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Hessen Dreieich - Kickers Tennislehrer als Hauptdarsteller

Kickers-Stürmer Jake Hirst entscheidet Offenbacher Kreisduell bei Hessen Dreieich.

SC Hessen Dreieich - Kickers Offenbach, Fussball, RL
Drittes Tor in seinem dritten Regionalliga-Einsatz: Jake Hirst (rechts) erzielte das 1:0 für den OFC. Foto: Hans-Uwe Kellner (pressehaus)

Es war eine kurze und schöne Heimfahrt für die 2000 Offenbacher am Samstag. Die Kickers-Anhänger freuten sich über den erwarteten Dreier in Dreieich, über den ersten Saisonsieg ohne Gegentor und über den dritten Teil des Fußballmärchens „von ganz unten nach oben.“
Hauptdarsteller dabei war ein 22-jähriger englischer Tennislehrer, der noch vor vier Monaten hobbymäßig in der Kreisoberliga gekickt hat, der sich dann auf die Sommersaison in der Tennis-Hessenliga beim TC Steinbach vorbereitete, plötzlich Fußballprofi wurde und nach drei Toren in drei Regionalliga-Spielen neuer Publikumsliebling bei den Offenbacher Kickers ist. Jake Hirst heißt der junge Mann, der am Samstag die inoffizielle Offenbacher Kreismeisterschaft zwischen dem SC Hessen Dreieich und den Kickers für die Gäste entschieden hat - mit einem herrlichen Tor in der 62. Minute. 

Mit einem kurzen Sprint hatte er sich von Ljubisa Gavric abgesetzt, Körper zwischen Ball und Gegenspieler gebracht und einen knallharten Schuss über den Kopf des Dreieicher Torwarts Pierre Kleinheider abgesetzt – Siegtor für die Kickers. Ausgerechnet der Neue aus der achten Liga machte den Unterschied aus. „Die Jungs haben es mir mit der Vorarbeit einfach gemacht“, sagte Hirst, „ich musste nur loslaufen und schießen.“ OFC-Trainer Daniel Steuernagel fand dennoch lobende Worte für seinen Torjäger: „Super. Gut. Exzellent.“ Eine knappe, aber treffende Beschreibung. Hirst ist es in kurzer Zeit gelungen, den Sprung von Kreisoberliga in die Viertklassigkeit zu meistern. „Das ist schon was anderes. Man hat viel weniger Zeit und Raum. Und mein Körper muss sich noch etwas an die Belastungen gewöhnen, aber es wird von Woche zu Woche besser“, sagte der Neu-Profi.

„In den entscheidenden Situationen waren die Kickers einfach abgezockter als wir“, sagte SC-Trainer Rudi Bommer. Die Dreieicher hatten mit läuferischem Aufwand dem Favoriten kaum Lücken gelassen und dem OFC keine Gelegenheit für das gegen Hoffenheim so effiziente Umschaltspiel gegeben. Doch in den zwei, drei entscheidenden Situationen in Defensive und Offensive agierten der Aufsteiger noch auf Hessenliganiveau. Das reicht eben nicht.
Gavric ließ sich erst beim Gegentor düpieren und hatte dann noch Pech, als er in der 85. Minute seinen Kopfball freistehend knapp neben das Offenbacher Tor platzierte. Und als Loris Weiss nach einem der wenigen Fehler der Offenbacher Defensivabteilung plötzlich allein auf das OFC-Tor zulief, trat er beim Schuss mehr in den Boden als gegen den Ball, Chance vertan (68.). Trainer Bommer, weiß, dass es ohne weitere Verstärkungen kaum für ein weiteres Jahr Regionalliga reichen wird. 

Zu oft schon war der Tabellenletzte nahe dran an einem Unentschieden oder Sieg, musste dann aber durch individuelle Fehler die Punkte abgeben. Deshalb wird es in den nächsten Tagen noch zwei, vielleicht auch drei Neuzugänge geben. Die Dreieicher Gegner haben sich darauf eingestellt, sie müssen nicht exzellent Fußball spielen. Sie können die Schwachstellen gezielt anspielen, irgendwann werden sich Fehler einschleichen. 

„Es war kein gutes Fußballspiel“, sagte Kickers-Trainer Steuernagel, der dennoch hochzufrieden war. Schließlich habe seine Mannschaft den Mindestanspruch, die drei Punkte mitzunehmen, erfüllt. Allerdings mit großen Mühen. Denn gegen biedere Dreieicher brachte selbst die 1:0-Führung nach einer Stunde keine Sicherheit ins Kickers-Spiel. Aus der 5:2-Gala gegen Hoffenheim konnten die Kickers wenig bis gar nichts nach Dreieich importieren. Lediglich die abwehrende Abteilung – allen voran Kapitän Benjamin Kirchhoff – und Jake Hirst waren besser als die Aufsteiger. Der zweite Sieg nacheinander lässt die Offenbacher weiter von einer erfolgreichen Aufholjagd träumen. Dafür darf man sich aber keine Nachlässigkeit wie in den letzten 30 Minuten leisten. Da hatte Steuernagel mit seinen Einwechslungen System und Statik so verschoben, dass plötzlich wieder Unordnung wie zu Saisonbeginn herrschte. Dank der Dreieicher Harmlosigkeit reichte es zum Sieg.

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