuhr ihre Siegerzeit auswies. 9:12:13 Stunden. Nach unendlichen Qualen auf den vier Laufrunden am Mainufer.

„Bei der ersten Runde dachte ich, dass hat überhaupt keinen Sinn.“ Es sei viel, viel zu kalt gewesen, und es habe ja seinen Grund, warum sie den Winter so gern in Australien verbringe. „Ich habe meine Zehen gar nicht mehr gespürt. Ich habe Krämpfe in den Oberschenkeln und Waden bekommen.“ Mehrfach musste die 32-Jährige Gehpausen einlegen, mal sackte sie zusammen, dann stand sie wieder auf; sie aß Kuchen und sogar Salzstangen, nur um den Kampf gegen sich selbst zu gewinnen. Ihr Antrieb? „Ich hätte es nicht mit mir vereinbaren können, aufzugeben und im Hotel sitzen zu müssen. Dafür hätte ich schon ins Koma fallen müssen.“

Anderen ist das fast passiert: Nicole Leder brach gar unter dramatischen Umständen auf der Laufstrecke zusammen; die 39-Jährige musste auf einer Trage, mit einer Wärmefolie umwickelt, abtransportiert werden. „Sie hat zu wenig gegessen“, berichtete ihr Ehemann Lothar Leder. Erst nach einer Infusion kam die unterkühlte Darmstädterin wieder zu Kräften. Die kühle Tortur über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen überstand speziell bei den rund 300 Frauen nur, wer häufiger als gewöhnlich flüssige und feste Energiequellen anzapfte. Normalerweise werden bei einem Ironman rund 10000 Kalorien verbrannt. „Diesmal war es der doppelte Energieverbrauch“, mutmaßte Caroline Steffen.

Bemerkenswert, dass sich dabei die Frankfurterin Meike Krebs (9:22:43) als zweitbeste Deutsche auf den sechsten Platz vorkämpfte. Das Statement der 31-Jährigen: „Selten einen so harten Wettkampf gemacht.“ Die Darmstädterin Susann Dietrich (9:28:08) wurde gute Achte, bei den Männern belegten der Hofheimer Uwe Widmann (8:46:33) und Frank Vytrisal (9:01:04) am Ende die Ränge zwölf und 18. Und auch sie erzählten später persönliche Episoden, in denen das Leiden die größte Rolle spielte. (hel)

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