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Kickers Offenbach Wulnikowski will doch nur spielen

Robert Wulnikowski und Kickers Offenbach - das war mal fast so eine Art Liebensverhältnis. Doch das ist jetzt vorbei, Wulnikowski klagt vor dem Arbeitsgericht um seinen Platz im Tor der Kickers.

03.08.2013 13:50
Sebastian Rieth
Hat noch eine Rechnung offen: Robert Wulnikowski. Foto: imago sportfotodienst

Es ist noch gar nicht so lange her, da hätten sie Robert Wulnikowski auf dem Bieberer Berg am liebsten ein Denkmal errichtet. Die Fans lagen dem Rekordspieler der dritten Liga zu Füßen, auch die Leistung des Torhüters war trotz seiner 36 Jahre noch ansprechend und es dachte wohl niemand im Traum daran, dass diese Liebesbeziehung zwischen dem Malocher im Kasten und dem Kultklub vom Berg irgendwann einmal in die Brüche gehen könnte. Wenige Monate und eine Insolvenz später ist aber genau das eingetreten.

Am 2. August, kurz nach eins, betrat Robert Wulnikowski mit seiner Anwältin den Saal 334 im Offenbacher Arbeitsgericht. Dass Insolvenzverwalter Andreas Kleinschmidt den Vertrag zwischen ihm und den Kickers für nichtig erklärt und ihn sogar vom Training nach Hause geschickt hatte, will „Wulle“ nicht akzeptieren.

„Es besteht kein Vertragsverhältnis“

Der Torwart klagt - gegen die zahlungsunfähige GmbH, aber auch gegen den Verein. Dessen Rechtsanwalt Christian Heinemann schätzt die Prozessaussichten nach dem Gütetermin für den e.V. allerdings als „sehr gut“ ein. Er sagt: „Es besteht kein Vertragsverhältnis. Man nutzt nur ein formales Versehen aus.“

Denn: Als Wulnikowskis Vertrag im vergangenen Oktober vorzeitig bis ins Jahr 2015 verlängert wurde, hatte der damalige Geschäftsführer Jörg Hambückers schlicht vergessen, die Briefköpfe zu wechseln. Statt der GmbH stand dort noch der Verein als Vertragspartner.

Wulnikowski jedenfalls bekräftigte, weiter Fußball spielen zu wollen - und das natürlich für die Kickers. Dort ist man allerdings der Auffassung, dass Wulnikowskis Arbeitspapier mit dem Zwangsabstieg erloschen sei. In dem Vertragswerk sind nämlich nur die ersten drei Ligen - und sogar eine Prämie für den Europapokal -, aber nicht die vierte Spielklasse aufgeführt.

Kommt das Arbeitsgericht nun zu dem Schluss, dass diese Klausel zum Zeitpunkt der Unterschrift auch im Sinne des Arbeitnehmers Wulnikowski gewesen ist, wäre der Kontrakt tatsächlich nichtig. Einziger Haken: Es wurde auch ein Abschiedsspiel und ein Anschlussvertrag als Torwarttrainer mit aufgenommen. Darauf beruft sich Wulnikowskis Anwältin nun.

17.000 Euro Grundgehalt

Zu einem Treffen zwischen dem Torhüter a.D., der im Ruhrpott einst sogar unter Tage in einem Bergwerk malochte, und Insolvenzverwalter Kleinschmidt soll es noch vor der mündlichen Gerichtsverhandlung am 11. September kommen. Letztlich geht es nicht nur um Wulnikowskis Karriere, sondern auch um viel Geld. Monatlich strich der Keeper 17.000 Euro Grundgehalt ein. Plus Prämien. Die Identifikationsfigur Robert Wulnikowski hatte eben ihren Preis.

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