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OFC Ruhig bleiben in Offenbach

Bei den Kickers täte man gut daran, den vor anderthalb Jahren eingeschlagenen Weg der Kontinuität fortzusetzen – mit all seinen Rückschlägen.

20.12.2012 09:41
Von Sebastian Rieth
Offenbacher Pokalhelden: Nach dem Jubel ist jetzt ein ruhiges Händchen gefragt. Foto: dpa

Als sich Frank Ruhl im September zum Präsidenten von Kickers Offenbach wählen ließ, lockte der Unternehmer mit großen Visionen: Zu den 30 besten Teams in Deutschland wolle man bald wieder gehören, vielleicht sogar in die Bundesliga aufsteigen und dem chaotischen Klub einen schillernden Namen verleihen. Das zog bei den Anhängern, aber es waren Worte, die man in der Dritten Liga schon allzu oft gehört hatte und die eigentlich nur noch Kopfschütteln hervorrufen konnten. Dort, wo der Überlebenskampf zum Tagesgeschäft gehört, wo Stadien zu Millionengräbern werden, Vereine vor der Insolvenz stehen und ständig Getriebene ihrer Vergangenheit sind, ist Weitsicht und kein Populismus gefragt. Dort muss man mit den wenigen Mitteln Aufbauarbeit leisten und nicht die horrenden Erwartungen des Umfeldes weiter befeuern. Nicht zufällig ist dem unscheinbaren FSV Frankfurt der Sprung in die Zweite Liga geglückt.

Ruhiges Händchen gefragt

Ein ähnlich ruhiges Händchen mag man auch den Pokalhelden in Offenbach wünschen. Das Präsidium darf die Fahne nicht nach dem Wind stellen, mal mit Trainer Arie van Lent verlängern und ihn mal entlassen wollen. Das wäre Aktionismus. Die Vereinsführung muss deutlich machen, dass die branchenüblichen Mechanismen genau an jenem Ort, der sie einst anzuziehen schien, nicht mehr gelten. Sie darf van Lent nicht bloßstellen, nur um im Misserfolgsfall schnell einen Sündenbock präsentieren zu können.

Bei den Kickers täte man gut daran, den vor anderthalb Jahren eingeschlagenen Weg der Kontinuität fortzusetzen – mit all seinen Rückschlägen. Denn erst wenn sich Präsidium, Mannschaft und vor allem die Fans eingestehen, dass dieser Klub im fünften Jahr seiner Ligazugehörigkeit nicht mehr als ein normaler Drittligist ist, kann auch der Aufstieg wieder Thema werden. Die Spieler, drei Tage vorher noch beschimpft und verspottet, haben ihren ersten Beitrag dazu geleistet und dem Verein das finanzielle Überleben gesichert. Nun sollte auch der Rest die Füße still halten und sich daran erfreuen, dass man im Februar 2013 nicht nur unter den besten 30, sondern sogar unter den besten acht Klubs dieses Landes steht. Auch wenn es nur im Pokalwettbewerb ist.

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