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Frankfurt-Marathon Gutes Pflaster

Arne Gabius bleibt beim Frankfurt Marathon das dritte Mal unter der Marke von 2:10 Stunden.

Arne Gabius.
Den Bedinungen getrotzt: Arne Gabius. Foto: dpa

Vermutlich haben nur wenigen Menschen in den vergangenen Tagen so viele Glückwünsche erhalten wie Arne Gabius. Wenn das private Glück mit einer sportlichen Bestleistung beinahe zusammenfällt, dann stehen die Gratulanten Schlange. Drei Tage nach der Geburt seines Sohnes Frederik Bosse blieb der Ausnahmeläufer bei seinem dritten Start beim Frankfurt-Marathon das dritte Mal unter der Marke von 2:10 Stunden: „Was will man mehr?“ Die rhetorische Frage stellte sich Gabius auf dem roten Teppich der Festhalle selbst, nachdem der 36-Jährige mit 2:09:59 Stunden auf seinem besten Pflaster das nächste Ausrufezeichen gesetzt hatte. Kein Deutscher war in diesem Jahr über die 42,195 Kilometer schneller; keiner hat solch einen Hattrick geschafft.

Der deutsche Rekordhalter, der vor zwei Jahren an selber Stelle die nationale Bestmarke auf 2:08:33 Stunden drückte, hat an einem stürmischen Oktober-Sonntag zudem Kämpferqualitäten bewiesen. „Wir haben am Ende nochmal ordentlich Gegenwind gehabt. Da habe ich alles auf eine Karte gesetzt“, sagte der selbstbewusste Ausdauerspezialist. „Ich habe alles auf Schwarz gesetzt. Ich hätte auch in 2:13 auf einem Bein ins Ziel humpeln können.“ Er bestätigte die These, dass die Familienvergrößerung sich punktgenau in seinen Laufkalender fügte: „Es ist wunderbar. Am Donnerstag wäre in Sachen Training ohnehin nichts passiert.“ Und schon von Freitag auf Samstag habe er eine „ruhige Nacht“ verlebt, denn: „Der Kleine hat nur einmal gebrüllt.“ 

Vergessen auch, dass er nach seinem Rekordlauf 2015 in Frankfurt fast nur noch die Kehrseite der Medaille kennenlernte. „Da muss man durch. Auch wenn es nicht hätte sein müssen: Ich bin dadurch gelassener geworden.“ Vor zwei Jahren hätte er beispielsweise die Geburt seines Sohnes vermutlich ganz anders behandelt. „Da hätte ich mir vielleicht noch Laufstrecken am Krankenhaus ausgesucht.“ Aber ein Geburtstermin sei ebenso wenig beeinflussbar wie das Wetter. 

Und ein Marathon bleibt unberechenbar: Der gebürtige Hamburger verlor noch vor der ersten Mainbrücke seine angedachten Tempomacher und lief danach anderthalb Stunden ein einsames Rennen, als ihm der Brite Dewi Griffiths (Fünfter in 2:09:49) und der Pole Henryk Szost (Siebter in 2:10:09) zeitweise die Hacken zeigten. Nach einer Halbmarathonzeit von 1:03:49 Stunden ging der approbierte Arzt später bis über die Schmerzgrenze hinaus. Dass ihn letztlich zwei Europäer umrahmten, gefiel dem deutschen Frontmann hernach ungemein: „Bei den Europäern tut sich einiges. Das ist einfach toll.“ 

Das Podium teilte sich indes ein äthiopisches Trio, das taktisch klüger als die kenianischen Favoriten lief. Hinter dem Überraschungssieger Shura Kitata Tola (2:05:50) ließen sich dessen Landsleute Kelkile Woldaregay (2:06:56) und Getu Feleke Zegeye (2:07:46) auf die Plätze zwei und drei ziehen. Die meisten Schulterklopfer scharten sich gleichwohl um den Gesamtsechsten Gabius, den auch Renndirektor Jo Schindler gar nicht mehr loslassen wollte. Später erklärte der Wahl-Stuttgarter, dass der schwierige Teil sich bei Kilometer 20 bis 30 abspielte und er einige Verpflegungsstände absichtlich ausließ. „Jetzt ist alles in Ordnung: Mein Füße haben jetzt Ruhe, und meine Hände brauche ich jetzt nur noch zum Windeln wechseln.“ 

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