Lade Inhalte...

Kickers Offenbach - FSV Frankfurt Rendezvous mit der Vergangenheit

Die Ankunft von Trainer Oliver Reck bei Kickers Offenbach war für Alexander Conrad das Ende als Co - nun kommt er als Chefcoach des FSV Frankfurt zum Derby.

Oliver Reck
Spielte in der B-Jugend beim FSV: OFC-Trainer Oliver Reck. Foto: Imago

Vergangene Woche sind beim FSV Frankfurt die Fäuste geflogen. Und das war genauso gewollt. Am Mittwochvormittag hat Trainer Alexander Conrad seine Spieler mit ins Boxcamp Offenbach genommen, wo die Fußballer unter professioneller Anleitung Sandsäcke malträtierten. „Wir hatten eine lange Woche, da müssen wir auch mal ein paar Sachen fernab des Fußballs machen“, erklärt Conrad, der es als Hobbyboxer selbst einst zum Hessenmeister im Halbmittelgewicht brachte und auch heute noch alle ein bis zwei Wochen die Handschuhe schnürt, um sich fit zu halten. Das Training im Ring sei auch für einen Kicker hilfreich, glaubt Conrad: „Für die Beinarbeit und den Oberkörper kann man da was mitnehmen.“

Am heutigen Montag reisen die Bornheimer erneut auf die südliche Seite des Mains, den zweiten Betriebsausflug nach Offenbach innerhalb einer Woche werden die Schwarz-Blauen aber deutlich ernster nehmen als die lockere Boxstunde: Am Bieberer Berg laden die Offenbacher Kickers zum Hessenderby unter Flutlicht, das Spiel wird live auf Sport1 übertragen (18.15 Uhr).

FSV gegen OFC, diese Paarung hat es in einem Punktspiel zuletzt im Februar 1999 in der seinerzeit noch drittklassigen Regionalliga Süd gegeben, damals siegten die Offenbacher mit 2:1.
Auch im September 2017 sind die Kickers der klare Favorit, spielen nach abgewendeter Insolvenz wieder um den Aufstieg in die Dritte Liga mit, während der finanziell schwer angekratzte FSV alles daran setzt, nicht noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. Heimstark sind die Rot-Weißen sowieso, holten in dieser Saison vor eigenem Publikum bislang die volle Punkteausbeute. „Offenbach ist zu Hause eine Macht“, sagt Conrad. „Wir müssen mutig sein, wenn wir da was mitnehmen wollen.“

Für den 50-Jährigen bedeutet das Derby auch ein Wiedersehen mit vielen ehemaligen Weggefährten. Von 2013 bis 2016 war er als Co-Trainer bei den Kickers tätig, zu vielen Spielern hat er bis heute einen guten Draht, auch mit Torwarttrainer René Keffel tauscht er sich regelmäßig aus. OFC-Verteidiger Stefano Maier nennt Conrad einen „Freund, mit dem man sich oft austauscht“. In Offenbach, blickt der Coach zurück, habe er „grundsätzlich eine schöne Zeit“ gehabt. Allerdings mit unschönem Ende. Als Oliver Reck im Januar 2016 das Traineramt von Rico Schmitt übernahm, brachte er mit Joti Stamatopoulos seinen eigenen Assistenten mit, nach einem halben Jahr hatte er keine Verwendung mehr für Conrad.

Also saß der das letzte Jahr seines bis Juni 2017 datierten Vertrags ab, wurde weiter bezahlt, durfte aber nicht weiterarbeiten. „Ich mache niemandem Riesenvorwürfe“, sagt Conrad, „das liegt jetzt hinter mir.“ Angesprochen auf die Arbeit von Kollege Reck wird er jedoch schmallippig: „Ich habe da keinen Einblick.“ Auch Reck bleibt vage, als er nach Conrads Tätigkeit im Frankfurter Osten gefragt wird. Dazu könne er nichts sagen, winkt der 52-Jährige schnell ab: „Ich bin zu weit weg.“

Für Reck ist das Derby ebenfalls ein Rendezvous mit der eigenen Vergangenheit. Anfang der Achtzigerjahre lief der damalige Torwart-Teenager zwei Jahre für die B-Jugend des FSV auf, für den späteren Nationalspieler war es die erste Station nach zehn Jahren bei seinem Heimatklub, der Sportgemeinschaft Harheim. „Eine wichtige Erfahrung“, sei das gewesen, sagt Reck, und „eine sehr angenehme Zeit“.

Sein früherer Arbeitgeber sei nun „in der Liga angekommen“, stellt Reck fest. Trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen erwartet er einen Gegner, „der gewinnen will“. Denn, und das gilt für den OFC wie für den FSV: „Derbyspiele muss man gewinnen.“ Und wenn es hilft, steigt man zur Vorbereitung eben in den Boxring.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum