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Eishockey Gordon erhält Papiere

Deutscher Pass für den kanadischen Torwart der Frankfurt Lions nützt dem Klub und Bundestrainer Krupp. Von Matthias Kittmann

18.11.2008 00:11
MATTHIAS KITTMANN
DEL Playoff - Frankfurt Lions - Iserlohn Roosters 4:3
Ian Gordon, der Torwart der Fraknfurt Lions. Foto: dpa

Für Immigranten ist der Tag der Einbürgerung üblicherweise ein besonderes Ereignis. Das gilt auch für Ian Gordon, den Torhüter der Frankfurt Lions, aktuell Fünfter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), der heute seine deutschen Papiere bekommt.

Nun sind Eishockeyspieler keine typischen Einwanderer, besonders nicht jene aus Kanada. Die Klubs haben ein vitales Interesse an Spielern, die Eishockey spielen in Kanada erlernt haben. Mit deutschem Pass fallen sie nicht mehr unter das Ausländerkontingent (maximal zwölf Lizenzen können vergeben werden, zehn dürfen spielen). Und auch das Nationalteam profitiert von Deutsch-Kanadiern.

Was den Fall Gordon aber so besonders macht, ist der ungewöhnlich langwierige Prozess bis zur Einbürgerung. Eigentlich hätte schon im Frühsommer alles perfekt sein sollen. Ohne deutsche Vorfahren, aber mit acht Jahren Aufenthaltsdauer waren die Vorbedingungen erfüllt, in Orientierungskursen schnitt Gordon als Bester ab.

Doch das Regierungspräsidium Hessen-Süd verlangte zudem von Gordon, die kanadische Staatsbürgerschaft aufzugeben. In anderen deutschen Regionen wird das nicht unbedingt so gehandhabt. Damit begann eine bürokratische Odyssee. Zum Saisonstart wartete Gordon immer noch auf das Okay aus Kanada. Also lizenzierten ihn die Lions zunächst als Ausländer, weshalb abwechselnd ein anderer Nicht-Deutscher pausieren musste.

Dass die Frankfurt Lions überhaupt so einen Aufwand in dieser Angelegenheit betreiben, liegt an Gordons Stellenwert für das Team. 2004 war er einer der maßgeblichen Faktoren für den Gewinn der Meisterschaft, er hält immer noch den Rekord von drei Playoff-Spielen hintereinander ohne Gegentor. Auch im vergangenen Jahr, als die Lions nach einer denkwürdigen Sieben-Spiele-Serie gegen Iserlohn bis ins Halbfinale vorstießen, bestätigte Gordon seinen Ruf als Playoff-Goalie.

Viele zweifelten, ob der Erfolg des Vorjahres, als die Lions immer unter den ersten Vier waren, wiederholbar ist. Denn die Konkurrenz um die Playoff-Plätze wird immer größer - so eng wie in dieser Saison ging es noch nie unter den ersten Zwölf zu. Für die Lions begann die Spielzeit denn auch zäh, nach zehn Partien waren sie nur Neunter.

Sie legten sogar jene einzigartige Negativ-Serie von acht Spielen ohne Powerplaytor hin. Dass sie in dieser Phase dennoch regelmäßig punkteten, lag zum einen an den starken jungen Deutschen, zum anderen an Gordon, der den Gegentorschnitt niedrig hielt und so die Offensivschwäche seiner Vorderleute kompensierte.

"Wir mussten acht Neuzugänge einbauen, das braucht manchmal seine Zeit", erklärt Manager Dwayne Norris, der vor eineinhalb Jahren auf Anhieb den Berufswechsel vom Spieler zum Manager schaffte. Trainer Rich Chernomaz musste viel probieren, was auf dem Papier zu passen schien, passte nicht auf dem Eis. Ihre Punkte holten die Lions meistens über den Kampf und durch Gordon.

Deshalb wurden sie zuletzt auf dem Weg nach oben leicht unterschätzt. Markenzeichen der Lions sind eher harte Arbeit und knappe Siege. Dabei belegt ein Blick auf die Statistik: Mit nur vier Niederlagen nach regulärer Spielzeit aus 20 Spielen sind sie das am schwersten zu besiegende Team der Liga. Zuletzt, wie beim Sieg in Krefeld, kam auch spielerischer Glanz dazu. Und das überwiegend mit nur drei Reihen, denn neben dem elften Ausländer pausiert auch Stammspieler Ilja Worobjew seit Wochen verletzungsbedingt.

Gordons Einbürgerung wird auch Bundestrainer Uwe Krupp freuen. Der hat schon angekündigt: "Gordon ist auf jeden Fall ein Thema, er ist einer der Besten in Deutschland."

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