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Fragwürdiger Freispruch für Lothar Leder Aus Mangel an Beweisen

Die Deutsche Triathlon-Union stellt das Verfahren wegen eines vermuteten Dopingvergehens gegen den Darmstädter Lothar Leder ein. Rennarzt Klaus Pöttgen findet: "Urteil ist eine Farce".

Triathlon Roth 2005
Foto: dpa

Schon immer hat Lothar Leder so getan, als sei gar nichts passiert. Der 37-jährige Ironman ist in diesem Jahr schon in Südafrika im Meer geschwommen, auf Mallorca Rad gefahren oder auf Zypern gelaufen. Business as usual für einen Profi-Triathleten, der seit neun Monaten unter dem akuten Verdacht stand, im vergangenen Jahr Epo genommen oder Blutdoping betrieben zu haben. Doch der Darmstädter bleibt unbehelligt - gestern gab die Deutsche Triathlon-Union (DTU) bekannt, dass das Ermittlungsverfahren gegen Leder eingestellt wird. Die Anti-Doping-Kommission des Verbandes sei "nach eingehender Untersuchung" zum Ergebnis gekommen, dass "die Einnahme von verbotenen Substanzen oder die Anwendung unerlaubter Maßnahmen" nicht nachgewiesen werden kann, so die sperrige Begründung von DTU-Seite. Doch dahinter verbirgt sich ein Freispruch von zweifelhaftem Wert, denn die zurate gezogenen Gutachten sind eigentlich eindeutig.

Weil Leder bei einer freiwilligen Dopingprobe im Vorfeld des Frankfurter Ironman am 1. Juli vergangenen Jahres arg auffällige Blutwerte aufwies - die Veranstalter Kurt Denk öffentlich machte - hatte die DTU insgesamt vier Stellungnahmen eingeholt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass manipuliert worden ist, wird von den Gutachtern als sehr hoch bezeichnet", bestätigt der neue DTU-Chef Rainer Düro, der von 1000:1 und 10 000:1-Wahrscheinlichkeiten spricht, zu denen etwa York Olaf Schumacher von der Uni Freiburg oder Walter Schmidt von der Uni Bayreuth kamen. Dopingexperten wie Wilhelm Schänzer hatten schon 2007 intern verlautbart, dass Leders hoher Off-Score-Wert von 142, der das Verhältnis von Hämoglobin zu Retikulozyten (junge rote Blutkörperchen) beschreibt, eigentlich nur durch Manipulation zu erklären sei. Warum wurde der fünffache Roth-Sieger aber nicht verurteilt? Düro beruft sich auf Artikel 24 der Anti-Doping-Ordnung der DTU, die nach den Wada-Richtlinien keine Bestrafung zulasse. "Die Laborwerte gelten nicht als Beweis für Doping. Dass keine Sanktionierung erfolgt, kann man durchaus als Manko ansehen."

Beim Frankfurter Veranstalter, der Agentur Xdream, ist man verärgert. "Wir sind über das Urteil nicht begeistert", sagt Renndirektor Kai Walter. Rennarzt Klaus Pöttgen geht einen Schritt weiter: "Das ist eine Farce, bei einer Manipulationswahrscheinlichkeit von 99,99 Prozent ist für mich medizinisch die Lage eindeutig. Bei dieser Wahrscheinlichkeit ist man auch der Vater eines Kindes."

Leder kehrt den Fall längst um - er hat Denks Agentur vor dem Landgericht Frankfurt verklagt, "es geht um Geschäftliches". Der Ausdauersportler, der als Erster die Ironman-Distanz unter acht Stunden bewältigte, legt Wert auf die Feststellung, "dass kein positiver Befund einer Dopingkontrolle" vorliege. Leder will sich nun wieder für die WM auf Hawaii qualifizieren, "und noch mit 42 diesen Sport machen." Dass er nicht mehr stark genug ist, ganz nach vorne zu kommen, dämmert ihm. "Das brutale Niveau bringe ich nicht mehr." Er beteuert übrigens weiterhin, "nie gedopt zu haben." Und die bis heute nicht beantwortete Frage nach den Blutwerten? Leder: "Darauf gehe ich aus juristischen Gründen nicht ein."

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