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Niederlage gegen SGE Botschaft bei Mainz 05 nicht angekommen

Ein karges Mainzer Motivationsposter verfehlt seine Wirkung gegen Eintracht Frankfurt komplett. Das wirft die Frage auf, wie fest Trainer Sandro Schwarz noch im Sattel sitzt.

Muto und Hradecky
Muto gegen Hradecky. Foto: afp

Vor dem fälligen Bundesliga-Pflichtspiel bei Eintracht Frankfurt hing in der Umkleidekabine des FSV Mainz 05 ein großes Plakat. Es war im oberen Bereich dreifarbig beschrieben. „Wir (in grün) spielen für (in rot) Leistung u. Erfolg (wieder in grün)! (das Ausrufezeichen in rot). Darunter, in fast doppelt so großen blauen Lettern: „3 Pkt.“ 

Die karge, gleichwohl offenbar als Motivationshilfe gedachte Botschaft hielt dann allerdings nur sechs Minuten. Dann ließen die Mainzer Profis recht unmotiviert ausgerechnet jenen Frankfurter einsam im Strafraum herumstehen, dem sie eigentlich eine besonderen Bewachung hatten angedeihen lassen wollen: Kevin-Prince Boateng. Weil der junge Mainzer Torwart Florian Müller bei dessen haltbaren Schuss patzte, war der klebrige Brei schon früh gegessen für die Rheinhessen. 

Die präsentierten sich nämlich in der Folge von erschreckender Wehrhaftigkeit. Die Partie mutete an, als stürzten sich gefräßige Frankfurter Raubkatzen mit unstillbarem Hunger auf brave Mainzer Schmusekätzchen. Es war aus Sicht der Gästefans ein ebensolcher Jammer wie neulich beim 0:3 im Pokal in Frankfurt. Ergo drehten das Häuflein, das den traurigen Karnevalsverein mit nach Frankfurt begleitet hatte, den Spielern nach Schlusspfiff kollektiv den Rücken zu. Als der Großteil des zerfaserten Teams dann bereits den Rückzug antreten wollte, forderten Abwehrmann Leon Balogun und Mittelfeldspieler Danny Latza die Ihren auf, ausnahmsweise einmal mutig zu sein, über die Werbebanden zu klettern und sich an den Zaun ins unmittelbare Gespräch mit den Fans zu begeben. 

Die anwesenden Mainzer Spieler – bis auf ihren zuvor Besten, den Schweden Robin Quaison, sowie die Franzosen Abdou Diallo und Jean-Philippe Gbamin – gingen dann mit nach vorn in den verbalen Infight mit den Fans. Und siehe da: Die eigenen Anhänger drehten sich um, und es wurde geredet, „manche haben uns sogar Mut zugesprochen“, berichtete Latza hochachtungsvoll. Es wurde natürlich auch geschimpft und es gab ein paar Beleidigungen. „Da muss man durch“, sagte Kapitän Daniel Brosinski später, „die Fans haben uns völlig zurecht den Rücken zugedreht – und dann ging der Verteidiger mit sich und den Seinen knüppelhart ins Gericht. Zum Beispiel: „Wenn du solche Fehler wie wir in der vierten Liga machst, wirst du auch bestraft.“ Oder: „Wir sind wie im Pokal in unsere Einzelteile zusammengefallen. Das ist enttäuschend.“ 

Für einige seiner Mitspieler stellte Brosinski dann noch öffentlich die Mentalitätsfrage. Er nannte zwar keine Namen, aber die Art und Weise, wie sich zuvor allen voran der verhinderte Spielmacher Alexandru Maxim und der sonderbarerweise regelmäßig mit neuen Einsatzchancen versorgte Karim Onisiwo präsentiert hatten, ließ nicht viele Interpretationen zu, wer gemeint sein könnte. So viel stand am Samstagabend jedenfalls fest: Das Motivationsplakat hatte seine Wirkung eklatant verfehlt. Statt drei Punkten hatte es wieder drei Gegentore gegeben, allesamt schon vor der Pause nach jeweils hanebüchenen Abwehrschnitzern, und bei ehrlicher Betrachtung hätte es nach dem Wechsel noch drei weitere Gegentreffer mehr geben können.

Eintracht Frankfurt milde gestimmt

Die Eintracht übte sich in mehreren Akten der Mildtätigkeit und beließ es beim 3:0 gegen einen Gegner, der sich keine einzige klare Chance herausspielte und dessen Vorstellung mittleres Zweitliganiveau keinesfalls übertraf. Eine Analyse, die nicht nur für die Partie in Frankfurt galt, sondern vor zwei Wochen in Hamburg nur durch eine überragende Torwartleistung von Debütant Müller übertüncht wurde. 

Natürlich landet man in einer solchen prekären Situation, die durch die Niederlagen von Hamburg und Wolfsburg zwar an Dramatik verlor, auch beim Trainer. Sportchef Rouven Schröder ließ keine Zweifel daran, dass er weiter treu an der Seite von Sandro Schwarz steht; Schwarz selbst, wiewohl nachvollziehbar sichtlich angeschlagen, teilte mit, er spüre weiter Vertrauen, sowohl vom Verein als auch von der Mannschaft. Aber es ist auch kein Geheimnis, das im neuen Mainzer Aufsichtsrat nicht nur dicke Freunde von Schröder und Schwarz sitzen. Ganz im Gegenteil. 

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