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Ironman-EM Frodeno und Ryf feiern Siege in Frankfurt

3. UpdateJan Frodeno gewinnt zum zweiten Mal nach 2015 die Ironman-Europameisterschaft. Bei den Frauen feiert Daniela Ryf einen überragenden Start-Ziel-Sieg.

Ironman-EM in Frankfurt
Jan Frodeno aus Deutschland jubelt im Ziel der Ironman Europameisterschaft auf dem Frankfurter Römerberg. Foto: dpa

Jan Frodeno musste sich in Geduld üben. Sein Vorhaben, auf dem Rad die Lücke zuzufahren, die der so flink kraulende Australier Josh Amberger beim Durchqueren des Langener Waldsees ins Profifeld der Ironman-Europameisterschaft von Frankfurt gerissen hatte, und gleichzeitig den Rest der Verfolgergruppe um Weltmeister Patrick Lange abzuschütteln, ließ sich nicht in die Tat umsetzen. „Ich habe es eine halbe Stunde lang versucht“, sollte der 36-Jährige später sagen. Dann war dem nach zwei Amtszeiten im vergangenen Jahr entthronten Triathlonkönig von Kona klar: Er musste beim abschließenden Marathon sein Statement setzen.

Frodeno, der nach seinem ersten EM-Sieg 2015 zuletzt zweimal einen Bogen um das Rennen am Main gemacht hatte, tat dies in beeindruckender Manier. Nach 8:00:58 Stunden und damit einem neuen Laufstreckenrekord von 2:39:06 joggte der im spanischen Girona lebende Kölner, auf dem roten Teppich schon die Glückwünsche entgegennehmend, ins Ziel auf dem Römerberg. Die Hände noch an der Banderole, schrie der Olympiasieger von 2008 die Freude über den ersehnten Triumph heraus.

Das im Vorfeld so hoch gehandelte Duell mit dem Lokalmatador Lange, das als wichtiger Fingerzeig für die WM am 13. Oktober auf Hawaii gedeutet wurde, war früher entschieden. Lange, der geplant hatte, auf der zweiten Hälfte der Laufstrecke zuzulegen, um sein Heimspiel im zweiten Versuch das erste Mal zu gewinnen, musste sich zwei Kilometer vor dem Ende noch vom Schweden Patrik Nilsson überholen lassen und belegte mit einem Rückstand von 1:14 Minuten auf diesen in 8:09:26 Stunden Rang drei.

„Ich muss damit zufrieden sein“, erklärte der 31-jährige Darmstädter, der schon im Juni auf der Halbdistanz im Kraichgau den Kürzeren gegen den nun zweimaligen Europameister aus dem eigenen Land gezogen hatte. „Es hat sich gezeigt, dass Frodo der Beste war.“ Gerade in der Disziplin, die nach dem Streckenrekord von Hawaii eigentlich als die Stärke des Hessen gilt. „Aber offenbar habe ich beim Laufen noch Nachholbedarf, auch wenn ich das so nicht erwartet hatte.“

Immer wieder war im Vorfeld darüber gesprochen worden, dass Frodeno zwar ein Guter, aber nicht der Schnellere von beiden auf den 42,195 Kilometern zu Fuß sei. Das ärgerte den Perfektionisten. „Es hat genervt, dass ich immer als zweitklassiger Läufer abgetan wurde“, habe er doch nie zeigen können, was in ihm steckt. Entsprechend sei er „dankbar dafür“, dass das diesmal klappte. „Mein großes Ziel, ist noch mal die WM auf Hawaii zu gewinnen“, sagte Frodeno.

Überhaupt wurden einige Prognosen für die Einzeletappen bei dem Hitzerennen, das laut Lange „so viel härter ist als irgendwo anders“, kräftig durcheinandergewirbelt. Zwar stieg Amberger nicht überraschend als Erster aus dem Wasser. Doch dass nach kurzzeitigem Orientierungsverlust beim Passieren einer Boje erst knapp zwei Minuten später Frodeno und mit ihm gemeinsam Lange Land betrat, erstaunte selbst Fachleute wie den pausierenden Titelverteidiger Sebastian Kienle, der diesmal als Experte fürs Fernsehen anheuerte.

Für Lange zählt Hawaii

Einer derjenigen, für den dieser so gerne zitierte „längste Tag“ trotz erneuter Medaillenambitionen kurz darauf schon vorbei war, war der Vorjahreszweite Andreas Böcherer. Erst hatte der 35-Jährige mit seiner Schwimmbrille zu kämpfen, die offenbar beschlagen war. Dann riss ihm in der Wechselzone der Reißverschluss am Raddress, womit die für einen starken Antritt erforderliche Windschnittigkeit die Flatter machte. Der Freiburger, ohne den ein Rennen am Main in den vergangenen Jahren kaum denkbar war, stieg schon bei Kilometer 28 geknickt vom Sattel.

Die vor ihm Liegenden traten kurz vor dem Ende der Radeinheit doch noch etwas kräftiger in die Pedale. Frodeno konnte sich so, dicht gefolgt von Nilsson und Lange, nur wenige Sekunden nach Amberger seine Plastiktüte mit den Wechselsachen schnappen und ließ den dominierenden Wassermann kurz darauf schon hinter sich. Von den Folgen eines Sturzes zweieinhalb Wochen zuvor, nach dem ihm eine Ruptur der Bizepssehne am Oberschenkel zu schaffen machte, war beim späteren Sieger gar nichts zu spüren.

Der geschlagene Weltmeister wollte seine Enttäuschung nicht Oberhand gewinnen lassen. Was zählt, das hatte Lange schon im Vorfeld verkündet, sei Hawaii. Und die Taktik, möglichst lange an Frodeno dranzubleiben, sei eigentlich aufgegangen. Warum er beim Laufen so sehr zu kämpfen hatte und „explodiert“ sei, müsse er jetzt analysieren. Um für den erneuten Angriff des Herausforderers noch besser gerüstet zu sein.

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