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Ironman Frankfurt Abschied durch die Hintertür

Nach fünf Jahren hat Björn Steinmetz die Verantwortung für den Ironman Frankfurt verloren.

Ironman
Nicht mehr länger Geschäftsführer: Björn Steinmetz. Foto: imago

Für Björn Steinmetz ist es eine lang gehegte Sehnsucht, die noch vor Vollendung des 50. Lebensjahres in Erfüllung gehen soll: zum dritten Male nach 2000 und 2003 im nächsten Jahr selbst an der Startlinie von Kona zu stehen, um beim Ironman Hawaii die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen anzugehen. Fürs umfangreiche Training hat der langjährige Geschäftsführer der Ironman Germany GmbH inzwischen genügend Luft. Denn nach mehr als fünfjähriger Tätigkeit in der Deutschland-Zentrale in Frankfurt-Liederbach ist der 45-Jährige aus der Ironman-Betrieb ausgeschieden und bereits seit zwei Monaten von allen Aufgaben entbunden.

„Aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagt Steinmetz der FR. „Meine persönliche Bilanz lässt sich durchaus sehen. Die Rennen erfreuen sich bei den Athleten großer Beliebtheit. Die Zufriedenheit mit der Organisation und der Qualität sind auf dem Höchstwert.“ Er erklärt aber auch unverblümt: „Trotz dieser positiven Nachrichten spürte man seit Monaten, dass meine persönlichen Ziele mit Ironman und die Ziele des europäischen Managements nicht zu 100 Prozent übereinstimmen.“ Bei der Ausrichtung, bei der Qualität, aber auch bei ethischen Vorstellungen habe sich „ein ungutes Gefühl in der Magengrube“ eingestellt. Die Trennung sei dann der logische Schritt gewesen.

Oliver Schiek übernimmt

Hintergrund: Die World Triathlon Corporation (WTC) mit seiner mythenbehafteten Ironman-Marke ist vor drei Jahren für die sagenhafte Summe von 650 Millionen Dollar an die chinesische Dalian Wanda Gruppe gegangen, die sich nicht nur diese Übernahme einen schönen Batzen hat kosten lassen. Auch der Sportvermarkter Infront, die 20-prozentige Beteiligung am spanischen Spitzenklub Atletico Madrid oder ein Sponsoring beim Fußball-Weltverband Fifa gehört zur Strategie des Firmenimperiums, das sein Personal gerne von heute auf morgen hin- und herschiebt – und darüber so gut wie gar nicht kommuniziert.

Die Causa Steinmetz ist solch ein typischer Fall. „Die Beteiligten haben sich verständigt, hierzu – zumindest vorläufig – keine Einzelheiten an Dritte zu geben“, heißt es. Die Verantwortung obliegt infolge einer Umstrukturierung innerhalb der europäischen Ironman-Geschäftsführung nun Oliver Schiek, der sich seit zwei Jahrzehnten im Veranstaltungsbereich und Sportmanagement auskennt und unter anderem als Organisationschef des Radrennens  Hamburg Cyclassics fungiert. Der 48-Jährige, der sich früher selbst als Hobbyathlet auf der Triathlon-Langdistanz verdingt hat, war zuvor für die Ironman-Veranstaltungen in England und Irland zuständig, verantwortet nun Deutschland, Frankreich und die Beneluxstaaten. Schiek behält seinen Hauptwohnsitz in Hamburg, verbringt aber künftig mehrere Tage im Monat in der Ironman-Zentrale in Frankfurt-Liederbach. Renndirektor bleibt Pascal Morillon, der die Abläufe für die Europameisterschaft in der Mainmetropole aus dem Effeff kennt.

Steinmetz ist nicht bange, dass in Zukunft etwas grundsätzlich schiefläuft. „Das Team ist gut aufgestellt, und kann sicher die gewohnte Qualität auch in der kommenden Saison liefern. Allerdings muss man im Auge behalten, dass neben mir noch zahlreiche weitere Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben. Es wäre ungünstig, wenn dadurch das Erfolgsprodukt Schaden nehmen würden, denn schließlich boomt der Triathlon in Deutschland.“ Der Hawaii-Sieg von Patrick Lange gebe ja einen Rückenwind, der unbedingt genutzt werden sollte. In diesem Jahr war der Darmstädter Lange genau wie Topstar Jan Frodeno in Frankfurt gestartet.

Die Verpflichtung der Topathleten erfolge wie in der Vergangenheit vom Team rund um Paula Newby-Fraser, teilt Schiek mit. Die achtfache Hawaii-Siegerin („Queen of Kona“) operiert aus den USA und hält beispielsweise den Kontakt zu Langes Manager Jan Sibbersen, der aber den Rennkalender 2019 des zweifachen Weltmeisters noch nicht festgezurrt hat. Schiek baut Befürchtungen vor, der Ironman Frankfurt bekäme künftig nur noch die dritte Garde zu sehen. Das werde garantiert nicht passieren: „Frankfurt bleibt ein Juwel und eines der wichtigsten Rennen in Europa.“ Ganz gleich, wer im Hintergrund die Strippen in der Hand hält. Steinmetz muss das alles nicht mehr wirklich interessieren. Er trainiert bereits eifrig für den Ironman Südafrika im April 2019

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