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DFB-Pokal Greuther Fürth OFC Offenbach schafft Sensation gegen Fürth

Jubel auf dem Bieberer Berg: Die Kickers untermauern ihren Ruf als Pokalschreck und werfen wie schon vor vier Jahren Erstligist Greuther Fürth aus dem Wettbewerb.

18.08.2012 22:30
Sebastian Rieth
Jubel nach dem Pokal-Sieg gegen Fürth. Foto: dpa

Jubel auf dem Bieberer Berg: Die Kickers untermauern ihren Ruf als Pokalschreck und werfen wie schon vor vier Jahren Erstligist Greuther Fürth aus dem Wettbewerb.

Einer wirkte im kollektiven Jubelrausch wie ein Fremdkörper. Inmitten der hüpfenden und johlenden Spieler der Offenbacher Kickers, die sich nach einem atemberaubenden Abend von einem begeisterten Publikum noch so richtig abfeiern ließen, die sich in den Armen lagen, die tanzten und sangen, stapfte Mike Büskens. Der Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth suchte nach freien Händen, um seine aufrichtigen Glückwünsche loszuwerden, und wirkte in diesem ausgelassenen Pulk, der ihm kaum Beachtung schenkte, wie ein Geisterfahrer auf der Autobahn. Dabei war der als Spieler mit zwei Pokalsiegen und einem Triumph im Uefa-Cup dekorierte Erfolgscoach gerade deswegen noch einmal von einem Fernsehinterview zurück auf den Rasen geeilt.

Büskens grämte sich, aber er haderte nicht. Er wusste ganz genau, dass dieses Ausscheiden in der ersten Runde des DFB-Pokals, diese 0:2-Niederlage des Bundesliga-Aufsteigers beim Tabellenvorletzten der Dritten Liga zwar überraschend, vielleicht sogar ein wenig sensationell, aber keineswegs unverdient gewesen ist. Manchmal, sollte Büskens später sagen, bekäme man im Leben eben mal ordentlich eine aufs Fressbrett.

Van Lents Matchplan zündet

Während der Trainer des Zweitliga-Meisters ratlos konstatieren musste, gegen den Underdog zu keiner Zeit ein Mittel gefunden zu haben, während er appellierte, die Pleite zwar ernst zu nehmen, aber nicht in kollektives Jammern zu verfallen, hatte sein Pendant gut lachen. Arie van Lent stand da, im gleißenden Licht der Scheinwerfer, der Schweiß tropfte ihm aus allen Poren, sein Shirt war durchgeweicht, und sogar die rote Serviette, mit der er sich immer wieder abtupfte, hatte ihren Dienst längst verrichtet. Es war ein anstrengender Abend für den Kickers-Trainer. „Aber er hat mir gutgetan“, gab der 41-Jährige zu. Nach dem vermaledeiten Drittligastart mit vier Pleiten zum Auftakt war auch van Lent in die Kritik geraten. Doch die Mannschaft riss dank feiner personeller Umstellungen und neuem Selbstvertrauen das Ruder mit einem 3:1-Sieg in Aachen pünktlich vor ihrem Pokal-Coup rum. Ein Erfolg, den sich der Coach getrost zu einem erheblichen Teil ans eigene Revers heften kann. Gegen den Bundesligisten zündete van Lents Matchplan von Beginn an.

Im Mittelfeld hatte er eine Fünferkette aufgestellt, in der sich Nicolas Feldhahn wie ein Quarterback zurückfallen ließ und die Angriffe der Fürther fast kniend im Stile eines Volleyballers erwartete, und in der Thomas Rathgeber als gelernter Angreifer immer wieder zum Forechecking heraus spritzte. „Ich weiß, dass er ein bisschen ein fauler Stürmer ist“, erzählte van Lent. Deswegen müsse er ihn mit der Zurückversetzung eben zum Laufen zwingen. Rathgeber gefällt’s: „Es hat Spaß gemacht, weil ich noch mehr ins Spiel eingebunden bin.“

Ohne Zweifel spulten die Kickers ihr taktisches Konzept über 90 Minuten perfekt ab, sie ließen bis auf zwei Versuche von Sercan Sararer (3./21.) kaum etwas zu und hatten ihrerseits in der Schlussphase gleich mehrfach durch Lars Bender (82.) oder André Hahn (84.) die Entscheidung auf dem Fuß. Zu einer Pokal-Überraschung gehört aber auch immer ein bisschen Glück. Glück, dass Schiedsrichter Christian Dingert nach einem Handspiel von Bernd Nehrig auf Elfmeter entschied, obwohl der Fürther Abwehrspieler den Ball in der Mauer unfreiwillig an den Ellenbogen geschossen bekommen hatte. Und Glück, dass die Fürther eine Woche vor dem Bundesliga-Start nicht aus ihrem Testspiel-Modus fanden. „Viele haben gedacht, dass es locker wird und alles so weitergeht, wie in der vergangenen Saison“, bemängelte Gerald Asamoah. „Aber das war nicht so. Die Kickers haben uns vorgemacht, wie man um jeden Zentimeter kämpft.“

Belohnt wurde der Einsatz der Gastgeber in der 28. Minute, als Rathgeber eben jene falsche Elfmeterentscheidung zur Führung nutzte. Unter der Woche hatte er noch fleißig Strafstöße geübt. Es war wohl eine leise Vorahnung. Nach dem Treffer hatte Fürth nicht den Hauch einer Chance. Im Gegenteil. Die einst so frech auftretenden Franken wurden nicht nur entzaubert – wie durch den erst 19-jährigen Linksverteidiger Daniel Dziwniel, der die ausgebufften Profis allesamt abkochte –, sie verloren auch die Nerven. Edgar Prib leistete sich zwei taktische Fouls binnen sechs Minuten und flog ebenso vom Feld, wie drei Minuten vor dem Ende der frisch eingewechselte Abdul Rahman Baba. Er wurde vom am Boden liegenden Hahn am Fuß festgehalten und trat in Richtung dessen Kopfes. Baba traf zwar nicht, Rot gab es trotzdem, und fortan glaubte keiner im Stadion, dass der Favorit noch einmal zurückkommen könnte – auch nicht die Kickers. Sie demütigten ihren Gegner.

OFC-Spieler reden wieder

Torhüter Robert Wulnikowski fing einen völlig harmlosen Angriffsversuch der Fürther gar mit der Brust ab und leitete umgehend einen Konter ein, den Bender in der Nachspielzeit zum 2:0 vollendete. „Ein wahnsinniges Gefühl“, beschrieb der Torschütze. „Jeder wollte, jeder hat gekämpft. Wenn uns das jetzt keinen Auftrieb gibt, dann weiß ich auch nicht mehr.“

In Offenbach hat sich einiges verändert. Die Spieler reden wieder mit der Presse, 250.000 Euro fließen durch das Erreichen der zweiten Pokalrunde in die klammen Kassen und so langsam baut sich jene Begeisterung auf, die die Verantwortlichen vor dem Saisonstart verzweifelt durch Worte hatten herbeireden wollen. „So sollte es eigentlich immer sein“, sagte van Lent. Nur auf das Schweißbad würde er in Zukunft gerne verzichten.

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