Lade Inhalte...

Mainz 05 Unterwegs im Feuchtgebiet

Mainz 05 muss für den Rest der Saison ohne den arg verletzten René Adler auskommen. Gegen Borussia Dortmund wird wohl Florian Müller zu seinem vierten Bundesligaspiel kommen.

René Adler
Da war er noch gut drauf: Der jetzt verletzte René Adler bejubelt den Sieg über RB Leipzig. Foto: rtr

Sandro Schwarz hat am Donnerstag in der Pressekonferenz nacheinander aufgezählt, welcher seiner Profis am Samstag beim fälligen Punktspiel in Dortmund verletzt sein wird. Dabei vergaß der nicht als vergesslich bekannte, erst 39 Jahre alte Trainer von Mainz 05 doch glatt darauf hinzuweisen, das Torwart René Adler bereits am Vortag das Training hatte abbrechen müssen. Am gestrigen Freitag dann gab der Klub bekannt, dass es sich keinesfalls um eine Bagatellmalaise beim Ex-Nationaltorhüter handelt. Der 33-Jährige habe sich eine nicht näher definierte Knieverletzung zugezogen, die einen operativen Eingriff nötig mache. Adler befindet sich bereits in der Obhut des Münchner Spezialisten Prof. Stefan Hinterwimmer. Es ist nun davon auszugehen, dass stattdessen der 20-jährige Florian Müller in dessen vierten Bundesligaspiel das Tor hüten wird. Bei seinem Debüt hatte der Mann aus dem eigenen Nachwuchs ein 0:0 in Hamburg fast im Alleingang gerettet. Für Adler, ohnehin oft unpässlich, ist die Saison definitiv vorbei. Damit gar nicht erst Vermutung aufkommen, seine Karriere könne beendet sein, ließ er wissen, dass er den Sommer nutzen werde, sich „vollständig auszukurieren“.

Ohnehin ist Statistik für Mainzer Auswärtsspiele in Dortmund besorgniserregend: elf Spiele, vier Unentschieden, sieben Niederlagen aus Sicht der Nullfünfer. Die letzten sechs Partien in Dortmund gingen allesamt mehr oder weniger sang- und klanglos verloren. „Das“, gibt Schwarz zu, „hat schon Aussagekraft.“ Eine Aussagekraft, die verdächtig nach null Punkten am Samstag im Fußballtempel des BVB riecht und somit danach, dass Mainz 05 sich erst am letzten Spieltag gegen Werder Bremen aufs Trockene retten kann. Oder absäuft. Oder im Feuchtgebiet noch zwei Entscheidungsspiele zu absolvieren hat. Die Späher sind längst ausgeschickt worden, um den potenziellen Zweitliga-Dritten Holstein Kiel generalstabsmäßig zu überwachen.

Die Stimmung in Mainz ist diese Saison bestimmt nicht immer gut gewesen, dazu gab es zu viele Missklänge – zwischen Ultras und Verein, zwischen Sportchef, Geschäftsführung und längst zurückgetretenem Präsidenten, zwischen Aufsichtsrat und Vorstand, zwischen Ex-Präsidium und Mitgliedern, in einer Mannschaft, die nicht wie eine Einheit wirkte –, aber jetzt gerade, nachdem RB Leipzig vergangenen Sonntag humorlos 3:0 abgefertigt wurde, ist das alles in den Hintergrund gerückt. Und man muss sagen: Dass Mainz 05 es mit einem unerfahrenen Trainer Sandro Schwarz in seinem ersten Bundesligajahr und einem Sportvorstand Rouven Schröder in seiner erst zweiten alleinverantwortlichen Erstligasaison unter diesen komplizierten Umständen zumindest soweit geschafft hat, zwei Spieltage vor Schluss noch Land zu sehen, darf vielleicht sogar als bemerkenswert betrachtet werden. Es hätte alles viel schlimmer kommen können. Aber es kann natürlich auch noch schlimm kommen, wiewohl die Wahrscheinlichkeit sich seit Sonntag etwas verzwergt hat.

„Das Spiel gegen Leipzig war das Signal, das wir gebraucht haben“, sagt Schwarz, „in einem Druckspiel haben wir eine Leistung abgerufen, die uns die wenigsten zugetraut haben. Das hat uns allen gut getan – Spielern, Trainerteam, Geschäftsstelle, Aufsichtsrat, Fans.“ Wahrscheinlich sogar den Feldhasen rund um die Arena. Die hoppeln dort derzeit auffällig gut gelaunt über die Äcker. Kann natürlich auch am guten Wetter liegen.

Der – im Verhältnis zum Aufsichtsrat womöglich noch ein wenig brüchige – Zusammenhalt ist in der Tat auch dringend notwendig, um die Klasse zu halten. Der Haufen Glück, der sich am Sonntag nach dem Treffer zum 3:0 durch den kleinen Ridle Baku aus vielen Leibern an der Eckfahne am Rand der Haupttribüne gestapelt hatte, war Ausdruck dieses Zusammenhalts. „Es muss eine Sucht sein, dass man solche Momente immer wieder erleben will“, fordert Schwarz, der bei sich selbst und dem einen oder anderen im Mitarbeiterstab „Tränen in den Augen“ entdeckt haben will.

Auch die Ersatzspieler, selbst solche wie Giulio Donati, die eigentlich Stammkräfte sind, türmten sich mit auf. Seitdem ist klar: „Wir können die Dinge jetzt selbst regeln, unabhängig davon, was auf den anderen Plätzen passiert“, weiß Schwarz auch ohne abgeschlossenes Mathematikstudium.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen