Lade Inhalte...

Unter Löwen

Uwe Winters Film zeigt die Frankfurter Eishockeycracks, wie sie sonst nur wenige kennen

In ihrer eigenen Höhle sind die Löwen eigentlich ganz zahm. Dort, wo Tür und Wände sie vor den Einblicken Außenstehender schützen, dürfen sie mit Helm und Polstern auch die auf dem Eis geforderte Bissigkeit und Aggressivität ablegen und ganz sie selbst sein: meistens witzig, manchmal sehr müde und vor allem unglaublich abergläubisch. Denn wann ein Spieler vor einem Einsatz auf die Toilette geht oder welchen Schlittschuh er zuerst schnürt, so meinen einige im Team der Frankfurt Lions, könnte darüber entscheiden, wer nachher als Sieger vom Eis geht. Oder wer sich als Verlierer wie ein Schuljunge vom Trainer abbügeln lassen muss.

In der Kabine verlieren Sporthelden schnell an Glanz, doch sie bekommen auch menschliche Züge. Vor allem, wenn ihnen die Kamera so nah ist wie die von Uwe Winter. Der 34 Jahre alte Filmemacher aus dem Rodgau ist für seinen 90 Minuten langen Dokumentarfilm "Between the Lions" über die vergangene Saison des Frankfurter Eishockey-Erstligisten wochenlang mittendrin gewesen: beim Training, in der Kabine, im Bus zu Auswärtsfahrten und natürlich bei den Spielen. Die dank der hochauflösenden HDTV-Technik gestochen scharfen Bilder saugen den Betrachter so sehr hinein in das Geschehen, dass er versucht ist, den Kopf einzuziehen, wenn während eines Spielerwechsels auf der Mannschaftsbank ein Schläger nur haarscharf an ihm vorbeizuschwingen scheint. Und dass er die Enttäuschung nach einem verlorenen Spiel beinahe selbst zu spüren glaubt.

Vom Sommermärchen inspiriert

Dabei scheint die Kamera stets mit im Zentrum des Geschehens zu stehen, nie am Rand wie bei Sönke Wortmanns "Sommermärchen", das den Impuls für die Lions-Dokumentation gab. Als der Film über die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 am Jahresende im Fernsehen lief, kam in Frankfurt die Idee auf, mal im Löwengehege zu drehen und so die meist vermummten Eishockeycracks ihren Fans und anderen Interessierten näher zu bringen. Das gelingt dem Diplom-Mediendesigner Winter, der bei den Heimspielen der Lions sonst für die obligatorische DVD-Aufzeichnung sorgt, eindrucksvoll.

Schwächen gab es bei der Presssevorführung der ersten Sport-Doku in der neuen digitalen Technik drei Tage vor dem offiziellen Kinostart am Donnerstag im Kinopolis Main-Taunus dennoch: Manches Mal übertönte die Musik das sowieso oft schwer verständliche Kauderwelsch der internationalen Sportlerriege. Und nur Insidern wurde bei den wenigen ausgewählten Szenen - der ganze Film wurde aus technischen Gründen nicht gezeigt - klar, welches Spiel zu welchem Zeitpunkt mit welcher Bedeutung für den weiteren Saisonverlauf anstand. Aber das, verspricht Winter, soll bis zur morgigen Galapremiere mit 600 geladenen Gästen besser werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum