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Trainingsauftakt Winter ohne Märchen

Mainz 05 hat es nicht unbedingt nötig, einkaufen zu gehen – die Erfahrungen sind ohnehin nicht gut.

Giulio Donati
Durfte erst 31 Minuten in dieser Saison mitmischen, dann immerhin akrobatisch: Giulio Donati. Foto: imago

Der Druck auf dem Kessel ist angesichts eines recht stabilen Mittelfeldplatzes in der Fußball-Bundesliga gering. Mainz 05 dürfte deshalb einen vergleichsweise geruhsamen Winter erleben und das bis 31. Januar geöffnete Transferfenster nur einen Spalt offenlassen. Und zwar eher für Abgänge als für Neuverpflichtungen. Am gestrigen Donnerstag kehrten die Nullfünfer zurück auf den Trainingsplatz am heimischen Bruchwegstadion, vom 6. bis 13. Januar werden sie im spanischen Estepona ein Trainingslager beziehen. 

Rouven Schröder beobachtet den Markt entspannt. Der Mainzer Sportchef sagt, er definiere seine Aufgabe „auch stark durch Abgänge“, hat aber gleichzeitig die Botschaft ausgesendet, dass dies keineswegs für den wertvollsten Mann im Kader, den Franzosen Jean-Philippe Gbamin, gelte: „Es kann gerne ein Angebot für ihn kommen, es wird von uns definitiv nicht angenommen.“ 

Schröders Zurückhaltung mit Blick auf potenzielle Verstärkungen erklärt sich nicht nur durch die angenehme Tabellensituation ohne konkrete Abstiegsangst, sondern auch aus den durchwachsenen Erfahrungen der vergangenen Jahre unter seiner Verantwortung und der von Vorgänger Christian Heidel. Hier im Überblick: 

31. Januar 2016: Mainz 05 stellt Emil Berggreen als Last-Minute-Transfer vor. Der dänische Stürmer kommt mit Kniebeschwerden vom Zweitligisten Eintracht Braunschweig und kostet 2,5 Millionen Euro. 

Das Problem: Die Kniebeschwerden münden in zwei Operationen und ständigen Muskelbeschwerden. Berggreen kann sein zweifellos vorhandenes Talent deshalb nur viel zu schwach dosiert präsentieren. Schröder würde dem 25-Jährigen keine Wackersteine in den Weg legen, sollte dieser nun einen neuen Verein finden.

25. Januar 2016: Um die Defensive und Widerstandsfähigkeit zu stabilisieren, erwerben die Nullfünfer Giulio Donati kostengünstig von Bayer Leverkusen.

Das Problem: Der italienische Rechtsverteidiger steht zweieinhalb Jahre seinen Mann, ehe der 28-Jährige in dieser Saison aufs Abstellgleis gerät. Mainz möchte ihn loswerden, auch er will nur noch weg. Aber es findet sich niemand, der den hochmotivierten, aber mitunter auch wutschnaubend zu Übersprunghandlungen neigenden Donati haben will. 

29. Januar 2017: Bojan Krkic kommt als Leihspieler von Stoke City. 

Das Problem: Der einst als größtes Talent seit Lionel Messi zu früh zu hochgejubelte und recht fürstlich entlohnte spanische Mittelfeldspieler ist ein Ballbesitzfußballer. Trainer Martin Schmidt lehrt jedoch das Gegenteil: überfallartigen Umschaltfußball. Krkic wird nicht wirklich glücklich in Mainz, nach vier Monaten ist der scheue 28-Jährige wieder weg.

1. Januar 2018: Anthony Ujah wird für 3,8 Millionen Euro vom FC Liaoning aus China verpflichtet. Der Nigerianer, unter dem gestrengen Thomas Tuchel in Mainz schon mal gescheitert, soll mit seinen Toren den Klassenerhalt absichern. 

Das Problem: Ujah hat in China die Form und Fitness verloren, die ihn zuvor beim 1. FC Köln zu einem gefürchteten Torjäger gepusht hatte. Der 28-Jährige kommt bis heute über eine Jokerrolle bei den Nullfünfern nicht hinaus.

5. Januar 2018: Nigel de Jong kann ohne Transfergebühr von Galatasaray Istanbul abgelöst werden, um das Mainzer Mittelfeld zu stabilisieren. 

Das Problem: Der 34-Jährige erweist sich als ausgesprochen guter Typ in der Kabine, kann seine Tempodefizite im Wettkampf jedoch nicht kaschieren. Wie im Jahr zuvor Bojan Krkic bleibt auch de Jong nur vier Monate. 

Auch beim Dänen Niki Zimling (Januar 2013) und dem Südkoreaner Ja-Cheol Koo (Januar 2014) stehen Aufwand und Ertrag nicht in dem von Mainz 05 erhofften Verhältnis. So bleibt der letzte echte Königs-Wintertransfer der Rheinhessen Angreifer Mohamed Zidan aus dem Januar 2012, der mit seinen Toren wesentlich zum Klassenerhalt beitrug, dann aber nach Differenzen um einen neuen Vertrag schnell wieder weg war.

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