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Kickers Offenbach Kein Aktionismus trotz Fehlstart

OFC-Trainer Steuernagel und Sportdirektor Mehic dürfen weitermachen: „Neuausrichtung braucht noch etwas Zeit“

Fussball Regionalliga Südwest, SSV Ulm 1846 - Offenbacher Kickers
Krisengespräch: Sportdirektor Mehic (von links), Geschäftsführer Fiori und Trainer Steuernagel. Foto: Huebner/Bremes

Der Frust und die große Unruhe im Umfeld über den Fehlstart von Kickers Offenbach in der Fußball-Regionalliga Südwest nagt auch an Helmut Spahn. Doch der Präsident des OFC stärkt den in die Kritik geratenen Sportdirektor Sead Mehic sowie Trainer Daniel Steuernagel den Rücken – und verknüpft seine Position sogar damit.

„Mit diesem Start habe ich sicher nicht gerechnet“, sagte Spahn. Doch der Präsident der Kickers, beim 1:2 am Freitagabend in Ulm nicht live vor Ort, ist nach zwei Punkten aus vier Spielen darum bemüht, Ruhe zu wahren. „Politikern räumt man auch 100 Tage ein“, sagte er und stellte klar, dass weder Steuernagel noch Mehic zur Disposition stehen. „Nach unserer Analyse der vergangenen Saison haben wir uns bewusst für diesen Trainer entschieden“, sagte Spahn. Der Präsident verteidigte auch die offensive Zielsetzung, die er selbst ausgerufen hatte: Platz eins, Aufstieg. „Wir hatten eine Mannschaft, die Tabellendritter geworden ist, da können wir doch jetzt nicht sagen, dass wir einen einstelligen Platz erreichen wollen“, sagte Spahn.

Trainer Steuernagel hatte in der Vorbereitung mit einer höheren Trainingsintensität, einem verstärkten Fokus auf Athletik und einem veränderten Spielsystem neue Reize gesetzt. Auch eine gemeinsame Mahlzeit am Tag gehört zu den Veränderungen im Alltag der Kickers-Profis. Hinter diesen Maßnahmen steht der Aufsichtsratschef der Profi GmbH auch nach vier sieglosen Partien, die er nicht schönreden mag („grottenschlecht“). „Aber vielleicht braucht die Neuausrichtung noch etwas Zeit“, sagte Spahn. Auch die Zielsetzung, um die Meisterschaft mitzuspielen, mag er trotz nur zwei Pünktchen aus vier Spielen noch nicht korrigieren. „Aber wir brauchen jetzt einfach ein Erfolgserlebnis.“ Noch deutlicher wird Spahn in der Personalie Mehic. Der Sportdirektor, der bei Kickers-Fans wegen seiner Personalpolitik in die Kritik geraten ist, genießt das volle Vertrauen. „Sead macht mit den Mitteln, die wir haben, einen Riesenjob. Er hat nun mal nicht drei Millionen Euro in der Schatulle, um Spieler zu verpflichten“, meinte Spahn. 

Die Trainerentscheidung sei zudem von allen Verantwortlichen gemeinsam getragen worden. „Sollte es irgendwann also nicht mehr der richtige Weg sein, dann muss auch ich mich in Frage stellen“, sagte Spahn. Steuernagel versucht derweil, die Unruhe an sich abprallen zu lassen. „Wir müssen akribisch weiterarbeiten, es bringt nichts, in Panik oder Aktionismus zu verfallen“, sagte er. „Im Training ziehen die Spieler super mit. Wir haben aber ein Problem, es auf dem Platz umzusetzen.“ Vor allem die deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte in Ulm bestärkt ihn aber. „Da haben wir endlich mal so gespielt, wie ich es erwarte“, sagte der Trainer. 

Der OFC-Coach hatte nach der enttäuschenden ersten Halbzeit und einem 0:2-Rückstand den als zweite Spitze deplatzierten Dren Hodja sowie den schwachen Sechser Serkan Göcer vom Feld genommen und Maik Vetter sowie Debütant Jake Hirst gebracht, später auch noch Luka Garic für Francesco Lovric. Der 18-jährige Garic brachte mit guter Zweikampfführung und gescheiten Pässen viel Struktur in die Partie. Fortan war endlich mehr Zug nach vorne drin. „Zum Fußball gehört auch Laufbereitschaft“, sagte Steuernagel vielsagend und spricht auch deshalb von einer aufschlussreichen zweiten Hälfte. „Leider haben wir uns nicht mehr belohnt mit dem Ausgleich“, sagte er.

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