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Frankfurt-Marathon Lokalmatadorin Heinig macht ihr Rennen

„Das war ein Sieg der ganzen Stadt“: Katharina Heinig erlebt bei ihrem Heimrennen ungeahnte Glücksgefühle.

Frankfurt Marathon 2017
Absolvierte ein „perfektes Rennen“: Katharina Heinig. Foto: pressehaus/heinen (www.bild-pressehaus.de)

Es gehört zu der sympathischen Seite von Katharina Heinig, dass sie aus den bisweilen etwas ulkig wirkenden Gewohnheiten vor einem Marathon keinen Hehl macht. So versucht sie sich Tage lang, an gewieften Strategiespielen oder schwierigen 5000-Teile-Puzzlen, um Zerstreuung zu finden. Kurz vor dem Start kommen Kopfhörer zum Einsatz, um sich mit Kinder-Hörspielen wie „Bibi und Tina“ oder „Fünf Freunde“ abzulenken. Und bis fast zum Startschuss behält sie „Schnuffi“ bei sich, ein kleines Plüschtier, das seit Kindheitstagen als Glücksbringer dient. 

Solche Rituale wird die 28-Jährige vermutlich mit Spaß genauso weiterführen, denn als die Lokalmatadorin in die Festhalle einlief – die Sonnenbrille hochgesteckt, das rosa Stirnband gerichtet – gab es am Sonntag kein Halten mehr. Mit wilden Armbewegungen animierte die Frankfurterin das Publikum, die Phonstärke noch einmal zu steigern. Den Frankfurt Marathon hatte die Tochter der Marathon Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig bislang nur als Staffelläuferin oder Tempomacherin erlebt: Nun war sie als Gesamtachte die heimliche Siegerin im Frauenfeld. 

Mit 2:29:20 Stunden hängte die für Eintracht Frankfurt startende Athletin im Kampf um den deutschen Meistertitel sogar die noch höher eingeschätzte Fate Tola ab. Es sei einfach von Anfang gut gerollt. „Ich habe mir ab Griesheim immer wieder Ziele gesetzt – und bei Kilometer 37 hat mir einer reingerufen: ‚Fate ist platt!‘ Und dann habe ich sie auch gesehen.“ Die in Gelnhausen trainierende, aber für die LG Braunschweig startende 30-jährige Tola brauchte 2:30:12 Stunden und wurde Neunte. Den Sieg sicherte sich die kenianische 5000-Meter-Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot in 2:23:35 vor Yebrgual Arage aus Äthiopien (2:24:30) und ihrer Landsfrau Meskerem Wondimagegn (2:24:38).

Genau wie bei den Männern zog auch bei den Frauen die deutsche Karte. „Nach hinten raus war es hart, da der Wind zeitweise so stark war, dass man fast aus der Gruppe raus geweht wurde“, bekannte Katharina Heinig, der die Unterstützung ihrer Freunde und Familie den entscheidenden Rückenwind gab. Ihren Lauf empfand die von einem ganzen Pulk Männern beschützte Heinig, die eine Bestzeit von 2:28:34 stehen hat, „einfach nur geil“. Der spontane Schmatzer, den ihr Vater Wolfgang auf die Wange setzte, drückte im Ziel aus, welches Glücksgefühl die Läuferfamilie durchströmte. Katrin Dörre-Heinig, von 1995 bis 1997 dreimal in Frankfurt siegreich, platzte vor Stolz über den Coup ihrer Tochter: „Hut ab! Diese Zeit hätte ich ihr bei den Bedingungen nicht zugetraut.“ 

„Das Rennen lief für mich perfekt. Das war ein Sieg der ganzen Stadt“, frohlockte die als Persönlichkeit gereifte Protagonistin fast überschwänglich, die am Freitag im Nebensatz verraten hatte, welcher Druck auf ihren schmalen Schultern lastete: „Ich bin Tochter der Bundestrainerin – da wird genauer geguckt.“ Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft hat sie unstrittig ihr EM-Ticket sicher. Für die Titelkämpfe 2018 in Berlin blickte die Frankfurterin schon gestern voller Vorfreude entgegen. Ihr Motto: „Feuer frei!“

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