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Frankfurt Marathon Viele kleine Helden auf der Marathon-Strecke

Emotionen, Dramen und viele Glückserlebnisse: Der Frankfurt Marathon wird zunächst beinahe vom Sturm verblasen, doch am Ende ist es für fast alle ein großer Tag.

Mainova Frankfurt Marathon, Frankfurt, Bild x von x
So wichtig – funktionale Sportbekleidung, hier: Modell Michel. Foto: Michael Schick

Mit dem Frankfurt-Marathon verhält es sich wie mit dem Kino. Etwas zu laut, zu viel Werbung, zu viele Superhelden, und man kann sicher sein, dass eine Fortsetzung folgt. Die Hauptunterschiede: Ein Marathon-Besuch kostet nichts und das Kinoerlebnis ist umso schöner, je schlechter das Wetter ist.

Das Wetter am frühen Sonntagmorgen ist ganz großes Kino. Es gießt aus Kübeln, der Wind plustert sich zum Orkan auf, man denkt an die vielen schutzlos den Elementen ausgelieferten Marathon-Männer und -Frauen und stellt sich die bange Frage: Sind sie außer Gefahr? Sie sind es wohl. Ein Blick ins Internet verrät: Vorstellung beginnt wie geplant, 10 Uhr, Festhalle.

Der Marathon an sich hat in den vergangenen 2500 Jahren erstaunliche Karriere gemacht. Vom einstmals eher belächelten Abfallprodukt der griechischen Kriegsführung hat er sich zum Volkssport gemausert. Und wie! Jeder, der nicht selbst läuft, hat mittlerweile jemanden im engeren Familien- oder Freundeskreis, der das tut.

Es ist fast so wie in den guten alten Romero-Zombie-Filmen: Während der überwiegende Teil der Bevölkerung scheinbar sinnlos durch die Gegend läuft, ziehen sich die wenigen Nichtinfizierten in Kaufhäuser zurück. Ausgerechnet die Kaufhäuser aber haben am Sonntag zu.

Und so präsentiert sich die Zeil am Lauftag in sonntäglicher Leere, nur unterbrochen von der Rennstrecke an Konstablerwache, Hauptwache und Alter Oper. Überall stehen noch Fans, auch wenn die Superstars dort schon längst ihren Auftritt gehabt hatten. Die meisten sind aber gar nicht wegen der Superstars gekommen. „Lars, gib Gas!“, steht etwa auf den Leuchtwesten einer Gruppe Radfahrer, die entlang der Strecke mehr schlecht als recht versucht, Larsens Tempo zu halten. Ein Freund tröstet einen vorzeitig ausgeschiedenen Läufer, bevor beide rolltreppabwärts in den Katakomben der Konsti verschwinden. „Bei Kilometer fünf ist mir einer in die Hacken getreten, danach ging nicht mehr viel“, ächzt der Läufer, „kann aber auch Kilometer sechs gewesen sein.“ Das, tröstet ihn der Freund, spiele nun ja keine Rolle mehr. Zumindest keine tragende.

Es sind ja auch vor allem die Nebenrollen, welche die ganz großen Emotionen wecken. An der Hauptwache quält sich eine tapfere Läuferin mit einem Gesicht, wie man es aus guten Fremdenlegionärsfilmen kennt, im eigentlich dort auch vorgeschriebenen Schritttempo durch die Fußgängerzone, die Lumpensammlerwagen der Organisatoren dicht auf den Fersen – und dahinter wiederum das Feld der Superstars, das diese Passage bald zum zweiten Mal durchlaufen wird. „Das ist die letzte Läuferin, die zum ersten Mal an uns vorbeiläuft – das Privileg hat nicht jeder an diesem Tag“, ätzt die Moderatorin auf der Bühne vor Ort, aber das Publikum spendet den verdienten Applaus.

Es sind solche Momente, die ganz den Nebendarstellern gehören und dem Frankfurt-Marathon Charakter verleihen. Vor allem, wenn die dramatische Handlung in den passenden Soundtrack eingebettet ist. Aus den Lautsprecherboxen wummert „Easy Livin‘“ von Uriah Heep: „Day after day on that windy road I had walked behind you.“ Besser geht’s nicht!

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Frankfurt Marathon 2017

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