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Frankfurt Marathon Lauf durch die Kälte

Der Frankfurt Marathon begeistert trotz Kälte und Wind - nur die Jüngsten reagieren leicht unterkühlt.

Frankfurt Marathon 2018
Teilnehmer des Frankfurt Marathons. Foto: Rolf Oeser

Es gibt diesen alten Kalauer, in dem mehrere Figuren der Zeitgeschichte die alte Menschheitsfrage „Warum überquert das Huhn die Straße?“ auf ihre eigene Art beantworten. „Aus Spaß“ antwortet etwa Epikur, „Für ein bedeutenderes Gut“ vermutet Plato. Ernest Hemingway antwortet: „Um zu sterben. Im Regen.“

Der Sonntag ist eher so ein Hemingway-Tag. Einer, an dem man kein Huhn auf die Straße jagen würde. Es ist so kalt wie seit letztem Winter nicht mehr. Aber es könnte schlimmer kommen. Es könnte regnen.

Abertausende Athleten stehen am Sonntagmorgen um 10 Uhr zitternd vor der Festhalle. Ob’s der Eiswind ist, ob’s die Erregung vor dem Startschuss ist, das bleibt unklar, aber der Schnellste im Bunde, der Äthiopier Kelkile Gezahegn, wird nur zwei Stunden, sechs Minuten und 37 Sekunden brauchen, ehe er sich in die Wärme der Festhalle rettet, und er wird Grund für seine Eile haben. Es sind weniger Zuschauer gekommen, als an einem schönem Herbsttag gekommen wären. Die Athleten scheint der Eiswind nicht zu schrecken. Aber die haben es ja so gewollt.

Zumindest die meisten. Manche Marathonläufer haben sich radikalisiert und schicken jetzt schon die Kinder. Die Heusenstammerin Kerstin Bertsch etwa knackt an diesem Tag den Weltrekord im Marathon mit Doppelkinderwagen. Doch, den gibt’s, und er lag bis gestern bei 3:22 Stunden. Jetzt liegt er bei 3:14. Mutter und Kindern geht es den Umständen entsprechend gut.

Und Bertsch ist wahrlich nicht die Einzige. „Immer ein Bein runter, ein Bein hoch“, gibt ein marathonlaufender Vater auf der Bockenheimer Landstraße dem frierenden Kind im Wagen vor ihm Survival-Tipps, aber der Alte hat gut reden. „Wollen wir weiterlaufen?“ fragt ein anderer Vater seinen offenbar laufmüden Filius nahe der Alten Oper, aber das Kleinkind gibt nur einen Laut von sich, wie man ihn sonst nur von Spukschloss-Türscharnieren in Horrorfilmen kennt. Heißt vermutlich Nein. Der Vater sieht ein wenig unglücklich aus. Wie der Vater, so der Sohn.

Jeder entwickelt seine eigenen Strategien, dem Erfrierungstod ein Schnippchen zu schlagen. „Habe ich zu viel versprochen? Das wird ein heißes Rennen auf der Strecke!“, versucht sich eine Einpeitscherin an der Hauptwache, aber das Publikum am Rande der Strecke reagiert mit der verhaltenen Begeisterung von Schneemännern. „Ich schlage vor, wir klatschen alle bis 16.30 Uhr“, schlägt die Einpeitscherin vor. Einige klatschen. Ob sie es bis 16.30 Uhr durchgehalten haben, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Für alle, die sich von Bon Jovi in Endlosschleife nicht vergrämen lassen, bietet die Festhalle aber wie gewohnt ein warmes Plätzchen, prima Stimmung und Feuerwerk zum Zieleinlauf.

Der gemeine Frankfurter würde die Frage nach dem Huhn und der Straße übrigens so beantworten: „Das Huhn nutzt eines der seltenen Wochenenden, an dem nicht sämtliche Gassen der Stadt wegen irgendeines obskuren Sport-Events für die Allgemeinheit gesperrt sind, zur Straßenüberquerung.“ Aber er tut es nicht, denn das ist der ewige Fluch des gemeinen Frankfurters: Ihn fragt ja keiner!

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