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Löwen Derby ohne Ballyhoo

Für die Löwen Frankfurt geht es gegen Bad Nauheim ums Prestige und das Heimrecht im Playoff-Viertelfinale

07.03.2013 21:51
Sebastian Rieth
Wer rasiert, verliert: Liesegang und seine bärtigen Kollegen. Foto: Hübner

Dass die heiße Phase der Saison begonnen hat, erkennt man im Eishockey landläufig an zwei Dingen: Die Bärte sprießen und über Verletzungen wird beharrlich geschwiegen. Der Gegner soll schließlich nicht wissen, wo die empfindlichen Körperstellen sind, und wie er einen Spieler schon früh aus der Serie nehmen kann. Deshalb hockt Nils Liesegang – natürlich unrasiert – auf einem der Schalensitze in der Eissporthalle am Ratsweg und druckst ein wenig herum. Irgendwo am Oberkörper sei er verletzt, erzählt der Stürmer der Löwen Frankfurt. Mehr aber auch nicht. Das wäre zu heikel. Liesegang ist der Topscorer des Klubs, er hat ein feines Stickhandling, seine Pässe sind eine Augenweide, in der Oberliga ist er bekannt wie ein bunter Hund. Jeder Satz wird von der Konkurrenz beäugt, jedes Wort zu viel könnte schon im nächsten Spiel schmerzen. Wann das sein wird, lässt er noch offen. An ein Training auf dem Eis ist dieser Tage nicht zu denken. „Momentan kann ich der Mannschaft nicht weiterhelfen“, sagt der 25-Jährige. „Das ärgert mich, weil ich meine Arbeit liebe.“ Auf die beiden Derbys gegen den EC Bad Nauheim am Freitag in Frankfurt (19.30 Uhr) und am Sonntag (18.30 Uhr) in der Wetterau werde er wohl verzichten. „Ich mache alles was hilft, aber es geht nicht so schnell.“

Es geht ums Prestige

Wirklich dramatisch scheint es um ihn allerdings nicht bestellt. „Wenn wir im Endspiel des Stanley Cups wären, würde er spielen“, erzählt Trainer Martin Jiranek und verrät damit: Liesegang wird geschont. Denn in den Duellen mit dem Rivalen geht es zwar um viel Prestige und am abschließenden Wochenende der Zwischenrunde auch um das Heimrecht im Playoff-Viertelfinale gegen die starken Südklubs. Dafür müssten die Löwen den Bad Nauheimern die Tabellenführung entreißen und aus beiden Spielen vier Punkte holen. Aber all das steht wohl in keinem Verhältnis, würde Liesegang verfrüht aufs Eis gehen und womöglich schlimmer verletzt werden. Schließlich ist die Playoff-Qualifikation, die erste in Frankfurt seit drei Jahren, bereits sicher und die Entscheidung laut Jiranek „ein schmaler Grat“.

Auch das große Ballyhoo vor den Derbys fünf und sechs dieser Saison blieb aus. Natürlich wolle man nicht zu locker die Sache angehen, „weil man dann schnell eins auf die Nase bekommt“, sagt der Löwen-Trainer, aber eigentlich gilt der Fokus den am darauffolgenden Wochenende beginnenden und über den Zweitliga-Aufstieg entscheidenden Playoffs. Im schlimmsten Fall, ergänzt Jiranek, seien die Derbys dafür eine gute Vorbereitung.

Carnevale vermisst Gentges

Beim ungeliebten Nachbarn sieht man das ähnlich. Auch dort drohen in Janne Kujala und Daniel Huhn zwei Leistungsträger auszufallen. „Für die Fans ist das wichtig, aber wir bleiben relaxt“, erzählt Frank Carnevale, der Trainer der Roten Teufel. Ob er so auch gesprochen hätte, wäre Frank Gentges noch auf der anderen Seite der Bande? Wohl kaum. Die beiden hatten sich in den Partien zuvor heftige Wortschlachten geliefert, standen einmal sogar kurz vor einer Prügelei. Aber jetzt, wo Gentges nach seinem Rücktritt nicht mehr als Feindbild dient, überfällt den zuvor ständig stichelnden Carnevale plötzlich Wehmut. „Ich bin traurig, dass er nicht mehr da ist“, beteuert der Kanadier. „Frank war ein bedeutender Teil des Derbys. Zwischen uns hat sich eine echte Challenge entwickelt.“ Der sachliche Jiranek ist dafür nicht zu haben. Aber vielleicht ändert sich auch das schon im Halbfinale, wenn sich die beiden Klubs erneut gegenüber stehen könnten.

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