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Lions Die Stimme aus der Fremde

Im Frankfurt Lions Live-Radio können die Fans alle Auswärtspartien des hessischen Eishockey-Erstligisten mitverfolgen.

08.02.2009 00:02
MATTHIAS KITTMANN
WIRECENTER
Patrick Bernecker lockt in den Playoffs schon mal 700 Lions-Fans vor ihre Computer. Foto: privat

Ohh, was für eine Chance!" Es ist nicht die Wortwahl, sondern der Tonfall, der diesen Satz zu einem Radioklassiker hat werden lassen. Auf einem ganz besonderer Sender, dem Frankfurt Lions Live-Radio. In der Deutschen Eishockey-Liga ist dieser Service ein Unikat, kein anderer Klub präsentiert von Auswärtsspielen eine komplette Live-Reportage. Um die 500 Fans hören regelmäßig am Computer zu, wie sich die Lions in fremden Stadien schlagen.

Der Mann am Mikrofon ist Patrick Bernecker. Lange Zeit gab er das Magazin Eishockey World heraus, für den Sender Premiere kommentierte er Spiele der nordamerikanischen Profiliga NHL, für ein US-Internetportal die Weltmeisterschaft 2005 - auf Englisch. So holte er sich die Sprecherroutine. Mal wird er emotional, dann wieder kühl, so dass die Fangemeinde vor dem PC aufstöhnt: "Tor Düsseldorf - da hat die Lions-Abwehr gepennt."

Doch wie kam es zu der Idee, ein Lions-Radio zu machen? "Wir haben überlegt, wie wir den Service für die Fans verbessern können. Viele Klubs haben einen Live-Ticker, aber da hat man nur begrenzte Möglichkeiten. Wenn man ohnehin vor Ort ist, kann man es auch richtig machen", erzählt Bernecker.

Hilfe von Kickers Offenbach

Wie groß der Aufwand ist, welche Technik man braucht, was das kostet, davon hatte er vor zwölf Monaten noch keine Vorstellung. Doch das Gespräch mit einem Kollegen beim Fußball-Zweitligisten Kickers Offenbach, der diesen Service ebenfalls anbietet, half weiter. "Ein gutes Laptop, ein guter Kopfhörer, eine sichere Netzverbindung und Webspace, also ein Provider - das ist alles, bekam ich zu hören", so Bernecker. Auch die Lions-Geschäftsführung war begeistert. Vodafone übernahm die Funkkosten, andere Sponsoren die übrigen Auslagen - jedenfalls in der Anfangszeit.

"Wir haben zum Ende der vergangenen Saison angefangen, um zu testen, wie es läuft. Wäre keine Resonanz gewesen, hätten wir es über den Sommer einfach ausklingen lassen", sagt der 39-jährige Bernecker. Die Resonanz aber war riesig. Irgendwann meldete sich die Landesrundfunkanstalt, um zu fragen, ob da ein professioneller Sender am Start sei. Das sei gebührenpflichtig bei regelmäßig an die 1000 Hörer. In den Playoffs sind es schon mal 700, doch von einem kommerziellen Sender kann natürlich keine Rede sein. Auch wenn der Aufwand groß ist.

"Ein komplettes Spiel zu kommentieren, ist super anstrengend", sagt Bernecker. Auch die Bedingungen in den Stadien sind sehr unterschiedlich: "In Augsburg wird man schon mal von den dortigen Fans beschimpft, in Iserlohn versteht man sein eigenes Wort kaum, aber meistens sind alle sehr nett." In Hamburg und Mannheim genießt Bernecker Sonderrechte: "Ich habe Höhenangst und könnte es auf den dort hoch oben installierten Presseplätzen nicht aushalten. Deshalb darf ich dort andere Räumlichkeiten nutzen." Trotzdem: "Nach mehreren Stunden Fahrt und zwei Stunden Reden am Stück bin ich am nächsten Tag platt."

Apropos Fahrten: Auch noch selbst am Steuer zu sitzen, wäre zu viel des Guten. Doch die Lions-Fans haben ein Herz für ihren Radio-Mann, die Fan-Klubs Overtime 2000 und Kriftel nehmen Bernecker immer mit - umsonst. "Leider haben sich einige Sponsoren zurückgezogen. Wenn ich auch noch für die Fahrtkosten aufkommen müsste, könnte ich das nicht mehr machen", sagt Bernecker. "Ohnehin grenzt die Sache an Liebhaberei."

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