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Frankfurt-Marathon Gabius und Heinig sind zufrieden

Arne Gabius und Katharina Heinig setzen wichtige Ausrufezeichen.

Frankfurt Marathon 2018
Zufrieden mit sich und seiner Zeit: Arne Gabius. Foto: dpa

So viel Zeit musste bei Kilometer 36 sein: Mit einem kurzen Winke-Winke grüßte Arne Gabius an einem kaum beachteten Abschnitt hinter der Frankfurter Festhalle seine Ehefrau Anne, die Sohnemann Frederik im Arm trug. Der am Freitag ein Jahr alt gewordene Nachwuchs weinte trotz eines wärmenden Stramplers zwar bitterlich, aber kurz darauf sollte sich die (Läufer-)Familie glücksselig in den Armen liegen: Mit 2:11:45 Stunden gab der deutsche Rekordhalter beim Frankfurt Marathon einen Leistungsnachweis ab, der in seinem „Übergangsjahr“ (O-Ton Gabius) als Mutmacher taugt. Zwar verfehlte der 37-Jährige bei seinem vierten Start in der Mainmetropole erstmals eine Zeit unter 2:10 Stunden, aber grämen wollte er sich nicht. „Ich bin absolut zufrieden. Es hat hier wieder Spaß gemacht. Hinter einem Marathon steckt viel Arbeit, viel Verzicht.“ 

Dem gebürtigen Hamburger erschien die Endzeit eingedenk der widrigen Bedingungen in einem deutlich besseren Licht. „Der Wind kam von überall, von rechts und links“, erklärte Gabius, der sich als bester Europäer als Neunter erneut unter die Top Ten schob. Sein finales Überholmanöver kurz vor dem roten Teppich sei ihm wichtig gewesen, um den Einlauf genießen zu können. Ein Sonderlob sprach er seinem erst bei Kilometer 31 und 1:36 Stunden mit einem Handschlag verabschiedeten Tempomacher Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) aus, der mehr als wertvolle Dienste leistete. „Wir haben hier den Beginn einer Straßenkarriere gesehen. Ich muss mich anstrengen, sonst ist der Rekord in Gefahr.“ 

Dass die 29-jährige Langstreckenhoffnung bald zum Konkurrenten über die klassischen 42,195 Kilometer aufsteigt, ist nach diesem Parforce-Ritt als Pacemaker wahrscheinlich. „Es tat mir nichts weh, deshalb habe ich nicht die S-Bahn zum Bahnhof genommen, sondern bin weitergelaufen – so lang wie noch nie in meinem Leben“, richtete Ringer aus, der zum heimlichen Gewinner aus deutscher Sicht avancierte. Gabius begann schon direkt im Anschluss an die Pressekonferenz mit seinen Überredungskünsten, um Ringer zum schnelleren Umstieg auf die Straße zu bewegen.

Katharina Heinig hadert mit den Bedingungen

Sein persönliches Fernziel nach vielen verletzungsbedingten Rückschlägen der jüngeren Vergangenheit sind nun die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Mit dem Routinier aus der schwäbischen Wahlheimat ist weiter zu rechnen. Schließlich schaffte es der Langstreckenspezialist locker, die von Philipp Pflieger im April in Hamburg aufgestellte deutsche Jahresbestzeit (2:13:39) zu unterbieten.

Das zweite Ausrufezeichen für die deutsche Leichtathletik setzte wie im Vorjahr wieder Katharina Heinig, die mit einem wärmenden Stirnband und halblanger Hose nach 2:29:53 in dem Weltklassefeld auf Rang 14 ins Ziel kam. „Ich habe mich durch den Sturm gekämpft. Der Wind war ein echtes Übel, aber ich wollte hier unter 2:30 laufen. Ich weiß, dass ich nach hinten raus schnell rennen kann. Die letzten Kilometer haben sich für mich aber wie ein Vollsprint angefühlt“, sagte die Lokalmatadorin, die nach eigenem Bekunden heilfroh war, sich spät noch für die Frankfurt-Teilnahme entschieden zu haben. Nach ihrem unbefriedigend verlaufenen EM-Marathon in Berlin verspürte die Tochter der Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig große Genugtuung, obgleich sie die Jahresbestzeit von Anja Scherl (2:29:29) verfehlte. 

Die 29-Jährige sprach von einem unrunden Rennen, dass wegen der widrigen Witterung ihr „mindestens eine Minute“ genommen habe. „Ich wünsche mir einfach noch einmal Topbedingungen.“ Da half es eben auch nur bedingt, dass sie nach eigener Aussage „alle 20, 30 Meter“ von den Zuschauern Zuspruch erfuhr. Darunter befand sich ihre Vereinskollegin Gesa Felicitas Krause, die deutsche Hindernis-Europameisterin, die von ihrem Wohnort in Niederrad anfeuerte. Heinig: „Es ist schön, so jemand an der Strecke zu wissen.“

Ein besonderer Dank galt auch bei ihr denjenigen, die ihr den Wind nahmen. „Wir haben das gut hingekriegt“, sagte später ihr Tempomacher Steffen Uliczka, der bis ins Ziel an der Seite blieb. Bei Heinig steht nun in der kommenden Woche die bislang aufgeschobene Operation am rechten Fuß wegen eines Fersensporns an, weswegen die Polizistin auch keinen Frühjahrsmarathon 2019 laufen wird. Aber ihre langfristige Zielsetzung ist nicht minder ambitioniert: „Bei mir fällt noch die 2:28!“ 

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