Lade Inhalte...

Mainz - Schalke Eine Niederlage wie ein kleiner Sieg

Mainz 05 dominiert seit ewigen Zeiten mal wieder ein Spiel überzeugend: fast 55 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, fast 80 Prozent gute Pässe gespielt. Doch am Ende gewinnt Schalke.

Karim Onisiwo
Will nicht mehr hingucken: Karim Onisiwo, Mainz 05. Foto: dpa

Am Samstagabend hat der Schalker Trainer Domenico Tedesco im Sportstudio gesessen und den Unsinn erzählt, den Trainer meinen, mitunter erzählen zu müssen, obwohl ihnen das ohnehin kein Mensch je geglaubt hat. Tedesco gehört zu den Leuten, die ständig von „wir“ sprechen und selten von „ich“. Was dann im weiteren Gespräch mit dem klug fragenden Moderator Jochen Breyer so interpretiert werden musste, als schaue niemand bei Schalke 04 nach dem furchtbar herausgekloppten 1:0 beim tapferen Mainz 05 auf die Tabelle, sondern alle miteinander immer nur aufs nächste Spiel. Als ob diese blöde Bundesligatabelle ein Haufen Mist wäre und ein zweiter Platz am besten darunter vergraben würde. 

Aber da Tedesco den Trainerlehrgang mit der Note eins bestanden hat, wird er wissen, was er tut, die Tabelle, die er nie anschaut, gibt dem jungen Mann, der von seinen Spielern allseits hoch gelobt wird, zudem auch Recht. Wenngleich man sich fragen muss, wieso eine Mannschaft, die derart vercoacht worden ist wie Schalke 04 in Mainz und dabei eine derart schlichte Vorstellung abliefert, am Ende dennoch mit drei Punkten nach Hause fährt? Tedesco war so ehrlich zuzugeben, dass er einen ganz anderen Fußball von Mainz 05 erwartet hatte, mehr Bolzball und weniger Spielkultur. Das war tatsächlich ja auch anzunehmen gewesen, denn die Mainzer hatten in diesem Jahr zuvor nie besonders ansehnlichen Hochleistungssport geboten. 

Aber dann schenkten Tedescos kleinmütige Schalker den Gastgebern erstaunlich viel Raum, warteten ab, statt selbst zu agieren, und siehe da: Am Ende hatte Mainz 05 seit ewigen Zeiten mal wieder ein Spiel überzeugend dominiert, fast 55 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, fast 80 Prozent gute Pässe gespielt, mehr Ballbesitz gehabt – und am Ende doch verloren. Ein lichter Moment von Daniel Caligiuri, ein Augenblick des kollektiven Wegdösens einiger Nullfünfer reichte zu diesem einen einzigen gefährlichen Schuss aufs Mainzer Tor, der zum Sieg führte.

Wenn zuletzt der Mönchengladbacher Trainer Dieter Hecking das dürftige Angebot an Delikatessen in der Bundesliga kritisierte („Schauen Sie sich in der Liga um: Es gibt nicht mehr viele Mannschaften, die Fußball spielen wollen“), dann sollten Tedesco und Schalke 04 sich am Freitagabend im Dauerregen angesprochen fühlen. „Wir hätten uns über eine Niederlage nicht beschweren dürfen“, räumte der Fußballlehrer hinterher ein. Aber ihm seien hässlich eingefahrene Punkte lieber als ein schönes Spiel ohne Zähler. Wahrscheinlich, weil das für die Position in genau jener Tabelle besser ist, auf die er niemals guckt.

Auf Wolfsburg aufgeholt

In Mainz haben sie sich erst noch geärgert über das unglückliche Ding, aber dann hat später am Abend Trainer Sandro Schwarz noch mit dem zu Schalke übergewechselten Ex-Manager und alten Kumpel Christian Heidel das eine oder andere Kaltgetränk in der Fankneipe „Haasekaste“ weggespült, und dann fühlte sich die Niederlage schon wieder wie ein kleiner Sieg des Underdogs gegen den Goliath an. Noch besser sah die Sache dann am späten Samstagnachmittag aus. Da wusste man: Mainz hat an diesem Wochenende zwei Tore auf Wolfsburg aufgeholt und sich um fünf weitere Treffer vom Hamburger SV abgesetzt. Das ist nicht viel, aber immerhin etwas.

Aber nächsten Samstag geht es zum Auswärtsspiel nach Frankfurt, die Erinnerungen sind düster, das Pokalaus (0:3) vor einem Monat war ein Tiefpunkt der bewegten Mainzer Klubhistorie. Sandro Schwarz will gar nicht mehr dran denken, das, doziert, der Coach, sei psychologisch ungeschickt: „Wir nehmen lieber die positiven Dinge aus dem Schalke-Spiel mit nach Frankfurt als die negativen aus dem Pokalspiel.“ 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen