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Nachwuchs-Talent Von der Tribüne in den Löwen-Käfig

Für den erst 18 Jahre alten Eishockey-Torhüter Dennis Schulz erfüllt sich mit seinem Debüt gegen die Kassel Huskies ein Traum.

06.10.2011 21:56
Sebastian Rieth
„Das war einfach nur geil.“ Löwen-Goalie Dennis Schulz. Foto: Storch

Seinen perlweisen Helm hatte Dennis Schulz bereits aufgesetzt, hockte auf der kargen Bank im Kabinentrakt und wartete. Er wartete auf seinen ersten Einsatz für die Löwen Frankfurt, auf sein Premieren-Spiel in der Eishockey-Oberliga, auf die atemberaubende Derbykulisse gegen Kassel und auf Boris Ackers, den maladen Star der Frankfurter Truppe. Nur aufgrund dessen Verletzung stand Schulz, der als Backup-Goalie aus Rosenheim kam, während den beiden ersten Partien der Saison zwischen den Pfosten. Der 18-Jährige wurde ins kalte Wasser geworfen, der routinierte Ackers sollte ihm Mut zusprechen.

„Er war schon ziemlich nervös“, verriet Ackers. „Er muss wissen, dass es nicht schlimm ist, wenn man ein Tor kassiert. Dann gibt es einen Schluck Wasser aus der Pulle und weiter geht’s.“ Die Worte schienen gefruchtet zu haben. Schulz, dem nach der Personalnot im Kasten eigentlich noch kurzfristig ein anderer Keeper vor die Nase gesetzt werden sollte, der Markt dafür aber keinen Spielraum ließ, machte seine Sache richtig gut. An allen vier bisherigen Gegentoren war er schuldlos, glänzte sogar mit „richtig tollen Schlüsselparaden“, wie Trainer Clayton Beddoes lobte. Für Schulz ein Wahnsinn, ein Traum, ein unbeschreibliches Gefühl. Luftsprünge hätte er gemacht, wenn ihm diesen Auftakt jemand prophezeit hätte. „Das war einfach nur geil“, presste er nach dem Derby hervor. „Richtig genial.“

Zurück in der Heimat

Schulz ist einer aus der Mitte des Frankfurter Eishockeyherzens. Noch vor wenigen Monaten stand er als Fan in der Kurve der Eissporthalle und feuerte seine Idole an, ein handsigniertes Trikot von Lions-Legende Ian Gordon hängt in seinem Zimmer. Dass er nun selbst auf dem Eis stehen würde, ist für ihn immer noch unbegreiflich. In der Sommerpause kam das Talent aus Rosenheim zurück in seine hessische Heimat und wohnt jetzt wieder zu Hause in Oppershofen. Die ständige Fahrerei gehe ihm zwar tierisch auf die Nerven – immerhin hat er seit Juli einen Führerschein – an einen baldigen Umzug denkt er aber nicht. „Ich will erst noch ein bisschen Mamas Essen genießen“, erklärte Schulz und weiß um den positiven Nebeneffekt. „Ich könnte ruhig noch ein wenig was auf die Rippen packen.“ 70 Kilo wiegt der schmächtige Torsteher, der ausgerechnet in Bad Nauheim – dem jetzigen Liga- und Lokalrivalen – geboren wurde und bei den dortigen Roten Teufeln seine erste Eiszeit genoss. Natürlich freue er sich ungemein auf die Duelle mit seinem Heimatverein, große Rivalität verspüre er dabei aber nicht.

Vielmehr konzentriert er sich auf Aufgaben am Wochenende, ein Heimspiel gegen Krefeld (Freitag, 19.30 Uhr) und am Sonntag auswärts in Hamm (18.30 Uhr). Dann wird in Christian Wendler ein zweiter Torhüter an der Bande stehen. Der 21 Jahre alte vereinslose Schlussmann (zuletzt EHC Dortmund) nahm gestern erstmals am Training teil und wird für ein vierwöchiges Try-Out bei den Löwen bleiben. Dann, so die Vorstellung von Manager Michael Bresagk, soll endlich Klarheit über die Verletzung von Ackers herrschen. Sollte auch das Kreuzband lädiert sein, droht ihm sogar ein Ausfall weit über das Jahresende hinaus. „Wir sind noch immer auf der Suche nach einer Nummer eins“, sagte Bresagk.

Schulz wird das nicht gerne hören, nimmt die Konkurrenz aber an. „Ich werde diesen Platz nicht kampflos hergeben.“

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