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Kickers Offenbach Nummer zwölf

Stürmer Stefan Vogler beweist als frische Kraft von der Bank seinen Wert für Pokalschreck Kickers Offenbach.

02.11.2012 07:31
Sebastian Rieth
Besucht die Familie auf der Tribüne: Stefan Vogler. Foto: dpa

Stürmer Stefan Vogler beweist als frische Kraft von der Bank seinen Wert für Pokalschreck Kickers Offenbach.

Fast eine Stunde lang hatte sich Stefan Vogler hinter dem eigenen Tor warm gemacht, ehe das erlösende Handzeichen des Trainers kam. Arie van Lent deutete auf den Stürmer mit dem gelben Leibchen und beorderte ihn zur Ersatzbank. Dann ging alles rasend schnell. Es lief die 82. Minute im Pokalspiel gegen den klassenhöheren Zweitligisten 1. FC Union Berlin, der Außenseiter Kickers Offenbach führte mit 1:0, und irgendwie sollte dieser Vorsprung über die Zeit gerettet werden. Ein Wechsel musste her, Stürmer für Stürmer, da kann man nicht viel falsch machen. Also zupfte Vogler noch kurz an seinem Trikot, klatschte den Kollegen Thomas Rathgeber ab und lief aufs Feld.

Nur zwei Ballkontakte und keine drei Minuten später hatte der 22-Jährige bereits mehr als nur ein paar Sekunden von der Uhr gestohlen. Er hatte die Partie entschieden. Einen Freistoß von Julius Reinhardt erwischte Vogler, obwohl neben ihm der 14 Zentimeter größere Berliner Christian Stuff stand, mit dem Kopf. Der Ball prallte gegen den Innenpfosten und von dort zum 2:0 ins Tor. „Ich hab ihn gut getroffen und schon geahnt, dass er reingehen würde“, erzählte die Leihgabe aus Fürth. Der Joker hatte gestochen, der Deckel war drauf und die zweite Pokalüberraschung der Kickers perfekt.

Als Joker wertvoll

Seinen Stammplatz aus der vergangenen Runde hat Vogler beim OFC längst an Zugang Mathias Fetsch verloren. Kein einziges Mal stand er in dieser Saison über die komplette Spielzeit auf dem Platz, er bringt es aber dennoch auf drei Tore in zwölf Spielen. Vogler ist eine typische Nummer zwölf. Für die Anfangsformation reicht es nicht ganz, aber als frische Kraft von der Bank ist er immens wertvoll. „Er bringt neue Power in unser Spiel“, lobt van Lent. Der Trainer weiß, dass er Vogler jederzeit in die Partie werfen kann. Dem laufstarken Angreifer wird die Reservistenrolle nicht schmecken, aber er ist nicht der Typ, der Stunk macht. Der gebürtige Sigmaringer ist ein Mann der leisen Töne – und der späten Tore. In Erfurt traf er nach einer guten Stunde, gegen die Stuttgarter Kickers zwei Minuten vor dem Ende. Das sollte sich auch der nächste Gegner im Pokal merken. Wen sich Vogler im Achtelfinale, das am Sonntag ausgelost und am 18./19. Dezember gespielt wird, wünscht? Schalke, Dortmund oder die Bayern, sagt er. Das sind dann mal ordentliche Aufgaben.
Eine ganze Stange Geld ist ohnehin schon sicher. 535000 Euro streicht der Klub mindestens für das Erreichen der nächsten Runde ein. „Das ist ein sehr warmer Regen“, weiß Präsident Frank Ruhl. Damit sollen Schulden abgebaut und Löcher gestopft werden. Auch ein Winter-Trainingslager werde es geben. Das sei aber über private Geldgeber finanziert.

Es läuft wie am Schnürchen

In Offenbach läuft momentan vieles wie am Schnürchen. Die Mannschaft ist seit 13 Spielen ungeschlagen, Torwart Robert Wulnikowski hat vorzeitig seinen Vertrag verlängert, und auch die Zuschauer kamen am Mittwochabend in Scharen. Mehr als 12000 waren da – so viele hatten seit dem Neubau des Stadions noch nie ein Pflichtspiel besucht. Langsam scheint auch abseits des Rasens zusammenzuwachsen, was zusammengehört. „Nach Darmstadt werden wieder viele Fans kommen und uns pushen“, richtet Vogler den Blick auf das Drittliga-Derby am Samstag (14 Uhr), wenn die Kickers auf ihren ehemaligen Spielmacher Elton da Costa treffen.
Für den OFC-Stürmer bleibt dann vorerst nur der Platz auf der Bank. Auch diesmal wird er es ohne Murren hinnehmen, sich bereit halten und geduldig auf den Moment warten. So, wie er es zuletzt immer gemacht hat.

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