Lade Inhalte...

Daniel Steuernagel „Eigentlich wollte ich Jurist werden“

OFC-Trainer Daniel Steuernagel über Pulsuhren und Laktatwerte, den Umgang mit Druck und seine Zeit als Grundschullehrer.

Daniel Steuernagel
Tritt in Offenbach seine erste Stelle als Vollzeittrainer an: Daniel Steuernagel. Foto: Hübner

Herr Steuernagel, wie gut können Sie sich an den Morgen des 24. April erinnern?
Der 24. April... Welcher Tag war das noch gleich?

Der Morgen, nachdem durchgesickert war, dass Sie als Favorit auf den Trainerjob beim OFC gelten. 
Oh ja, da kann ich mich noch sehr gut dran erinnern. Am Vortag war ich ein bisschen kränklich, bin schon um 21 Uhr ins Bett und habe mein Handy ausgemacht. Am nächsten Morgen habe ich es wieder angeschaltet und auf eine Holzablage gelegt. Irgendwann meinte meine Frau, ob mein Handy kaputt sei. Das Ding hat gar nicht mehr aufgehört zu vibrieren, am Ende hatte ich 50 Nachrichten. Ich war schon überrascht, denn ich hatte vorher keine Gespräche mit den Kickers-Verantwortlichen geführt.

Sportdirektor Sead Mehic kennen Sie seit fünf Jahren. Spricht man da nicht auch mal über den OFC?
Nein, gar nicht. Wir haben uns schon immer gegenseitig geschätzt, öfter mal telefoniert oder er hat mir Spielbeobachtungskarten für Offenbach besorgt. Aber wir haben nie darüber geredet, dass ich hier Trainer werden könnte. 

Zwei Tage nach dem letzten Saisonspiel haben Sie tatsächlich hier die Arbeit aufgenommen und dann sogar noch eine Woche trainieren lassen. 
Mir war wichtig, dass wir uns mal gegenseitig beschnuppern konnten. Dass wir als Trainerteam die Jungs kennenlernen, und auch, dass die Jungs wissen, was sie erwartet, wenn wir ins Training einsteigen. Dass sie wissen: Beim Trainingsauftakt (17. Juni, Anm.d.Red.) steht da kein Wildfremder. 

Was für einen Trainer können die Spieler erwarten?
Ich bin nicht unberechenbar. Ich erwarte viel von den Spielern, aber sie wissen, was ich verlange: Wie ich über Training denke, was ich von den einzelnen Positionen fordere, wie wir als Mannschaft auftreten wollen. Wenn mir was nicht passt, sage ich das direkt. Das erwarte ich auch von den Spielern.

Einen zweitägigen Laktattest haben sie auch schon durchgeführt. Damit macht man sich als neuer Trainer gleich mal so richtig unbeliebt, oder?
Man muss es immer erklären. Wenn man das nicht tut, kann es natürlich in den falschen Hals kommen. Durch die Werte wissen die Spieler jetzt schon, woran sie in den kommenden Wochen arbeiten müssen. Wir haben auch Pulsuhren für alle bestellt. Die Jungs absolvieren ihre Übungen, stellen diese in eine App ein und wir Trainer können die Werte dadurch einsehen. Je besser sie jetzt an ihrer Athletik arbeiten, desto mehr können wir in der Vorbereitung mit dem Ball machen. Die Waldläufe nehmen wir damit quasi vorweg.

Können sich Ihre Spieler drauf einstellen, dass sie in Zukunft mehr machen müssen?
Auf jeden Fall wissen sie jetzt, dass ich großen Wert auf Athletik lege. Wir wollen mit Tempo und Emotion spielen. Da gehört eine gewisse Fitness dazu. Und dann müssen eben auch die Umfänge entsprechend größer sein. 

Sie haben einen eher unüblichen Werdegang hinter sich: vom Grundschul- zum Fußballlehrer. Das müssen Sie uns mal erklären.
Eigentlich wollte ich sogar Jurist werden. Ich habe aber gemerkt, dass das nichts für mich ist, weil ich dann zu oft das Fußballtraining verpasst hätte. Ich habe damals mit 18 Jahren beim FSV Steinbach gespielt und dort eine Jugendmannschaft trainiert. Beim Zivildienst hat es mich dann in einen Kindergarten verschlagen. Beides hat mir so gut gefallen, dass ich Grundschullehramt studiert habe. Trotzdem habe ich nebenbei immer trainiert, habe mich von ganz unten hoch gearbeitet. Jetzt bin ich nur noch Trainer und freue ich mich darauf, unter professionellen Bedingungen zu arbeiten. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen