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Ironman Frankfurt Hessen zwischen Himmel und Hölle

Jubiläumsauflage des Ironman als Grenzerfahrung: Newcomer Björn Müller jubelt, Routiniers wie Frank Vytrisal und Uwe Widmann leiden.

Auf dem schweren Maintaler Teilstück: Uwe Widmann. Foto: dpa

Es war nur eine flache Treppe mit maximal zehn Stufen, die auf die ausgeleuchtete Bühne in der Frankfurter Eissporthalle führte. Dennoch hielt sich Susan Dietrich am Montag krampfhaft am Geländer fest, jeder einzelne Schritt bereitete der blonden Frau körperliche Schmerzen. Oben angekommen lächelte die 30-Jährige immerhin tapfer. Selbst alltägliche Dinge werden am Tag nach einem Ironman zur Herausforderung ? auch für die Achte im erstklassig besetzten Frauenfeld. In 9:28:08 Stunden war die Darmstädterin knapp 16 Minuten hinter der Siegerin Caroline Steffen ins Ziel gekommen: „Für meinen zweiten Ironman fand ich das sehr ordentlich.“

Eine smarte Ernährungs- und eine kluge Bekleidungsstrategie halfen: „Beim Radfahren habe ich mir gleich eine Weste übergezogen und 19 Gels reingedrückt.“ In ihrem zweiten Profijahr rückte Dietrich nah heran an die Vorzeigefrau der Frankfurter Veranstaltung, Meike Krebs, die diesmal als Sechste jubelte. „Mir hat sehr geholfen, dass ich auf der Radstrecke alle Winkel und Ecken kannte“, sagte die 31-jährige Frankfurterin. Trotzdem will sie genau wie Susan Dietrich nicht bedingungslos nach der Hawaii-Qualifikation trachten. „Dafür reichen meine Punkte nicht, aber ich bin sehr zufrieden, weil ich meine Marathonzeit um elf Minuten verbessert habe.“ Die mittlerweile wie so viele Kollegen vom findigen Ausdauerspezialisten Ralf Ebli betreute Meike Krebs ist eine, bei der trotz aller Anstrengung der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen darf.

Fast 4000 folgen Meike Krebs

Deshalb nimmt sie sich auch die Zeit, via Facebook fast 4000 Follower zu pflegen. Hat jemand eine Frage, versucht sie, Tipps zu geben, „und die 20, 30 Anfragen am Tag bestätige ich alle“. Dienst an der wachsenden Zahl der Triathlon-Freunde ist das zu nennen.

Die Schattenseite dieses Sports, der wegen seines zeitintensiven wie kraftraubenden Trainings die Zustimmung zu einer speziellen Lebenseinstellung beinhaltet, haben die eigentlich hoch gehandelten hessischen Männer erlebt. „Das war das mit Abstand härteste Rennen, das ich je mitgemacht habe“, berichtete der Wiesbadener Uwe Widmann, der erstmals die Top Ten verfehlte. „Ich hatte auf dem Rad gedacht, da steckt ein Schlauch in meinem Rücken und zieht die Energie raus.“ Dem 40-Jährigen fehlen nun wichtige Punkte, um am 8. Oktober an der WM teilnehmen zu können. „Auf Hawaii weile ich trotzdem, die Reise ist schon gebucht“, so Widmann trotzig.

Sein hessischer Leidensgenosse Frank Vytrisal tauchte am Montag nicht mal mehr bei der Siegerparty auf. „Auf der dritten Laufrunde hatte ich versucht, mich mit ihm zusammenzutun“, so Widmann, „aber Frank konnte nicht mehr, er ist teils gegangen.“

Überholt wurde der 44-Jährige, der Ende des Jahres seinen Profistatus abgibt und in Darmstadt wieder seinen Lehrerberuf aufnimmt, von einem, der die gegensätzliche Grenzerfahrung machte. Björn Müller, 33, Vertriebsplaner beim Titelsponsor, lief als gestählter Altersklassenathlet mitten in die Ränge, die eigentlich den Profis vorbehalten sind: Elfter nach 8:42:29 Stunden. „Das war das Rennen meines Lebens“, sagte der 33-Jährige, ehe er sich am Montag mit 470 Euro zu dem Stand aufmachte, an dem die begehrten Hawaii-Slots zu erwerben waren. Die Treppe dorthin nahm er auch noch mühelos.

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