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Waldemar Klein Rot und Weiß ein Leben lang

Kickers Offenbach trauert um Waldemar Klein, der wie kein Anderer für den OFC stand und eintrat.

07.11.2010 20:46
Wolfgang Hettfleisch
Die OFC-Fans werden ihn nicht vergessen: Waldemar Klein. Foto: imago

Ein Blick ins Online-Forum von Eintracht Frankfurt zeigt vielleicht am besten, welchen Verlust der Fußball-Drittligist Kickers Offenbach durch den Tod seines Ehrenpräsidenten Waldemar Klein erlitten hat. Dort, wo sich die loyalen Fans des Bundesligisten austauschen, wird in ernsten und respektvollen Worten vielfach Trauer und Anteilnahme bekundet. Sie mögen den Klub aus der Nachbarschaft nicht, die Anhänger der Eintracht. Doch den Mann, der den OFC über Jahrzehnte wie kein Zweiter prägte und repräsentierte, haben sie stets respektiert. Und das tut sie auch jetzt ? über seinen Tod hinaus.

Erstaunen kann das nur jene, die nie das Privileg hatten, den Großhandelskaufmann und gelernten Steindrucker aus Klein-Auheim mal aus der Nähe zu erleben. Keine Frage, der Offenbacher Traditionsklub war sein Leben, und Klein ging für seinen OFC durchs Feuer. Aber es war viel Platz im Herzen dieses Menschenfreunds, der wegen seines vielfältigen sozialen Engagements weit über Offenbachs Stadtgrenzen hinaus Anerkennung und Sympathie genoss.

Liegenbleiben verboten

Sie haben es ihm nie leicht gemacht, „seine“ Kickers, denen er 56 Jahre lang als Mitglied die Treue gehalten hat. Doch definierten gerade die schwierigen Zeiten das besondere Verhältnis zwischen Klein und der Fanbasis des OFC. Er hatte sich in seiner zweiten Amtszeit als Präsident ? nach dem vierten und letzten Bundesligaabstieg 1984 und dem darauffolgenden Zwangsabstieg aus der zweiten Liga wegen einer zu spät eingereichten Bürgschaft ? gegen den Sturz des Klubs in die Bedeutungslosigkeit gestemmt; mit der ihm eigenen Hingabe und nicht zuletzt mit eigenem Geld.

Aber das allein war es nicht, weshalb viele im Kickers-Umfeldsagen, Waldemar Klein, dessen Name die Stehtribüne am Bieberer Berg seit 2001 trägt, gebühre eine Statue vor der Spielstätte neben jener von Spieler-Ikone Hermann Nuber. Seine Hartnäckigkeit und sein nie erlahmender Kampfgeist sicherten dem Klub eine bescheidene Existenz im Profifußball. Klein lehrte den leidgeprüften OFC-Anhang, was Vereinstreue aus seiner Sicht im Kern bedeutete: Hinfallen erlaubt, liegenbleiben verboten.

Das haben ihm die Kickers-Fans, die er unbefangen duzte, nie vergessen. Klein, seit 1988 Ehrenpräsident, stieg zur moralischen Instanz des Klubs auf, ohne dabei je entrückt zu wirken. Weil er sein Herz auf der Zunge trug; weil er nachempfinden und in für jedermann verständliche Worte kleiden konnte, was den Kuttenträger in Block zwei bewegte.

Er hat diese besondere und zuletzt unangreifbare Position niemals missbraucht, hat nie Politik gegen jene gemacht, die sein Erbe im Klub verwalten. Auch das sagt viel darüber aus, was für ein Mensch Waldemar Klein war. Dabei hat er stets die Nähe auch und gerade zu den Spielern gesucht. Die Geschichten über muntere Abende am Angelteich des Ehrenpräsidenten sind Legende; wer auch immer etwas auf dem Herzen hatte aus der OFC-Familie, war in seinem Haus in Hainstadt willkommen.

Dienst am Klub bis zuletzt

Dass Waldemar Klein bis fast zuletzt weit mehr war als der Lordsiegelbewahrer der Offenbacher Fußballtradition, wird leicht übersehen. Dabei hat er mit seinen Kontakten noch maßgeblich daran mitgewirkt, dass der kleine Klub mit der großen Geschichte eine Perspektive hat im deutschen Profifußball. Wenn in wenigen Wochen die Entscheidung ansteht, wie das neue Stadion am Bieberer Berg aussehen soll, und dann alsbald die Bauarbeiten beginnen, ist das nicht zuletzt seiner Hartnäckigkeit zu verdanken.

Mochten die Körperkräfte auch schwinden, der große alte Mann des OFC konnte und wollte vom Dienst an seinem Klub nicht lassen. Seit er im Juni 2009 als Redner einer Trauerfeier einen Herzinfarkt erlitten hatte, begleitete die Sorge um Waldemar Klein alle, die es mit dem OFC halten. Der alte Kämpfer aber meldete sich bald wieder zu Wort, ließ sich ungeachtet seiner angeschlagenen Gesundheit nicht unterkriegen.

Eine fast kindliche Begeisterung trieb ihn unverdrossen an. Da war noch so vieles, das Waldemar Klein miterleben wollte bei seinen Kickers: den Kampf der neu zusammengestellten Mannschaft um den Aufstieg in die zweite Liga; die Entstehung und Einweihung der modernen Spielstätte, die bessere finanzielle Rahmenbedingungen für eine dauerhafte sportliche Konsolidierung auf Zweitliga-Niveau verspricht.

Doch der OFC muss den eingeschlagenen Weg nun ohne seinen treusten Freund und Diener weitergehen. Dessen Leben endete in der Gewissheit, alles Menschenmögliche getan zu haben, damit Kickers Offenbach nicht, wie so viele andere Traditionsklubs, von der Landkarte des deutschen Profifußballs verschwindet.

Waldemar Klein starb am Freitag in einer Offenbacher Klinik. Die Kickers-Fans können am Mittwoch in einer Trauerfeier im Stadion am Bieberer Berg Abschied nehmen. Abschied von einem, der zeitlebens für etwas stand, das im heutigen Fußball-Business in Vergessenheit zu geraten droht: die unbedingte Liebe zum Verein.

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