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OFC-Stürmer Pascal Testroet Offenbacher Grenzgänger

Pascal Testroet war der überragende Mann beim 4:0-Sieg gegen Werder Bremen II. Er darf als Symbolfigur für Hoffnungen und Gefahren seines neuen Arbeitgebers gelten.

Pascal Testroet wurde zum Matchwinner gegen Bremen. Foto: pressehaus

Die Belohnung war zuvor mit Bedacht ausgesprochen. Und so ging es Pascal Testroet auch nicht wirklich auf den Nerv, dass er nach dem 4:0 beim SV Werder Bremen II am Freitagabend noch zur Dopingprobe ausgelost worden war. Denn der Bus der Offenbacher Kickers trat ohnehin ohne seinen Matchwinner die Heimreise an. „Die Jungs können einmal in der Saison solch einen Joker ziehen“, berichtete sein Trainer Arie van Lent vergnügt. Und so warteten nur noch versprengte Autogrammjäger, Journalisten und seine Freundin Michelle auf Testroet, als der endlich im Halbdunklen aus dem ihm noch sehr bekannten Kabinen von Platz elf des Werder-Areals kam. Das freie Wochenende verbrachte er bei seiner in Zeven wohnenden Lebensgefährtin, die der 20-Jährige bereits seit drei Jahren aus seiner Werder-Zeit kennt. Natürlich hat er sich am Samstagabend wieder artig in den Zug gesetzt, schließlich stand am Sonntagmorgen in Offenbach das nächste Training an.

Es geht ja direkt weiter für die Hessen, am Mittwoch kommt die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart an den Bieberer Berg, „und die werden uns das Leben bestimmt schwerer machen als die Bremer“, sagte Geschäftsführer Thomas Kalt. Wohin der Weg der Kickers in der Dritten Liga führt, ist nach dem in der Gesamtheit sehr überzeugenden Vortrag vom achten Spieltag ungewisser denn je. Irgendwie scheint genau das zu gelten, was Testroet von sich sagte: „Es hängt bei mir viel von der Laune ab: Es geht schnell nach oben oder nach unten.“ Es ist auf der putzigen Tribüne mit den wenigen grünen Schalensitzen um Werders Vorstandschef Klaus Allofs viel getuschelt worden, welche Befähigung dieser bewegliche Strafraumstürmer mitbringt, der ein Tor selbst erzielte, zwei Treffer instinktsicher einleitete und sich noch eine Fülle weiterer Chancen mit seiner ständigen Präsenz erspielte. „Ich verlange, dass er so arbeitet“, sagte van Lent, „er hat seine Warnung bei uns schon bekommen.“

Im letzten Heimspiel musste er auf die Bank. Ein bisschen erinnert dieser Spieler den Trainer selbst an seine aktive Zeiten – auch van Lent war ja zeitweise unterklassig als Grenzgänger unterwegs. „Ich habe Arie einige Male sagen müssen, dass wir ihn nicht für die Disco, sondern für den Fußball nach Bremen geholt haben“, berichtete sein Entdecker Rolf Behrens schmunzelnd. „Wenn ich die Karriere machen würde, die Arie van Lent hinter sich hat, würde ich das sofort unterschreiben“, sagte Testroet, „natürlich träume ich von der Bundesliga.“ Der OFC sei der richtige Zwischenschritt: Er spüre bereits, wie gut es ihm tue, Mitspieler wie Elton da Costa, 31, oder Sead Mehic, 36, hinter sich zu haben, „das ist hier eine richtige Fußball-Mannschaft, zu der erfahrene und junge Leute gehören.“

„Ich bin ein extremer Spieler“

An der Weser wollen sich die Verantwortlichen indes nicht vorwerfen lassen, zu wenig Geduld gehabt zu haben. „Pascal ist bei uns nie in seinen Rhythmus gekommen“, erklärte sein ehemaliger Trainer Thomas Wolter. „Sein Talent haben wir sehr wohl erkannt“, ergänzte Nachwuchsleiter Uwe Harttgen. Drei Jahre habe der einst mit einiger Mühe aus der Jugendabteilung des FC Schalke losgeeiste Testroet an der Weser unter Vertrag gestanden, doch zum einen war er selten wirklich fit. Und zum anderen auch nicht gerade geduldig. „Ich bin ein extremer Spieler“, gab Testroet zu, „aber ich nehme jetzt mehr Ratschläge an.“ Wenn er sich für nur ein Extrem entscheidet, kann er eine herausragende Kraft seiner Spielklasse werden.

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