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Mainz - Stuttgart Mainz holt sich den Dreier

Anthony Ujah nutzt einen Fehler von Badstuber aus: Mainz gewinnt gegen die Schwaben mit 1:0.

Anthony Ujah  vom FSV Mainz 05
Anthony Ujah hat dem FSV Mainz 05 die ersten drei Punkte beschert. Foto: Thomas Frey (dpa)

Es hätte ein rundum gelungener Sonntag werden können für Mainz 05. Aber dann wurde um kurz vor halb sieben über den Livestream auf dem Handy des „FAZ“-Reporters die Auslosung der zweiten Runde im DFB-Pokal live in die kleine Presserunde mit Cheftrainer Sandro Schwarz übermittelt, tja, und dann war es am Ende nicht mehr ganz so schön. Ein Auswärtsspiel beim FC Augsburg hätten sich die Rheinhessen lieber erspart.

Finanziell und sportlich drohen Minimalerträge, derweil es zuvor im Auftaktspiel der neuen Bundesligasaison einen Maximalertrag gegeben hatte: der 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart als Belohnung für rechtschaffene Arbeit vor 28 700 Zuschauern. Nach dem missglückten Bundesligadebüt von Sandro Schwarz vor einem Jahr, als es nacheinander Niederlagen gegen die damaligen Aufsteiger Hannover und Stuttgart gegeben hatte, die den Verein die gesamte Spielzeit in latenter Abstiegsangst verbringen ließen, ist das ein Statement. Am Ende hatte die gierigere Mannschaft gewonnen, nicht die spielerisch reifere. 

Und am Ende war ein einziger individueller Fehler entscheidend. Holger Badstuber war deshalb später untröstlich. Der Ex-Nationalspieler hatte bis zur 76. Minute an der Seite des französischen Weltmeisters Benjamin Pavard als gewichtige Stütze der Stuttgarter Defensive gedient. Aber dann hatte sich Badstuber, der sich ständig ausufernd aufregt, wenn weiter vorne was nicht funktioniert, mal wieder mächtig geärgert. Diesmal über den divenhaften Mario Gomez, der eine insgesamt unterirdische Leistung zeigte und von Badstuber entsprechend gemaßregelt wurde. Keine halbe Minute später rauschte der Mainzer Robin Quaison einem Steilpass hinterher, Badstuber, noch nicht wieder ganz bei der Sache, drehte sich zur falschen Seite, verlor das Laufduell und fiel dabei zu allem Überfluss noch auf den Hosenboden. Quaison tat, was zu tun war, passte präzise auf den eingewechselten Anthony Ujah, der freistehend das Tor des Tages erzielen durfte.

VfB im Dösigkeitsmodus

Gleich nach dem Schlusspfiff des überzeugenden Schiedsrichters Daniel Siebert fiel Badstuber erst einmal in sich zusammen, dann rappelte er sich auf und marschierte schnurstracks in die Kabine. Den Wunsch des Sky-Reporters nach einem Interview beschied er abschlägig, später kritisierte er sich selbst: „Das muss man anders lösen.“

Aber letztlich war diese entscheidende Szene dann doch typisch: Die anfangs besseren Schwaben hatten irgendwann ihre Linie verloren und waren in einen Dösigkeitsmodus geraten, der ihnen, gepaart mit Badstubers Aussetzer, diese Niederlage bescherte.

Nach dem Pokalaus vor einer Woche in Rostock ist das nun ein denkbar misslungener Saisonanfang. Aber Trainer Tayfun Korkut und Sportchef Michael Reschke erweckten nicht den Eindruck, als ließen sie sich dadurch großartig aus der Bahn werfen. Der VfB dürfte sich schon bald wieder stabilisieren, dabei sollte aber auch Mittelstürmer Gomez zeitnah zu einer positiveren Körpersprache finden.

Sein Mainzer Gegenstück, der für acht Millionen Euro verpflichtete Jean-Philippe Mateta, hatte sich zwar mehr Mühe gegeben, war dabei aber ähnlich gut im Zaum gehalten worden. Folglich musste der 1,92-Meter-Mann nach einer knappen Stunde Ujah weichen, dem späteren Matchwinner.

Der Nigerianer war im Winter für fast vier Millionen Euro aus China an den Rhein gekommen und hatte eigentlich helfen sollen, den Klassenerhalt zu sichern. Bald stellte sich jedoch heraus, dass sein Fitnesszustand für Abstiegskampf nicht ausreichte. Ujah brauchte erst die Sommervorbereitung, um auf sein altes Wettkampfniveau aus Kölner und Bremer Zeiten zu gelangen. „Er ist jetzt auf einem ganz anderen Level als Winter“, weiß Trainer Schwarz, „er hat schon im Training die Bälle reingeschädelt, wie er wollte.“

Zufriedenstellend verliefen aus Mainzer Sicht die Debüts der Millionenmänner Aaron Martin, einem spanischen Linksverteidiger, und Moussa Niakhaté, einem französischen Innenverteidiger. Beide funktionierten weitgehend zuverlässig, wie auch der für den am Oberschenkel verletzten Jean-Philippe Gbamin schon vor der Pause eingewechselte Pierre Kunde aus Kamerun. Bis zum Transferschluss am 31. August sucht Sportvorstand Rouven Schröder nun vor allem noch einen schnellen Außenspieler. Er kann diese Suche jetzt etwas entspannter und mit drei Punkten im Rücken angehen.

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