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Kickers Offenbach Zurück in die Zukunft

Die Offenbacher Kickers sind Meister und haben nun in der Relegation die Chance, die Regionalliga hinter sich zu lassen.

27.04.2015 07:01
Manuel Schubert
Das erste Ziel ist geschafft: Die Offenbacher Fans klatschen ihre Meister ab. Foto: Huebner/Scheiber

Silberner Lack, blaue Neonleuchten im Fußraum, hochklappbare Türen und Feuer unter den Räden - so sah er aus, der legendäre DeLorean, mit dem Lederjackenträger Marty McFly und der Wissenschaftler Doc Emmet Brown in der Achtzigerjahre-Filmtrilogie „Zurück in die Zukunft“ durch die Zeit reisten. Klaus Gjasula, als Abräumer im zentralen Mittelfeld bei den Offenbacher Kickers beschäftigt, würde dieser Tage gern in solch ein Auto steigen, auf dem Amaturenbrett den 27. Mai 2015 eintippen und die Zeit auf 19 Uhr stellen. Denn genau heute in einem Monat finden die Hinspiele der Relegationsrunde zum Aufstieg in die Dritte Liga statt. Seit Samstag steht fest: Der OFC ist als frisch gebackener Meister der Regionalliga Südwest dabei.
Am liebsten würde er die Aufstiegsspiele sofort bestreiten, verkündete Gjasula nach dem 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den ärgsten Verfolger Saarbrücken, mit dem die Kickers den Triumph am Samstagmittag perfekt gemacht hatten. Es war eine kräfteraubende Partie, doch nach großem Kampf hatte der OFC auch die Saarländer durch Tore von Benjamin Pintol (7.), der eine schöne Kombination über Gjasula und Fabian Bäcker vollendete, sowie Christian Cappek (67.), der den Ball trotz Platzwunde am Kopf mit der Stirn über die Linie drückte, bezwungen. „Ein Hammer-Gefühl“ sei das, sagte der Albanier Gjasula, hibbelig wippte er von einem Bein aufs andere, das Adrenalin schoss durch seinen Körper. Es wirkte, als würde der 25-Jährige am liebsten gleich wieder auf den Platz joggen und das erste Relegationsspiel angehen. „Die Mannschaft ist hungrig“, so Gjasula.

Diesen Siegeswillen aufrechtzuerhalten, wird in den kommenden Wochen aber gar nicht so einfach. Denn bevor es in die lang ersehnte K.o.-Runde geht, müssen die Kickers noch vier Liga-Spiele hinter sich bringen, in denen es freilich um nichts mehr geht. „Auf jeden Fall unbefriedigend“, sei diese Situation, findet Gjasula. „Aber ist halt so.“

Nur ein Etappensieg

Besonders überschwänglich fielen die Feierlichkeiten nach dem Sieg gegen Saarbrücken deshalb auch nicht aus. Ein paar herzhafte Umarmungen, Abklatschen mit dem Gegner, ein bisschen feiern vor der Kurve, das Übliche nach einem Heimerfolg. Für den Abend würden seine Jungs schon noch eine kleine Party auf die Beine stellen, versprach Trainer Rico Schmitt. „Sie haben es sich ja verdient.“ Doch am Bieberer Berg hat man schnell den Fokus wieder nach vorne gerichtet. Die Meisterschaft sei in etwa so wie ein Etappensieg beim Radfahren, sagte Flügelflitzer Bäcker. „Nicht mehr, nicht weniger.“ Denn ohne den Aufstieg, „das ganz große Ding“, wie der frühere Mönchengladbacher Profi es nannte, wäre die überaus erfolgreiche Saison völlig wertlos.

Die Kickers – das zeigte auch der Samstag wieder – gehören ohne Frage in eine höhere Spielklasse. Fast 10 000 Zuschauer waren ins Stadion geströmt und erzeugten eine Stimmung, wie sie sich so manch ein deutscher Zweitligist für seine Heimspiele wünschen würde. Und die Mannschaft? Die tut etwas für ihr Glück, schuftet unermüdlich, geht ans Limit. Der Vorsprung auf den zweiten Tabellenrang beträgt nunmehr 13 Punkte. Seit acht Spielen haben die Hessen kein Gegentor mehr kassiert.

In einem Anflug von Sentimentalität hat Trainer Schmitt dann noch den schönen Satz gesagt, Tradition könne man nicht kaufen. „Die hat man, oder hat sie nicht.“ Die Offenbacher Kickers besitzen davon ohne Frage eine ordentliche Portion. Höchste Zeit also, dass sie wieder gegen andere Traditionsvereine antreten dürfen, gegen Cottbus, Dresden, Rostock, und nicht mehr gegen Baunatal, Nöttingen oder Walldorf. Höchste Zeit, dass der OFC wieder in die höheren Gefilden des deutschen Fußballs zurückkehrt. Zurück in die Zukunft, quasi.

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