Lade Inhalte...

City Frankfurt Triathlon Der Triathlet mit dem Drehzahlbegrenzer

Sebastian Kienle siegt in Frankfurts City für den Kopf

Sebastian Kienle (Archivbild) Foto: imago sportfotodienst

Sebastian Kienle siegt in Frankfurts City für den Kopf

Der Sprung vor der Frankfurter Hauptwache war allemal sehenswert. Als Sebastian Kienle unter anerkennendem Applaus als Erster von der Zeil nach links auf den roten Teppich einbog, hatte sich schon die Gewissheit bei ihm verfestigt, dass der Sieg beim City Frankfurt Triathlon nicht mehr in Gefahr geraten würde. Ergo legte der 29-Jährige jenen freudigen Jump mit angezogenen Beinen hin, der zum Markenzeichen des Ausdauersportlers geworden ist.

Einen Namen hat die Einlage nicht. „Ich bin ja Triathlet und kein Turner“, beschied der Sieger nach 1:54:31 Stunden über die 1,5 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, 45 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen in der Innenstadt mit breitem Grinsen, um sodann nach der Umarmung mit dem Zweitplatzierten Christian Prochnow (1:56:04) nachdenklich zu werden. „Ich bin nervös wie lange nicht mehr gewesen. Ich will ja nicht rumjammern, aber bei mir ist in diesem Frühjahr so viel passiert, daher war das für mich sehr wichtig.“ Der entscheidende Überholvorgang auf der Laufstrecke des lange Zeit führenden Schwimmspezialisten und späteren Dritten Florian Angert (1:57:33) sei zuvorderst ein „Sieg für den Kopf“ gewesen.

Vielleicht hätte auch der Kalrsruher das prominent besetzte Profifeld unter den knapp 2000 Startern über die Kurzdistanz als „Aufbauwettkampf“ (der Siebte Faris Al-Sultan), „Shoppingrennen“ (der Fünfte Timo Bracht) oder „Einstiegsveranstaltung für die zweite Saisonhälfte“ (der Sechste Jan Raphael) angesehen, wäre er nicht in diesem Frühjahr unverschuldet aus der Bahn geraten. Erst ein langwieriger Infekt, dann eine hartnäckige Bänderverletzung stoppten den Freigeist und Querdenker der Szene in seinem Trainingseifer. Eine ungewohnte Erfahrung für einen, der kein Limit zu kennen schien. Doch dann musste er plötzlich sich selbst einbremsen. Beim Frankfurt Ironman vor vier Wochen startete er zwar „gesund, aber nicht 100-prozentig fit“, und es bedurfte einer immensen Willensleistung, um überhaupt unter den Top Ten zu landen. Von einem „ökonomischen Ironman“ sprach er hinterher – obwohl Kienle doch den unökonomischen Stil präferiert.

Sieg für Natascha Schmitt

Noch immer fehlen ihm die Grundlagen, aber das Schlauköpfchen hat seinen Frieden mit diesen Gegebenheiten geschlossen. „Ich wandle im Training auf einem schmalen Grat, es ist oft ein Vabanquespiel. Das Gute an meiner Zwangspause war, dass die geistige Frische da ist.“ Dass er jetzt Konkurrenten abhängte, „die kein Fallobst sind“, obwohl er nach einer Aussage noch „den Drehzahlbegrenzer“ spürte, erfüllte ihn für die nächsten anstehenden Herausforderungen mit Freude. Im Grunde beginnt das Wettkampfjahr für den „Triathleten des Jahres 2012“ jetzt erst richtig und mehr denn je verspürt er dafür bemerkenswerten Tatendurst.

Schon heute will er im Rheingau die anspruchsvolle Radstrecke abfahren, die am nächsten Sonntag beim Ironman 70.3 Wiesbaden auf seiner To-do-Liste steht. Ein Prognose zu seiner Platzierung mag der Physikstudent wegen der hochkarätigen Konkurrenz – neben Vorjahressieger Michael Raelert startet auch der Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno – nicht abgeben, „aber ich hole alles aus mir raus.“

Und dann warten Anfang September und Anfang Oktober noch die eigentlichen Höhepunkte aus dem Ironman-Segment – die Halbdistanz-WM in Las Vegas und schließlich das legendäre Hawaii-Event in Kona. „Wenn bis dahin alles glatt läuft, ist alles drin.“ Auch der Sieg? Kienle mag nichts versprechen. Doch Kopf und Körper scheinen wieder mehr denn je bereit für einen großen Coup.

Von einem wichtigen Sieg sprach am Sonntagmorgen auch Natascha Schmitt, die bei den Frauen nach 2:09:45 Stunden gewann. Genau wie Kienle endete auch bei ihr der Frankfurt Ironman in einer herben persönlichen Enttäuschung, einen Monat brauchte es, „damit ich weiß, ich, dass ich noch gut in Form bin und nicht alles verkehrt war.“ Die 27-Jährige feierte bei der vierten Auflage des City Triathlon in ihrer Heimatstadt bereits ihren zweiten Sieg. Wenn auch ohne spektakulären Sprung ins Zieltor.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum