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OFC Spieler stärken Reck den Rücken

Top-Leistung gegen Mainzer Reserve als Bekenntnis für den schmallippigen Trainer.

Fussball Regionalliga Suedwest, Kickers Offenbach - FSV Mainz 05 U23
Der Schlusspunkt: Maik Vetter bejubelt das 3:1. Foto: Huebner/Bremes

Es gibt ein Lied, das die Fans von Kickers Offenbach besonders gerne anstimmen. Immer, wenn der Traditionsklub mal wieder einen Rückschlag hat einstecken müssen und sich dann wieder aufgerappelt hat, schallt es aus vielen Mündern über den Bieberer Berg: „Der OFC ist wieder da.“ Anlässe zum Wiederaufrappeln gab es in den vergangenen Jahren mehr als genug: Abstieg in die Regionalliga. Insolvenz. Scheitern in der Aufstiegsrelegation. Aber in Offenbach, das ist bekannt, geht es immer irgendwie weiter.

Auch am vergangenen Freitag, nach dem 3:1-Heimerfolg gegen die U23 von Mainz 05, sangen sie es in der Bieberer Straße erneut: „Der OFC ist wieder da.“ Ganz so dramatisch wie in manch vorheriger Spielzeit war die Lage zwar nicht, nach ihrer wohl schwächsten Saisonleistung beim ernüchternden 1:2 in Stuttgart eine Woche zuvor hatten die Kickers dennoch unter immensem Druck gestanden – und machten ihr vielleicht bestes Spiel der aktuellen Runde. „Wir wollten zeigen, was wir können“, sagte Innenverteidiger Benjamin Kirchhoff. „Wenn wir wieder so aufgetreten wären wie in Stuttgart – das hätte man ja keinem verkaufen können.“

Zurück auf Platz zwei

Mit dem Erfolg über die keineswegs schwachen Mainzer haben die Kickers nicht nur den zweiten Tabellenplatz zurückerobert, sondern auch ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz gesendet. 90 Minuten lang beackerten die Offenbacher ihren Kontrahenten mit einer beeindruckenden Intensität. Es war ein Sieg des Willens. So gallig, so aggressiv hatte man die Hessen, der normalerweise eher ihr Heil im Kombinationsspiel suchen, lange nicht mehr erlebt. Für die verbleibenden neun Saisonspiele könnte das genau die richtige Marschroute sein. Am Freitag habe man „die Tugenden des OFC“ wieder gesehen, befand Kapitän Daniel Endres. „Wir wollten läuferisch, kämpferisch und fußballerisch eine Reaktion zeigen.“

Die Pleite in Stuttgart scheint am Bieberer Berg einige wachgerüttelt zu haben. Schon seit der Winterpause waren die Leistungen alles andere als berauschend gewesen, auf selbstkritische Worte hatte man jedoch weitestgehend vergeblich gewartet. Das ist nun anders. „Wir haben uns ausgesprochen und viel kommuniziert“, erzählte Endres. „Wir wussten, dass der Trend bei uns rückläufig ist.“

Bemerkenswert war auch, wie sich die Spieler unisono für Übungsleiter Oliver Reck aussprachen. Mit ihrer Leistung habe die Mannschaft „ein klares Bekenntnis zum Trainer abgegeben“, urteilte Maik Vetter. „In jedem von uns hat es ein bisschen gebrodelt – wegen unserer Leistung und der Art, wie unser ,Papa“ angegriffen wurde.“ Kirchhoff fand: „Der Trainer ist am wenigsten Schuld, wenn wir nicht unsere Leistung auf den Platz bringen.“ Und Endres vermutete gar, ohne Reck und seinen Assistenten Joti Stamatopoulos „würde Kickers Offenbach in der Oberliga kicken“.

Zweifel in der Führung

Der flammende Appell der Spieler lässt durchblicken, dass Reck intern längst nicht mehr unumstritten ist. In der Führungsetage des Klubs soll der 53-Jährige nicht nur Fürsprecher haben. Was weniger an den Ergebnissen liegt, sondern mehr an seiner oftmals kauzigen Art und seinem Mangel an Kritikfähigkeit. Nach dem Sieg gegen Mainz gab sich der frühere Bundesliga-Torwart schmallippig: „Ich habe von der ersten bis zur letzten Minuten ein sehr engagiertes Spiel gesehen, ich bin sehr zufrieden.“ Ob Recks im Sommer auslaufender Vertrag verlängert wird, dürfte auch davon abhängen, ob seine Mannschaft die Leistung vom Freitag in den kommenden Wochen bestätigen kann.

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