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Frankfurt City-Triathlon, powered by Nieselregen

Der Frankfurt City Triathlon verwandelt die Innenstadt in eine Sportarena und Umkleidekabine. Trotz der zweitweise niedergehenden Regengüsse machen die meisten Sportler einen müden, aber zufriedenen Eindruck.

Der Frankfurt City Triathlon kann auch hart sein. Aber wenn’s der Gesundheit dient... Foto: Michael Schick

Irgendwann kommt der Moment, da muss man sich entscheiden. Beim „Frankfurt City Triathlon powered by Gesundheit“ kommt dieser Moment kurz vor dem Zieleinlauf. In Höhe des Kaufhofs sind an der Zeil zwei Hinweisschilder angebracht. „Ziel Jedermann“ liegt links an der Hauptwache. „Olympisch 2. Runde“ geht geradeaus Richtung Fressgass. Und schließlich hat ein religiöser Eiferer direkt an dieser Stelle einen Stand mit christlichen Traktaten aufgebaut, die die Läufer darüber informieren, dass Jesus Christus der Weg sei. Die wenigsten, die dort vorbeikommen, entscheiden sich für Christus, eigentlich niemand, aber die Menschen wirken auch so, als seien sie in Eile.

Bei all diesen Alternativen kann es schon geschehen, dass man sich kurz mal verläuft, so wie das Ironman-Legende Faris Al-Sultan passiert. Sportdezernent Markus Frank (CDU) behält hingegen den Überblick, läuft allerdings auch nicht mit. Der Frankfurt City Triathlon powered by Gesundheit sei „das Einstiegsangebot für Triathleten“, eine „wichtige Ergänzung im Sportkalender“ und eine „organisch wachsende Veranstaltung“, die sich auch weiterhin der Unterstützung der Stadt gewiss sein könne.

Frank sagt nichts dazu, ob demnächst vielleicht auch andere Sportveranstaltungen powered by Gesundheit sein könnten, was schön wäre, weil man dann so herrliche Satzungeheuer kreieren könnte wie: „Schatz, ich gucke mir mal kurz den Zieleinlauf des Radrennens rund um den Finanzplatz Eschborn/Frankfurt powered by Gesundheit an und bin vermutlich am frühen Abend zurück.“

Aber so weit ist es leider noch nicht. Um die Mittagszeit herum jedenfalls ist am Sonntag der Frankfurt City Triathlon powered by Nieselregen. Die erschöpften Triathleten nutzen die Geschäftspassagen rund um die Hauptwache als Umkleidekabinen und Powerriegel-Snackstation, überall müffelt es ein wenig nach Turnbeutel. Aber Frischluft hatten die Athleten ja auch genug. Die meisten machen einen zufriedenen Eindruck. „Unter drei Stunden . . .“ ist der Satz des Tages. Wer mehr hat, redet wohl nicht so gerne drüber.

Es ist ja auch nicht so, dass man beim Frankfurt City Triathlon powered by Gesundheit nur gewinnen kann. Nadine Jungmichel etwa hat verloren, und zwar ihre Luftpumpe. Irgendwo auf der Strecke. Nadine Jungmichel solle bitte sofort ihre Luftpumpe abholen, fordert der Zieleinlaufsprecher, sonst werde er sie selbst behalten. Obwohl: Die Pumpe sei „e bissi schwer“, meint der Sprecher, und „würde das Gewicht meines Simplons nahezu verdoppeln“. Das will natürlich keiner.

„Wann kann man denn die Fahrräder abholen?“, fragt ein Athlet einen Ordner. „Normal oder olympisch“, fragt der zurück. Jesus scheint hier keine Rolle mehr zu spielen. Der Triathlet hätte es gerne „olympisch“.

Auch wenn die Siegerliste feststeht, bleiben beim Frankfurt City Triathlon powered by Gesundheit ein paar Fragen offen. Hat Nadine Jungmichel ihre Luftpumpe abgeholt? Wird jemand, der sich kurz vor dem Ziel doch noch für Christus als Weg entscheidet, automatisch disqualifiziert? Und wieso eigentlich gibt es so verdammt wenig Sportveranstaltungen powered by Völlegefühl?

Die Antworten darauf gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr. Stadtrat Frank ist da sehr zuversichtlich.

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