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Mainz - Schalke Wo ist der Ball?

Mainz 05 verliert zu oft zu schnell die Kontrolle – aber deshalb noch lange nicht alle Spiele.

Hamburger SV - FSV Mainz
Gratulation: Kapitän Stefan Bell mit Torwart Florian Müller (rechts) nach erledigter Arbeit in Hamburg. Foto: Carmen Jaspersen (dpa)

Dies sind die statistischen Werte der Bundesliga-Fußballmannschaft von Mainz 05 in diesem Jahr:

• Spiel am vergangenen Samstag in Hamburg (0:0): angekommene Pässe HSV 311, Mainz: 108.
• Spiel am Freitag vor zwei Wochen gegen den VfL Wolfsburg (1:1): angekommene Pässe Mainz 241, Wolfsburg: 380.
• Spiel am Freitag vor drei Wochen in Berlin (2:0-Sieg): Hertha 389, Mainz 138.
• Spiel vor vier Wochen in Hoffenheim (2:4): TSG 413, Mainz 174.
• Pokal bei Eintracht Frankfurt (0:3): Eintracht 428, Mainz: 268.
• Mainz – Bayern (0:2) 214:491
• Leverkusen – Mainz (2:0): 547:191
• Mainz – Stuttgart (3:2): 291:465
• Hannover – Mainz (3:2): 292:297.

Macht summa summarum in neun Partien 3716 angekommene Pässe der Gegner und lediglich 1922 erfolgreiche Abspiele der Nullfünfer. Es zeigt einerseits eindrucksvoll, dass es den Rheinhessen in dieser personellen Aufstellung, gepaart mit dieser taktischen Ausrichtung nicht gelingt – womöglich noch nicht einmal gelingen will –, ein Spiel zu diktieren; selbst nicht einmal annähernd gegen Teams aus ähnlichen Gefilden (Hamburg, Stuttgart, Wolfsburg, Hertha). Andererseits zeigen die Zahlen auch, dass das zum Gewinnen gar nicht unbedingt notwendig ist. Die Spiele gegen Stuttgart und in Berlin legen dafür Zeugnis ab. Zudem zeigt sich, dass die Mainzer selbst mit einer eklatant schlechteren Passquote – oder gerade deshalb, weil sie dann nicht Gefahr laufen, im Aufbauspiel leichte Bälle zu verlieren? – in der Lage sind, ihre Defensive zu stärken. In den letzten drei Spielen in Berlin, gegen Wolfsburg und in Hamburg kassierten sie lediglich einen Gegentreffer.

Müller hütet das Tor

Ein fieser Vergleich: Am Wochenende hat  Ilkay Gündogan einen Rekord in der Premier League aufgestellt. Gegen den FC Chelsea spielte er 174 Pässe, von denen stolze 167 ankamen. Peps Passkönige schafften beim 1:0-Sieg 902 erfolgreiche Abspiele.

Zurück zu Mainz 05: In Hamburg, wo die schaurigen Auswärtsvorstellungen in Leverkusen, Frankfurt und Hoffenheim spielerisch nach unten hin abgerundet wurden, war die Null vor allem dem jungen Torwart Florian Müller zu verdanken. Der 20-Jährige agierte derart überzeugend, dass das Fachblatt „Kicker“ dem Bundesliga-Debütanten sogleich zum Spieler des gesamten Spieltags erkor.

Müller wird heute (20.30 Uhr) gegen den Tabellenzweiten Schalke 04 das Mainzer Gehäuse hüten. Der Ex-Nationaltorwart René Adler hat sich zwar gesund zurückgemeldet, seinen zuvor durch den nun verletzten Robin Zentner besetzten Stammplatz aber vorerst verloren. Es handele sich um eine „total logische Entscheidung“, dass Müller spiele, sagte Trainer Sandro Schwarz. Denn Müller habe in Hamburg eindrucksvoll gezeigt, dass er in der Lage ist, „dem Druck im Abstiegskampf standzuhalten“.

Er habe Adler über die Entscheidung informiert, dieser habe „sehr professionell reagiert und die Entscheidung respektvoll aufgenommen“. Tatsächlich wäre alles andere wenig nachvollziehbar gewesen. Adler hatte bei seinem einzigen Einsatz in diesem Jahr im Pokal in Frankfurt schwer gepatzt und sich danach abwechselnd verletzt oder krank abmelden müssen.

In Mainz kommt es heute Abend zum Wiedersehen mit Ex-Manager Christian Heidel, der – Ironie des Schicksals – mitverantwortlich dafür ist, dass Müller noch bei den Nullfünfern unter Vertrag steht. Vor zwei Jahren, berichtete Heidel, habe er nach Rücksprache mit Torwarttrainer Stephan Kuhnert ein Schalker Angebot für Müller abgelehnt. Kuhnert habe nämlich seinerzeit die Rückmeldung gegeben, bei Müller handele es sich um das größte Talent, das der erfahrene Torwarttrainer je unter seinen Fittichen gehabt hätte.

Müller soll nun möglichst bis Saisonende die Nummer eins bleiben. „Wir haben nicht vor“, so Schwarz, „in unserer Situation Wechselspiele zu veranstalten.“ Die hat es im Tor zwangsweise zuletzt ohnehin schon mehr als genug gegeben. Im Gegensatz zum Ball in den eigenen Reihen.

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