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Löwen Frankfurt „Der Verband will Geld machen“

Löwen-Geschäftsführer Stefan Krämer zur Aufstiegsregel, zum Trainertyp Gentges und zum Derby gegen Kassel

16.11.2012 07:44
Ein schweres Wochenende steht den Löwen ins Haus. Foto: imago sportfotodienst

Die Löwen Frankfurt stehen in der Eishockey-Oberliga West vor einem harten Wochenende. Nach dem Heimspiel heute (19.30?Uhr) gegen den Krefelder?EV muss der Spitzenreiter am Sonntag (18.30 Uhr) zum Lokalrivalen nach Kassel. Stefan Krämer, 42, war schon zu Lions-Zeiten vier Jahre lang Gesellschafter und hat nach deren Pleite das Frankfurter Eishockey neu aufgebaut. Obwohl es noch „viel verbrannte Erde“ gebe, sieht der Geschäftsführer die Löwen auf einem guten Weg.

Herr Krämer, die Löwen haben in dieser Saison schon einige Schlagzeilen produziert – nicht immer positiv. Mit der Außendarstellung können Sie nicht zufrieden sein?

Wir hatten nicht immer ein glückliches Händchen. Irgendwann bekam die Sache zwischen Michael Bresagk und Frank Gentges eine Eigendynamik und jedes Wort stand brühwarm in der Presse. So soll es eigentlich nicht sein.

Bresagk ist als Manager zurückgetreten. Konnte die Konstellation mit dem neuen, impulsiven Trainer Gentges an seiner Seite gar nicht funktionieren?

Michael Bresagk ist eine treibende Kraft bei der Verpflichtung von Frank Gentges gewesen. Natürlich sind da zwei unterschiedliche Charaktere aufeinandergeprallt, aber man kann nicht sagen, dass der eine den anderen rausgeschossen hat.

Passt Gentges mit seinen scharfen Aussagen zu den Löwen?

Zu 100 Prozent. Er hat sich anfangs mit der Medienlandschaft schwergetan und musste feststellen, dass es ein wenig anders zugeht als im beschaulichen Dortmund. Er hat Aussagen getroffen, die nicht glücklich waren – das wissen wir alle. Wir haben natürlich mit ihm darüber gesprochen, wollten aber keinen Maulkorb verhängen. Frank Gentges wird niemals in eine Form reinpassen. Ich kann mir in der Oberliga keinen besseren Trainer vorstellen. Er ist fokussiert, lebt Eishockey mit jeder Pore. Ein Riesentyp.

Ausgerechnet eine Woche vor dem Derby hat sich Kassels Verteidiger Stephan Kreuzmann bei den Löwen angeboten. Wie ist der aktuelle Stand?

Kreuzmann möchte dort weg, weil er sich nicht wohlfühlt. Wenn er aus seinem Vertrag rauskommt, denken wir natürlich über eine Verpflichtung nach. Kurios ist: Kassel sagt, dass ihnen ein finanzieller Schaden entstanden ist, will aber nur bei einem Wechsel nach Frankfurt, Bad Nauheim oder Duisburg 20?000 Euro Ablöse haben.

Ist das ein linkes Spiel?

Nein. Aus meiner Sicht sind sie gekränkt, weil einer ihrer Top-Verteidiger nicht mehr bei ihnen spielen will. Sie haben Kreuzmann in der Öffentlichkeit und im Training bloßgestellt. Trotzdem werden wir keinen Euro zahlen.

Der Kader der Löwen ist einer der teuersten der Liga. Muss man da schon fast zwangsläufig aufsteigen?
Mit diesem Kader können wir sicher sehr lange um den Aufstieg mitspielen, aber aus finanzieller Sicht ist es kein Muss. Wir geben auch weiterhin nur das aus, was wir haben.

Aber die Oberliga ist doch auf Dauer nicht rentabel.
Wir bieten hier ein sehr gutes Produkt an, und wir können die Sache auch noch ein paar Jahre mitmachen. Aber natürlich wissen wir nicht, wie die Fans im nächsten Jahr reagieren, wenn die Ergebnisse eines halben Jahres wieder für die Füße sind und es nur darum geht, ob man zweistellig gewinnt. Das ist für die Zuschauer und für die Sponsoren in keiner Weise attraktiv.

Bislang gibt es landesweit vier Oberligen: Von diesen 42 Teams steigt nach aller Wahrscheinlichkeit nach den Playoffs nur ein Team in die zweite Liga auf. Die Verbandsbosse stemmen sich gegen eine Reform, die Teile der zweiten Liga befürwortet hätte. Ist man da zu ignorant?

Man will eben die beiden Cash-Cows Frankfurt und Kassel, die im Jahr 120?000 Euro Verbandsabgaben zahlen, nicht verlieren. Sie sehen die Chance, Geld zu machen, und dabei ist es ihnen egal, ob die Entwicklung des Eishockeys stagniert. Wir haben vieles versucht, aber der Verband ist nicht kompromissbereit.

Das Gespräch führte Sebastian Rieth.

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