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Mainz - Freiburg Bibiana Steinhaus entscheidet in der Halbzeitpause

Ein kurioser Strafstoß nach Eingriff der Video-Assistentin sorgt für viel Aufregung beim 2:0-Sieg von Mainz 05 gegen den SC Freiburg im letzten Montagsspiel dieser Bundesligasaison.

1.FSV Mainz 05 v SC Freiburg
Alexander Hack und Rene Adler bejubeln den Sieg vom FSV Mainz 05. Foto: rtr

Mit einem beispiellosen Videoentscheid wurde das fünfte und letzte der umstrittenen Montagsspiele dieser Saison, diesmal  der Abstiegskrimi zwischen Mainz 05 und dem SC Freiburg, entscheidend beeinflusst. Am Ende gewannen die Rheinhessen durch zwei Treffer von Pablo de Blasis 2:0 (1:0) und räumten den Relegationsplatz für die Freiburger, die ihrerseits kommenden Samstag den Hamburger SV praktisch in Liga zwei bugsieren können.

Es gibt in der Fußball-Bundesliga nichts, was es noch nie gegeben hätte: Als der Großteil der Freiburger Mannschaft sich bereits zur Halbzeitpause in die Kabine begeben hatte und die Mainzer schon direkt vorm Spielertunnel standen, holte Schiedsrichter Guido Winkmann die Spieler allesamt zurück auf den Platz. Video-Assistentin Bibiana Steinhaus hatte dem Referee reichlich verspätet bedeutet, dass der Freiburger Marc-Oliver Kempf in der letzten Aktion vor dem Halbzeitpfiff ein strafwürdiges Handspiel im eigenen Strafraum begangen hatte. Winkmann überprüfte die richtige Wahrnehmung von Steinhaus in der Review-Area vor dem Bildschirm und pfiff dann Strafstoß. Die Entscheidung war nach aktueller Regelkunde richtig, aber natürlich aufgrund der unglücklichen Abfolge und viel zu langen Dauer auch schwierig vermittelbar. Besonders die Mainzer Fans fassten es nicht und bedeuten ihre Meinung dazu, obwohl ihre Mannschaft davon profitierte: „Fußball-Mafia DFB.“ Verkehrte Fußballwelt.

Freiburgs Jochen Saier ist sauer

Die Freiburger regten sich vor allem in Person von Sportchef Jochen Saier mächtig auf, derweil Trainer Christian Streich erstaunlich ruhig blieb. „Ich dachte“, sagte Saier in der Pause, „mit dem Halbzeitpfiff ist ein Haken dran. Dem ist nicht so. Das müssen wir schweren Herzens akzeptieren. Es wird immer kurioser.“ Pablo de Blasis ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und knüppelte den Ball, fast sieben Minuten, nachdem Winkmann zur Pause gepfiffen hatte, unten links zum 1:0 für Mainz ins Eck. Irgendwie war es dann auch ein verdienter Rückstand zu diesem Zeitpunkt für die Freiburger Maurermeister, die sich bis dahin mit Mann und Maus mit Abwehrarbeit beschäftigt hatten.        

Aus Protest gegen die Ansetzung von Montagsspielen hatten Fangruppierungen vor dem Spiel zu absoluter Zurückhaltung aufgefordert: „Es darf heute kein normales Bundesligaspiel geben, wir Fans sollten uns dafür nicht als strahlende Kulisse zur Verfügung stellen. Folglich verzichten wir auf kreative und farbenfrohe Elemente bei der Unterstützung unserer Mannschaft, stattdessen bleibt das Stadion heute dunkel und die Stimmung eher monoton.“  Auch die Freiburger Anhänger beteiligten sich. Vor deren Block hing ein Banner: „Ihr fahrt den Fußball an die Wand.“ Aber trotz des Montags hatten denn doch mehrere Tausend der Gästefans es geschafft, pünktlich im Stadion zugegen zu sein – wie schwierig das im Einzelfall auch gewesen sein mag, ohne den Dienstherren durch frühe Arbeitsniederlegung zu vergrätzen. 

Allerdings hatte man die ohnehin selten zum Besten gefüllte Mainzer Arena lange nicht so leer gesehen. Lediglich 26.400 Tickets waren abgesetzt worden, reichlich wenig, wenn man bedenkt, welch große Bedeutung die Partie im Abstiegskampf hatte. „Montags“, rief Stadionsprecher Klaus Hafner zeitig in sein Mikrofon, „ist ein Scheiß-Tag zum Fußballspielen.“ Der Plan, eine monotone Stimmung zu erzeugen, wurde dann durch vielfach gellende Trillerpfeifen und Vuvuzelas ersetzt, die in den Ohren reichlich wehtaten, sowie anfangs durch Sprechchöre: „Montagsspiele abschaffen!“  In dieser Lautstärke hatte man die Ultras ihre eigene Mannschaft nur selten anfeuern hören, gestern allerdings strengten sie sich auch bei der Unterstützung hörbarer an als gewohnt.

Klorollen und Fußball auf unterstem Niveau

Für die Spieler auf dem Platz war es in dieser seltsamen Atmosphäre nicht einfach, halbwegs ordentlich Fußball zu spielen. Denn eine sinnvolle Kommunikation war schlicht unmöglich. Es entwickelte sich jedenfalls eine spielerisch noch enttäuschendere Partie auf unterstem Bundesliganiveau, als man es zuvor hätte erwarten können. Beide Mannschaften, die in den vorhergegangenen sechs Spielen jeweils nur zweimal getroffen hatten,  war die Unsicherheit anzumerken.

Auch die zweite Halbzeit konnte erst verspätet gestartet werden. Aus dem Mainzer Ultrablock waren hunderte Klorollen auf das Spielfeld geworfen worden, begleitet von Gesängen: „Montag ist für´n Arsch.“  Der Ordnungsdienst hatte mächtig zu tun. Und als zum ersten Mal aufgeräumt war, flogen die Klorollen ein zweites Mal hundertfach. Dann ging es irgendwann weiter mit dem Kerngeschäft. Die Freiburger wollten natürlich mehr, aber sie konnten nicht. Mainz hatte die besseren Chancen – de Blasis entschied das Spiel in der 79. Minute mit seinem zweiten Tor nach einem hanebüchenen Fehler des Freiburger Torwarts Alexander Schwolow. Wütende Gäste brachten immerhin noch kurz vor Schluss einen spektakulären Lattenkracher von Nils Petersen zustande.

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