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Videobeweis in Mainz Ein Anruf von Bibiana Steinhaus

Der Videobeweis in Mainz war regeltechnisch nicht zu beanstanden. Freiburgs Christian Streich konsterniert: „Lasse jetzt die Dinge einfach über mich und die Mannschaft ergehen“.

Bundesliga - 1.FSV Mainz 05 v SC Freiburg
Zurück aufs Spielfeld: Schiedsrichter Guido Winkmann bittet zum Strafstoß. Foto: Kai Pfaffenbach (rtr)

Es gibt ja nicht so viele Fußballspiele, die sich zumindest in einzelnen Szenen ins Gedächtnis einprägen. Am Montagabend in Mainz war das anders. Da hatte nicht nur Sandro Schwarz, der Trainer des Siegers, ein „legendäres Spiel, das in die Geschichte eingeht“, erlebt. Was ganz sicher nicht am Spielniveau lag, sondern an den beispiellos kuriosen Begleitumständen. Am Ende gewann Mainz 05 auch deshalb 2:0 (1:0) gegen den SC Freiburg, weil der Schiedsrichter Guido Winkmann während der Halbzeitpause nach Hinweis der Video-Assistentin Bibiana Steinhaus einen Strafstoß gab.

Was Laien als Schurkenstück interpretiert haben mögen und in den sozialen Netzwerken für die bei solchen Anlässen schon gewohnte emotionale Dichte sorgte, war regeltechnisch nicht zu beanstanden. So steht es jedenfalls in den Bestimmungen des Weltverbandes Fifa zum Video Assistant Refereee (VAR). Denn solange der Schiedsrichter sich noch auf dem Feld befindet, nachdem er zur Pause oder zur Beendigung eines Spiels gepfiffen hat, darf er mit dem Videohelfer – oder in diesem seltenen Fall dessen weiblichen Pendant – im Kölner Studio noch korrespondieren und auf dessen Hinweis eine sich unmittelbar vor dem Abpfiff zutragende Spielszene überprüfen und neubewerten. 

Bibiana Steinhaus hatte dem Kollegen Winkmann nach dessen Halbzeitpfiff über das Headset bedeutet, dass in der letzten Szene vor dem Pfiff ihrer Wahrnehmung zufolge nach einer Hereingabe des Mainzers Daniel Brosinski der Ball durch den Freiburger Marc-Oliver Kempf regelwidrig mit der Hand gespielt sei. Derweil hatten sich die Freiburger Spieler – im Gegensatz zu den ein wenig trödelnden Mainzer Profis – aber bereits nahezu allesamt schon in den Kabinentrakt begeben, auch viele Zuschauer waren bereits nicht mehr auf ihren Plätzen. Es schien ja längst 15 Minuten Pause zu sein.

Doch dann bedeutete Winkmann den Gästen, sie mögen bitte zurück auf den Platz kommen, derweil er sich die Szene auf der anderen Seite in der Review-Area noch einmal anschaute. Mit dem Ergebnis, dass auch er Kempfs Handspiel für ahndungswürdig hielt und entsprechend auf Strafstoß für Mainz 05 entschied. Eine nachvollziehbare Entscheidung, Kempf hatte den linken Arm weit von sich gestreckt, der Ball war aus rund zehn Metern Distanz angeflogen gekommen und wurde von Kempfs Unterarm sichtlich abgelenkt. Winkmann und seinen Assistenten war das in Echtzeit betrüblicherweise entgangen. Winkmann betonte später, der Elfmeter wäre regelkonform gewesen. „Das Spiel war nur unterbrochen“, sagte Winkmann. „Ich habe dann die Anweisung gegeben, dass es weitergeht mit Strafstoß. Der ist dann ausgeführt worden.“

Erst sieben Minuten nach dem Pausenpfiff konnte Pablo de Blasis dann zum Elfmeter antreten. Weiteres Kuriosum: Winkmann bedeute dem Schützen und allen anderen Spielern, dass es keine Spielfortsetzung gebe, wenn der Schuss vom Torwart abgewehrt würde oder vom Gebälk zurück ins Spielfeld springe. Denn es war ja die letzte Aktion vor der längst eingeläuteten Halbzeit. Auch hier war rein regeltechnisch nichts zu beanstanden. Es war nur verdammt kurios.

Dass die Freiburger die Gesamtentwicklung ihres Rückstandes insgesamt aber als auch psychologisch besonders unglücklich interpretierten, konnte hinterher jeder nachvollziehen. Der Mainzer Torwart René Adler zum Beispiel, der sagte: „Da fühlst du als Sportsmann mit dem Gegner mit. Aber den Video-Schiri gibt´s nun mal.“ Als „wahnsinnig bitter für den Kopf“ empfand der Freiburger Julian Schuster den Entscheid, redete aber auch nicht großartig drum herum: „Bitter, dass es so weit gekommen ist, aber wir müssen dafür sorgen, dass solche Situationen gar nicht erst entstehen.“ Ein guter Ansatz. Denn mit ihrem ultra-defensiven, rein auf Zerstörung angelegten Spiel trugen die Freiburger erhebliche Mitverantwortung dafür, dass sich Strafraumszenen derlei Art nicht ausschließen. Wiewohl den Mainzern bis dahin nicht viel eingefallen war gegen die Breisgauer Wand, die sie später nach einem schweren Fehler von Torwart Alexander Schwolow noch einmal durchdrangen. Wieder traf die gefeierte Kampfsau de Blasis.

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